Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat am Freitagnachmittag grünes Licht für die Marktzulassung des AstraZeneca-Impfstoffes, des nunmehr dritten Corona-Vakzins, gegeben. Allerdings erfolgte dies mit der Einschränkung, dass es für die Wirkung dieses Impfstoffs noch kaum Studienergebnisse bei Menschen, die älter als 65 Jahre sind, gebe. Der österreichische Seniorenrat, in der die beiden größten Organisationen in Österreich, mit dem ÖVP-Seniorenbund und Obfrau Ingrid Korosec sowie dem SPÖ-Pensionistenverband mit seinem Präsidenten Peter Kostelka die Leitung innehaben, ist deswegen besorgt.

Der Seniorenrat hat daher eine außerordentlich Sitzung einberufen und fordert von der türkis-grünen Bundesregierung noch Antworten vor den Impfungen für über 65-Jährige. Österreichs nationales Impfgremium beschäftigt sich am Sonntag mit dem AstraZeneca-Impfstoff, bevor am Montag die Regierung mit Länder- und Oppositionsvertretern die weitere Vorgangsweise zum Lockdown und zum Impfplan bespricht.

Bundesregierung ist am Zug

Für den Seniorenrat bleiben nach der Freigabe für den AstraZeneca-Impfstoff weiter ausdrücklich "Bedenken", weil es nicht genügend Daten über die Wirksamkeit des Präparats bei älteren Menschen gebe. Österreichs Impfstrategie baut zentral auf diesen billigeren Impfstoff, der leichter gelagert und transportiert werden kann, wie jener von BionTech/Pfizer, der seit 27. Dezember geimpft wird, aber auf bis zu minus 70 Grad gekühlt werden muss. Korosec und Kostelka wollten daher von der türkis-grünen Bundesregierung Auskunft, wie diese mit den Bedenken umzugehen gedenkt.

Die Bundesregierung hat das Experten-Impfgremium zuvor aufgefordert, die Fragen für die nationale Zulassung des dritten Impfstoffs nach BionTech/Pfizer und Moderne zu klären. Die europäische Arzneimittelbehörde hat den AstraZeneca-Impfstoff für die Altersgruppe zwar ab 18 Jahren freigegeben. Für Menschen über 65 Jahren passierte das aber mit der Einschränkung, dass es nicht ausreichend Testergebnisse gebe. Der britisch-schwedische Pharmakonzern will dazu Daten nachliefern. Es ist freilich so, dass der AstraZeneca-Impfstoff vor allem in Großbritannien für ältere Menschen zum Einsatz kommt, gröbere Komplikationen sind bisher nicht bekannt.

Erste Impfdosen ab 7. Februar

Der Termin für die Sondersitzung des Seniorenrates war zunächst noch offen. Jedenfalls wird dieser erst nach dem Treffen des nationalen Impfgremiums stattfinden. In Österreich wurden die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen bisher mit dem BionTech/Pfizer-Impfstoff geimpft. AstraZeneca soll nach den bisherigen Plänen nun auch für ältere Menschen, die nicht in Heimen wohnen, zum Einsatz kommen. Nach dem bisherigen Terminplan werden die ersten AstraZeneca-Lieferungen für 7. Februar in den EU-Staaten und auch in Österreich erwartet. Wiens Stadtrat Peter Hacker rechnet damit, dass der Impfstoff, der gemäß Bevölkerungsschüssel auf die Bundesländer ausgeteilt wird, dann auch rasch mit ersten Impfdosen in Wien zum Einsatz kommt.

Die überarbeitete Impfstrategie von Gesundheitsminister Rudi Anschober wird am Montag nach der weiteren Vorgangsweise für den zunächst bis 7. Februar dauernden Lockdowns zentrales Thema bei der Corona-Krisensitzung der Bundesregierung mit Ländervertretern und den Oppostiionsparteien sein. Unklar war am Samstag vor allem auch noch, wie viele Impfdosen AstraZeneca im ersten Quartal 2021, vor allem im März, tatsächlich liefern kann. Der Konzern hatte zuletzt weniger Lieferungen angekündigt, woraufhin die EU-Kommission den Druck auf das Unternehmen, dass Millionen-Vorauszahlungen erhalten hat, erhöht hat.