Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz einen "Aktionsplan für Tirol" angekündigt, wo derzeit eine südafrikanische Mutation des Coronavirus für Beunruhigung sorgt. In "sehr, sehr enger Abstimmung" mit Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) habe man einen Plan entwickelt, "der mit Hochdruck umgesetzt wird, um die Mutationen zu begrenzen", sagte Anschober.

Konkret werden in der betroffenen Region - dem Bezirk Schwaz - Massentestungen vorbereitet - "nicht für drei, sondern für zehn Tage", so der Gesundheitsminister. Zusätzlich werde eine besonders engmaschige Kontaktnachverfolgung stattfinden, "um herauszufinden, wo es positive Fälle gibt". Es gehe darum, möglichst sämtliche Kontaktpersonen herauszufiltern. Ziel sei es, "die K1 und K2-Fälle zu ermitteln. Es braucht ein schnelles, breites, konsequentes Handeln", sagte Anschober.

Die Tests sind in Schwaz bereits angelaufen, wie das Land Tirol am Freitag mitteilte. Indes lagen im Bundesland nach wie vor 75 Fälle der südafrikanischen Mutation vor. Die Zahl der aktiven "Südafrika-Fälle" ist unterdessen aber von fünf auf eine Person gesunken.

Hinsichtlich der britischen Mutation wurden bisher 21 Fälle bestätigt. Auch hier gab es nur mehr eine aktiv positive Person. Das "erweiterte Testangebot" in Schwaz steht für die kommenden zehn Tage zur Verfügung.

Zusätzlich werden in der betroffenen Region Vorkehrungen zum Schutz der Alters- und Pflegeheime getroffen. Er habe "volles Vertrauen" in Platter und die Tiroler Behörden, versicherte Anschober. Am Sonntag werde dann entschieden, "ob zusätzliche Maßnahmen erforderlich sind".

Erhöhtes Ansteckungsrisiko

Auf die Frage, ob er Mittel zum Nachschärfen hätte, sollten die von Tiroler Seite gesetzten Schritte aus seiner Sicht nicht ausreichen, erwiderte der Gesundheitsminister, dafür gebe es in einer Pandemie grundsätzlich "die rechtliche Möglichkeit". "Aber mein Grundprinzip war immer ein Konsens mit der betroffenen Region", hielt er fest.

Die britischen und südafrikanischen Mutationen sieht Anschober deshalb als besonders heikel an, weil sie ein erhöhtes Ansteckungsrisiko "von 30 bis 70 Prozent" hätten, wie er erläuterte. Bei der südafrikanischen Variante sei außerdem "nicht gesichert, ob alle Impfstoffe wirken". Man müsse diese Variante daher "extrem ernst nehmen".

Tirols AK-Präsident verärgert

Tirols Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl ließ am Freitag indes inmitten der Diskussion um eine mögliche Isolation Tirols mit einer ungewöhnlichen Forderung aufhorchen. Er lehne, auch im Sinne der Tiroler Bevölkerung, eine solche Maßnahme kategorisch ab, erklärte er. Sollte ein solch regionaler Lockdown aber verordnet werden, forderte Zangerl, Tirol bei den Impfungen unverzüglich vorzuziehen.

"Es ist eine unerhörte Frechheit und verantwortungslos, wenn eine einzige Expertin vorprescht und Tirol zum europäischen Krisengebiet erklärt sowie die Totalisolation fordert", sprach der AK Präsident die jüngsten Aussagen der Virologin Dorothee von Laer an. Zahlreiche Experten hätten dargelegt, dass eine Abschottung Tirols aufgrund der Zahlen unnötig sei und auch aus anderen Gründen keinen Sinn mache. Er hoffe, dass in den nächsten Tagen nicht auf Druck von außen politische Fehlentscheidungen getroffen werden, so Zangerl.

Sollten jedoch die Expertenmeinungen ignoriert und sollte Tirol unter Quarantäne gestellt werden, forderte der AK Präsident unverzüglich allen verfügbaren Impfstoff nach Tirol zu beordern, um die scheinbar besonders gefährdete Bevölkerung schützen zu können.

"Es reicht, dass die EU bei der Bekämpfung der Pandemie in Bezug auf die Impfstoffbeschaffung schwere Fehler gemacht hat. Wenn wir jetzt auch in Österreich keinen gemeinsamen Weg finden, dann werden heute Tirol, morgen Salzburg und übermorgen Kärnten unter Quarantäne gestellt, Länder, die eine weit höhere 7-Tages-Inzidenz haben, als Tirol. Das sei doch "sinn- und planlos", kritisierte Zangerl. (apa)