FFP2-Masken sind in Österreich seit der Lockerung des dritten Corona-Lockdowns im Alltag weit verbreitet, sind sie doch in vielen öffentlichen Bereichen vorgeschrieben. Während manche den Sinn des Tragens von vornherein anzweifeln, werden sie von anderen mittlerweile auch unter freiem Himmel verwendet, nicht nur bei Skiliften oder Märkten und ganz ohne Vorschrift. Ihr Nutzen im Freien ist allerdings nicht belegt, wie die APA recherchierte.

Schon lange sind sich Experten einig: In Innenräumen ist die Gefahr einer Corona-Infektion wesentlich höher als an der frischen Luft. Dennoch ziehen auch dort manche ihre FFP2-Masken über Nase und Mund.

Grund dafür ist wohl die Sorge, in eine sogenannte Aerosol-Wolke zu geraten. Diese bildet sich bei allen Personen durch das Ausatmen und Sprechen vor dem Mund und kann bei Infizierten Coronaviren enthalten. Reden Menschen miteinander, dann werden diese Aerosole dem Gesprächspartner quasi ins Gesicht geblasen. Während sich in ungelüfteten Zimmern die Viren sammeln können, wird die ausgeatmete Luft im Freien aber schnell verdünnt und abtransportiert, wie die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) in Köln erläutert.

Eine kurze Begegnung im Freien hält der frühere Präsident der Internationalen Gesellschaft für Aerosole in der Medizin, Gerhard Scheuch, für ungefährlich. Die Menge an Viren, die man im Vorbeigehen womöglich abbekomme, reiche für eine Infektion nicht aus. "Joggen, Laufen, Wandern, Spazierengehen, das halte ich für absolut ungefährlich."

Feuchte Masken
sind problematisch

Auch die GAeF gibt in ihrem Positionspapier Entwarnung: "Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt." Vorsicht sollte man allerdings walten lassen in Gruppen, bei denen keine Mindestabstände eingehalten und/oder keine Masken getragen werden, etwa bei längeren Unterhaltungen. Bisher gelten für das deutsche Robert Koch-Institut Menschen, die auch im Freien ohne jeglichen Schutz länger als 15 Minuten und mit weniger als 1,5 Meter Abstand mit einem Infizierten zusammenstehen, als Kontaktpersonen mit "höherem Infektionsrisiko".

Zu lange eine Maske zu tragen, kann andererseits durchaus kontraproduktiv sein: weil die feuchte Ausatemluft die Wirksamkeit der FFP2-Masken vermindert. Die GAeF warnt, mit der Zeit verliere das Material seine elektrische Ladung. Nicht nur das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt: "Eine durchfeuchtete Maske sollte abgenommen und gewechselt werden."

Nach Angaben des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik in Kaiserslautern besteht zudem die Gefahr einer sogenannten Infektionsbrücke zwischen Träger und Umgebung: Bei feuchtem Material könnten auch bei FFP2-Modellen etwa durch Husten oder Niesen Tröpfchen von der Außenfläche der Maske in die Umgebung geschleudert werden.