Die Semesterferien in Wien und Niederösterreich neigen sich dem Ende zu. Am kommenden Montag beginnt nicht nur das zweite Semester des Schuljahres 2020/21, sondern es gibt nach der Entscheidung der türkis-grünen Bundesregierung und von Bildungsminister Heinz Faßmann nach wochenlangem Heimunterricht auch die Rückkehr der Schüler in ihre Schulklassen. Voraussetzung dafür ist aber, dass sich die Schüler zu Schulbeginn Montag früh erstmals den Corona-Selbsttests unterziehen. Wer nicht mitmacht, muss daheim bleiben.

Der Vorsitzende des Zentralausschusses der Wiener Pflichtschullehrer, Thomas Krebs, verlangt allerdings einen "gewisse Vorlauf" zur Umsetzung der strengeren Corona-Schutzmaßnahmen. Der Christgewerkschafter (FCG) tritt daher für "Übergangstage" ein, damit die Schulpartner, also Lehrer-, Eltern- und Schülervertretung die Maßnahmen umsetzen können. Denn die Organisation liegt jeweils bei den Schulleitungen an den einzelnen Schulstandorten. Für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) wird der kommende Montag ein "Übungstag", wie er sagte.

Vor allem von Müttern und Vätern gab es nach der Ankündigung der Corona-Selbsttests auch für Volksschüler zu Beginn der Semesterferienwoche Bedenken. Bildungsminister Heinz Faßmann hat erklärt, die Organisation der Selbsttests vor Schulbeginn solle entweder im Freien vor den Schulgebäuden, beim Eingang oder in Fest- oder Turnsälen erfolgen, das obliegt den jeweiligen Schulen. Elternvereinsvertreter wie Karl Dwulit aus Wien haben bei einer Online-Aussprache mit dem Bildungsministerium nach der Möglichkeit gefragt, die Selbsttests daheim durchzuführen, um ein Chaos zu vermeiden. Das ist vom Bildungsressort aber mit Hinweis auf die nicht vorhandene Kontrollmöglichkeit abgelehnt worden.

In Volksschulen sind Montag und Mittwoch Testtage, in Mittelschulen gibt es einen Schichtbetrieb mit geteilten Klassen, wobei eine Gruppe am Montag und eine am Mittwoch getestet wird, ebenso an Gymnasien und anderen Höheren Schulen sowie Berufsschulen. Volksschüler müssen Corona-Schutzmasken im Schulgebäude tragen, Mittelschüler Mund-Nasen-Schutz auch im Unterricht, Schüler ab 14 Jahren verpflichtend FFP2-Masken im Unterricht.

Druck auf vorrangige Impfungen für Lehrer

Für den Zentralausschussvorsitzenden der Lehrerinnen und Lehrer an Wiener Pflichtschulen ist vor allem auch die Frage zu klären, was im Falle eines positiven Selbsttests bei einem Schüler passieren muss. Diesbezüglich müsse eine "zuverlässige und unterstützende Betreuungskette" gewährleistet sein, fordert Krebs. Außerdem seien Schuldirektoren und Lehrpersonal an den einzelnen Schulen auf die Unterstützung durch die Eltern angewiesen. Die Eltern dürften nicht gegen Sicherheitsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Epidemie vorgehen, meint er.

Darüber hinaus drängt der oberste Vertreter der Wiener Pflichtschullehrer auf mehr Tempo bei den Corona-Impfungen für die Lehrer. Um möglichst rasch zu einer "Normalisierung" des Schulbetriebs zu kommen, verlangt Krebs daher einmal mehr, dass Lehrer "ehebaldigst vorrangig geimpft werden". Der Lehrergewerkschafter beklagt: "Ich habe mittlerweile den Eindruck, dass diese Vorrangigkeit sowohl der Bundespolitik als auch der Landespolitik kein hohes Anliegen ist." Ähnliche Wünsche für rasche Corona-Impfungen gab es zuletzt bereits auch zum Schutz des Kindergartenpersonals. Darüber hinaus vermisst Krebs auch die wertschätzende öffentliche Anerkennung der Leistung der Lehrerinnen und Lehrer durch die Bildungsverantwortlichen.

Auch die roten Lehrervertreter wurden aktiv. Die Fraktion sozialdemokratischer Pflichtschullehrer mit ihrem Vorsitzenden Thomas Bulant hat sich mit der Forderung nach Aufklärung zu konkreten Fragen an Bildungsminister Heinz Faßmann gewandt. Sie zeigten sich vor allem verwundert darüber, dass drei Tage nach der Verkündung der Rückkehr in die Schulklassen ab 8. Februar durch die Bundesregierung die einzelnen Schulen noch nicht über die Durchführung der strengeren Corona-Schutzmaßnahmen und der Selbsttests für die Schüler offiziell informiert worden seien. Es gebe keine Verordnung, keinen Erlass und keine Weisung.

Insgesamt wurde daher acht konkrete Fragen den Bildungsminister gerichtet. Diese reichen von der Auskunft darüber, ob "Mini-Teststraßen" bei den Schulen an der notwendigen personellen Unterstützung und an der Infrastruktur scheitern bis zur Frage, wann endlich der konkrete Impfplan für das Lehrpersonal vorgelegt werden. Darauf erwarte man sich durch eine Verordnung des Ministers rechtssichere Antworten, betonte Bulant.

 

Für Faßmann ein "Riesenprojekt

Die Rückkehr in den Präsenzunterricht bezeichnete Faßmann als "ein Riesenprojekt". Es brauche daher auch "Toleranz, wenn es beim ersten Mal nicht reibungslos funktioniert". Kritik an der Genauigkeit der "Nasenbohrer"-Tests konterte der Minister damit, dass es ohne das Testen keine Öffnung geben könne.

Es stimme, dass deren Genauigkeit nicht perfekt sei, es würden aber etwa immerhin drei Viertel der symptomatisch Covid-19-Infizierten erkannt, wie eine Überprüfung der Gesundheitsagentur Ages gezeigt habe, auf die der Minister vertraut. "Wäre es besser, gar nicht zu testen?", fragte Faßmann. Man führe hier in Österreich etwas durch, "das seinesgleichen sucht".

Niemand könne ernsthaft verlangen, dass die deutlich genaueren PCR-Tests bei Kindern zwei Mal in der Woche durchgeführt werden. Es handle sich österreichweit um rund 1,1 Millionen Schüler. Das sei logistisch und von den Laborkapazitäten her unmöglich. Beim Blick auf den "Übungstag" am Montag bat der "ein bisschen aufgeregte" Minister um Nachsicht, da dann noch nicht alles perfekt ablaufen könne. Der "Gewinn durch die Präsenzlehre übersteigt aber mit Sicherheit Investition".

Videokonferenzen in Wien und NÖ mit Standorten

Man habe alle Schulleitungen kontaktiert, die Bildungsdirektionen Wien und Niederösterreich würden die Standorte derzeit mit Videokonferenzen vorbereiten, Schulärzte würden sich beteiligen und Gemeinden Personal für Fragen abstellen. Eltern, die dem Ablauf skeptisch gegenüberstehen, können beim ersten Termin dabei sein. Ist das etwa in einer Klasse sehr oft der Fall, soll das Prozedere nach Möglichkeit ins Freie verlegt werden, so Faßmann. Es werde auch möglich sein, dass Schulen einen zeitlich gestaffelten Start durchführen, "damit nicht zu viel sozusagen 'Traffic' in der Schule ist".

Der Montag sei in gewissem Sinne auch ein Übergangstag. Das gelte vor allem für Volksschulen, wo wahrscheinlich noch nicht alle Kinder mit den notwendigen Einverständniserklärungen ausgestattet sein werden. Falls die Eltern mitkommen, könnten diese dann auch gleich vor Ort ausgefüllt werden. Ist dem nicht so, können die Kinder, die den Test nicht mitmachen, am Montag noch in einem eigenen Raum unter Aufsicht oder ausnahmsweise mit Nasen-Mundschutz in der Klasse bleiben, hieß es aus dem Ministerium. In den Tagen danach gelte: Kein Aufenthalt in der Schule ohne negativen Test. (ett/apa)