"Wir sind optimistisch", sagte Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zum Start der Pressekonferenz nach den heutigen Beratungsgesprächen mit Experten, Opposition und Landeshauptleuten. Weitere Verschärfungen oder eine Rücknahme der Lockerungen seien keine geplant. Eine weitere Lockerungen, etwa in Gastronomie, Tourismus und Kultur ebenfalls nicht. "Wir sind der Meinung, dass weitere Öffnungsschritte derzeit nicht möglich sind." Man berate am 1. März erneut in großer Runde. Dann werde man sehen, welche Öffnungsschritte "frühestens Ostern" möglich sind. "Wir steuern auf die warme Jahreszeit zu, da wird es leichter sein" über weitere Öffnungsschritte nachzudenken.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zeigt sich optimistisch, dass solche dann aber gelingen und nennt zwei Gründe dafür: eine höhere Quote an gegen Covid-19 Geimpft, bis Ostern soll eine Millionen Menschen geimpft sein. 

Außerdem wirke sich die Witterung nachteilig auf die Verbreitung des Virus und damit positiv auf das Infektionsgeschehen aus. Davor aber bleibt die Gastronomie genauso wie die Hotelerie in Österreich zu. Das gilt auch für Schanigärten, die ebenfalls bis zumindest Ostern geschlossen bleiben. Die Zahl an Neuinfektionen müssten stabil bleiben, sagte der Kanzler jedenfalls - eine konkrete Zahl, unter die diese sinken müssten, um neue Öffnungschritte zu wagen, nannte er nicht. Er sei aber angesichts der vielen Testungen - in Österreich steige die Anzahl diese Woche auf zwei Millionen an, "so viele wie in keinem anderen Land" - aber zuversichtlich, dass das Infektionsgeschehen unter Kontrolle bleibe.

Zusätzliche Test-"Stupserl"

"Wien gurgelt", freut sich Bürgermeister Michael Ludwig über einen Test-Versuchsballon in Wien, der im Moment zusätzlich zu den Teststraßen vereinbart haben. Man überlege sich laufend bis zur kompletten Durchimpfen das Testen zu intensivieren. Deshalb begrüße er auch den Schritt Richtung "Wohnzimmer-Tests", den die Regierung am heutigen Tag gesetzt hat. Ab 1. März werden in Apotheken gratis Corona-Selbsttests für zuhause - die sogenannten Wohnzimmer-Tests - erhältlich sein. Geplant sind fünf Tests pro Person und Monat - zusätzlich zu den notwendigen Tests vor Besuchen bei körpernahen Dienstleistern.  

Die Bevölkerung habe mit den Eintrittstests ein "Stupserl" gebraucht, um sich vermehrt testen zu lassen, sagte der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP). - © Apa / Georg Hochmuth
Die Bevölkerung habe mit den Eintrittstests ein "Stupserl" gebraucht, um sich vermehrt testen zu lassen, sagte der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP). - © Apa / Georg Hochmuth

Den Erfolg der Tests vor Frisör- oder Massagen begrüßte der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP), Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz, als "Stupserl", dass die Bevölkerung gebraucht habe, um sich vermehrt testen zu lassen. Schützenhöfer hatte bereits im Vorfeld bestätigt, was erwartet wurde: Gastronomie, Tourismus und Kultur bleiben vorerst geschlossen. Dass es in der Bevölkerung immer mehr Unmut über die Corona-Maßnahmen gibt, kommentierte Schützenhöfer: "Bei jeder Problematik und Zorn, der uns entgegenweht, müssen wir das Richtige tun." Die Experten hätten sich für weitere Anreize zum Testen ausgesprochen, aber auch gegen Lockerungen in Regionen, wo das Infektionsgeschehen von Mutationen geprägt ist.

Uni Wien-Vizerektor Oswald Wagner ergänzte, dass eine Kombination aus dem Tragen von FFP2-Masken und Testungen auch für das Wiederöffnen etwa der Kultur Voraussetzung sein könnte. Tragen zwei Menschen FFP2-Masken, habe das eine ähnliche Wirkung wie eine Impfung, und zwar einen Schutz von über 95 Prozent. Gleichzeitig sinke die Ansteckungsrate um 40 Prozent, wenn ein Viertel der Bevölkerung getestet sei. Der sogenannte R-Wert liege dann nicht bei 1, sondern bei 0,6.

Lockdown-Ende war für SPÖ zu früh

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner nach dem Gespräch der Regierung mit den Oppositionsparteien bereits begrüßt, dass nicht weiter gelockert wird und betonte ein weiteres Mal, dass das Lockdown-Ende letzte Woche eindeutig zu früh gekommen sei. Das zeige die unsichere Situation in Tirol, aber auch die gefährliche Entwicklung der Virus-Mutationen: "Ich will, dass Österreich sicher durch die nächsten Monate kommt - ohne ein ständiges Auf- und Zusperren mit weiteren Lockdowns. Deshalb braucht es den Weg der Sicherheit und der Kontrolle."

FPÖ-Chef Norbert Hofer sah das anders. Er kritisierte, dass die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen beibehalten werden. "Ich lehne diese Strategie ab und habe in der Konferenz unterstrichen, dass wir Strategien zum Leben mit dem Virus entwickeln müssen. Ein wiederholter Lockdown wird unser Land wirtschaftlich und sozial in den Abgrund führen." (apa, mad)