Leichte Entwarnung bezüglich der südafrikanischen Virusmutation in Tirol hat am Donnerstag der Geschäftsführer der HG Pharma, jenes Labors, das den Großteil der Tiroler PCR-Proben auswertet, gegeben. Es gebe keine exponentielle Steigerung bei den Südafrika-Fällen, derzeit sei die Kurve sogar tendenziell rückläufig, sagte Ralf Herwig im APA-Gespräch. Seiner Meinung nach sei es derzeit demnach nicht gerechtfertigt, Tirol abzuriegeln.

Nach dem Auftreten der ersten Mutationsfälle in Tirol habe die HG Pharma in den vergangenen Tagen massiv aufgerüstet und könne nun bereits in einer ersten Mutationsuntersuchung von positiven PCR-Proben schon am Folgetag Verdachtsfälle aufspüren. Man habe also stets einen aktuellen Überblick über die Lage. Diese Verdachtsfälle werden dann in einem weiteren Schritt zur sogenannten "Sanger-Sequenzierung" an die Virologie der Med-Uni Innsbruck geschickt. Dort könne der Verdacht fast zu 100 Prozent genau bestätigt werden. Für eine Ganz-Genom-Sequenzierung, also die letzte Bestätigung, müssen die Proben jedoch zur AGES. Denn nur Andreas Bergthaler vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) könne eine Ganz-Genom-Sequenzierung durchführen. Dies hatte auch die AGES am Donnerstag gegenüber der APA bestätigt.

Die zuletzt von der Direktorin vom Institut für Virologie der MedUni Innsbruck Dorothee van Laer geäußerte Kritik, dass die Proben vom Land Tirol an die AGES geschickt werden, obwohl sie schneller sequenzieren könne, konnte Herwig nicht nachvollziehen. "Ich glaube, da hat sie etwas missverstanden", meinte Herwig. Es würden nämlich durchaus viele Proben an sie gehen. "Wenn wir von ihr ein schnelles Ergebnis wollen, dürfen wir aber auch sie nicht überlasten. Ich glaube deshalb nicht, dass es Sinn macht, ihr alle Proben zu geben", betonte der Mediziner. Es mache viel mehr Sinn, nur noch die "besonderen Fälle" zu sequenzieren, weil man eben mit der Mutationsuntersuchung durch die HG Pharma bereits eine gute Trefferquote erhalte.

Herwig schätzte, dass derzeit rund sieben Prozent der positiven PCR-Proben in Tirol einen Verdacht auf die südafrikanische Virusmutation liefern, aber eben nur einen Verdacht. Wie viele sich dann tatsächlich als bestätigte Fälle herausstellen, sei derzeit noch schwer zu sagen. Man habe am Anfang aber jedenfalls mehr Verdachtsfälle, als dann bestätigte Fälle.

Gute Datenlage in Tirol

Der Grund warum in Tirol die südafrikanische Mutation so verstärkt auftritt, liegt laut Herwig auch an der guten Datenlage. "In Tirol wissen wir wie viel wir haben, aber nur weil wir auch die Daten so gut kennen", betonte er. Die HG Pharma sei diesbezüglich europaweit "richtig weit vorne". Andere Bundesländer müssten 14 Tage auf die Ergebnisse der Sequenzierungen warten, in Tirol habe man die Ergebnisse bereits nach wenigen Tagen. Deshalb funktioniere auch das Contact Tracing hier sehr gut. Er glaube, dass die südafrikanische Mutation in Europa und auch in Österreich schon viel weiter verbreitet sein könnte, aber man es eben aufgrund der oft fehlenden Datenlage nicht wisse. So gibt es laut Herwig in Köln in Deutschland derzeit ein noch viel größeres Problem mit der Südafrika-Variante als in Tirol.

Die Lage in Tirol müsse man trotzdem ernst nehmen, betonte Herwig. "Das kann man nicht runter spielen, das ist aber auch jedem bewusst", betonte er. Deshalb sei es wichtig, die Lage in den kommenden Tagen noch genau zu analysieren und die Massentests durchzuführen. Die Aussage, dass Lockerungen in Tirol aber keines Falls möglich sind, sei seiner Meinung nach nicht gerechtfertigt. Vorsicht sei zwar geboten, aber "wenn sich der Trend so weiter entwickelt, bin ich sehr optimistisch", sagte Herwig.

Außerdem betonte der HG Pharma-Chef, dass das Gerücht, dass ein Hoteliers-Paar aus dem Zillertal, die in Südafrika waren, die Mutation nach Tirol gebracht hätten, nicht stimme. Der erste Fall der Südafrika-Variante sei rückwirkend nämlich am 23. Dezember festgestellt worden. Die Hoteliers seien aber erst am 25. Dezember wieder nach Tirol zurückgekehrt. "Die Hoteliers-Geschichte ist also ein Märchen", betonte Herwig.