Sie ist das Schreckgespenst für die türkis-grüne Bundesregierung, Gesundheitsexperten und Tirols Landespolitiker: die südafrikanische Corona-Mutation. Diese Variante hat nach jüngsten offiziellen Angaben des Landes vom Mittwoch auf 430 bestätigte und teils noch unbestätigte Fälle vom 23. Dezember bis 8. Februar zugenommen. 139 Fälle gelten als derzeit aktiv, wobei 63 Prozent dieser Fälle auf den Bezirk Schwaz und 20 Prozent auf den Bezirk Kufstein entfallen.

Deswegen verfolgen das Gesundheitsministerium mit seinen Experten und die Verantwortlichen in Tirol die Entwicklung ganz besonders genau mit täglichen Überprüfungen des Geschehens. Die Angst vor einer Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Mutation ist zugleich der Grund, warum von Bundesseite auch nach der angekündigten Pflicht zur Vorlage eines negativen Corona-Tests vor der Ausreise aus Tirol ab Freitag dieser Woche der Druck auf Tirol weiter erhöht wird. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat Mittwochmittag nach der Sitzung des Ministerrats die Landespolitik mit Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) an der Spitze vor allem zu deutlich mehr Corona-Tests in den Krisenbezirken, die von der Südafrika-Mutation des Virus besonders betroffen sind, gedrängt.

23 Prozent der Fälle mit der Corona-Mutation B.1.351 entfallen auf den Bezirk Schwaz, weitere 20 Prozent auf den Bezirk Kufstein.
23 Prozent der Fälle mit der Corona-Mutation B.1.351 entfallen auf den Bezirk Schwaz, weitere 20 Prozent auf den Bezirk Kufstein.

Die Testpflicht vor der Ausreise aus Tirol gilt mit Ausnahme von Osttirol, das geografisch von Nordtirol getrennt ist, auch Kinder bis zu zehn Jahren sind davon ausgenommen. Die Maßnahme zur Eindämmung der Mobilität von und nach Tirol gilt vorerst befristet bis 22. Februrar. Allerdings reicht das dem Gesundheitsminister noch nicht. Seine "Erwartung an Tirol" sei, noch mehr Tests in den von der südafrikanischen Corona-Mutation besonders betroffenen Krisenregionen, speziell im Bezirk Schwaz, durchzuführen, machte Anschober klar. "Mein Appell an das Land Tirol ergeht, in diesen Regionen engmaschigst zu testen", sagte er. Das würde aber bedeuten, dass es für diese Bezirke keine Quarantäne oder Abschottung gibt, wie dies zuletzt von Gesundheitsexperten empfohlen worden ist.

Unterstützung aus Salzburg und Vorarlberg

Das Land Tirol sicherte aber die Ausweitung der Corona-Teststationen im Bezirk Schwaz zu. Gleichzeitig wird in dieser Region die Nachfolge von Personen, die mit Infizierten in Kontakt waren, intensiviert. Mit der Teilnahme der Bevölkerung hofft man, eine Ausbreitung auf weitere Teile Tirols verhindern zu können. An Abschottungen sei vorerst nicht gedacht, hieß es am Nachmittag in Innsbruck.

In Tirol laufen unterdessen die organisatorischen Vorbereitungen dafür, dass Ausreisen ab Freitag nur mit einen maximal 48 Stunden alten Corona-Test zulässig sind. Das wird vor allem für die Exekutive wegen der Kontrollen zusätzlich zu den ohnehin schon bestehenden Mehraufgaben während der Corona-Krise zur Belastung. Wie der "Wiener Zeitung" in der Landespolizeidirektion Tirol erklärt wurde, werden für diese Schwerpunktkontrollen insgesamt bis zu 1.000 Mann zusätzlich eingesetzt, wobei ein Teil davon durch Soldaten des Bundesheers im Assistenzeinsatz übernommen wird. Dafür ist Unterstützung von Polizeikräften außerhalb Tirols notwendig. Diese sei, wie es in der Landespolizeidirektion in Innsbruck hieß, von den Landespolizeidirektionen in den Nachbarbundesländern Salzburg und Vorarlberg bereits zugesichert worden.

Aber auch Polizeischüler werden für die Hilfe bei den Kontrollen der Testpflicht in Tirol abkommandiert. Wie viele dabei aus den Bildungsakademien der Polizei zum Einsatz kommen, war im Laufe des Mittwochs noch Gegenstand der Beratungen. Jedenfalls wurde von der Landespolizeiführung Tirols ausdrücklich betont, dass die sonstigen Sicherheitsaufgaben der Polizei damit nicht eingeschränkt würden.

Wie schon von Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) angekündigt, werden die Kontrollen auf Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen ebenso wie in Zügen und beim Flugverkehr vorgenommen, sie werden an "neuralgischen Punkten" ebenso wie in Form mobiler Kontrollen stattfinden.

Ausdrückliches Lob gab es vom Gesundheitsminister in zwei Bereichen für Tirol. Die Zahl der Neuinfektionen konnte unter 100 Fälle gedrückt werden und die Kontaktnachverfolgung funktioniere gut.

Die Opposition kritisiert hingegen die Bundesregierung. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner bezeichnete das Vorgehen in Tirol als "zahnlos" und "zögerlich". Damit werde dem Virus in Tirol "Tür und Tor geöffnet". Die Tiroler FPÖ will dagegen "alles aufsperren".