Befürchtungen, vor Schulbeginn drohe "Chaos" in den Volksschulen, von Eltern wie auch von Lehrern, Unverständnis darüber, dass die Corona-Selbsttests nicht schon zu Hause durchgeführt werden können und Beruhigung vonseiten des Bildungsministeriums und der Wiener Bildungsdirektion: Das waren am Dienstag die Reaktionen darauf, dass nach den Semesterferien ab 8. Februar in Wien und Niederösterreich und ab 15. Februar in den anderen Bundesländern der Präsenzunterricht in den Schulen nach wochenlangem Lockdown wieder aufgenommen wird.

Die meiste Aufregung lösten die Corona-Selbsttests, die zweimal pro Woche durchgeführt werden müssen, vor allem in Volksschulen aus. "Das sieht am Schreibtisch einfacher aus, als es in der Praxis ist", erklärte der Vorsitzende des Wiener Elternverbandes, Karl Dwulit, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung": "Ich teile sehr viele Bedenken der Eltern." So sei auch unklar, was nach einem positiven Test genau passiere. Am Dienstag gab es eine Online-Konferenz mit dem Bildungsministerium. Dabei sei der Hinweis, warum man die Selbsttests nicht daheim durchführen könne, laut Dwulit, mit dem Argument abgelehnt worden, das könne man nicht überprüfen. Von Elternseite gab es aber auch Kritik daran, dass Schüler, deren Eltern die Schnelltests verweigern, daheim bleiben müssen. Für diese gebe es aber keinen Heimunterricht, sondern nur Aufgaben.

Lösungen an Schulstandorten

Volksschüler werden an allen fünf Wochentagen in die Schulklassen zurückkehren. Montag- und Mittwochfrüh müssen vor Schulbeginn die Corona-Schnelltests durchgeführt werden. In Mittelschulen, aber auch an Gymnasien und anderen höheren Schulen sowie an Berufsschulen wird es hingegen einen Schichtbetrieb mit geteilten Klassen geben.

Bildungsminister Heinz Faßmann hatte am Dienstagvormittag erklärt, die Corona-Selbsttests vor Schulbeginn sollten im Freien, bei den Schuleingängen oder in Turn- und Festsälen durchgeführt werden. In Wien ist das wegen der räumlichen Situation und angrenzenden Straßen teils besonders heikel. Der Wiener Bildungsdirektor Heinrich Himmer versucht die Wogen zu glätten. Bei Schulen könnten kleine "Teststraßen" eingerichtet werden, sagte er im ORF-Radio. Volksschullehrer schütteln wegen der Organisation den Kopf. Eltern verweisen darauf, dass sich in der Früh mehr als hundert Kinder, teilweise mit Müttern oder Vätern vor den Volksschulen tummeln würden.

Das Bildungsressort setzt auf autonome Lösungen an den einzelnen Schulstandorten, was Lehrerinnen und Lehrer befürchten lässt, dass damit auch für die Schnelltests, bei denen der Abstrich vorne an der Nase zu machen ist, deswegen ist scherzhaft von "Nasenbohrer-Tests" die Rede, wieder an ihnen hängen bleibt. Volksschüler müssen im Schulgebäude Corona-Schutz-Masken tragen.

Ab 14 Jahren FFP2-Maskenpflicht

Die Selbsttests der Schüler sind zwar grundsätzlich freiwillig. Allerdings dürfen jene Schüler, die auf Wunsch der Eltern nicht getestet werden, nicht am Präsenzunterricht in der Schule teilnehmen, sondern müssen daheim bleiben. Laut Faßmann ist diese Vorgangsweise mit Verfassungsexperten abgeklärt, Sie sei zulässig wegen der Corona-Pandemie und weil sie zeitlich befristet sei. Der Ressortchef begründete die Vorsicht bei der Schulöffnung, man gehe "nicht mit Hurra und Blauäugigkeit" hinein, sondern mit Vorsicht, damit die Schulen nicht in zwei, drei Wochen wieder geschlossen werden müssten.

An Mittelschulen sowie an Berufsschulen und an AHS-Unter- und Oberstufen sowie an Höheren Schulen ist verpflichtend ein Schichtbetrieb mit Klassenteilung geplant. Das bedeutet, die Gruppe A ist am Montag und Dienstag im Präsenzunterricht, die Gruppe B am Mittwoch und Donnerstag, am Freitag ist für alle Heimunterricht. Die Gruppe A muss verpflichtend am Montag Corona-Selbsttests in den Schulen durchführen, die Gruppe B am Mittwoch.

Für das Tragen der Masken gilt: Schüler ab der Mittelschule beziehungsweise ab der AHS-Unterstufe müssen einen Mund-Nasenschutz auch im Unterricht tragen. Für Schüler ab 14 Jahren und älter gilt die Pflicht, FFP2-Masken zu tragen.