Sie waren beide jeweils sechs Jahre im Bürgermeisteramt der Kärntner Landeshauptstadt: Am 14. März müssen die Klagenfurter in einer Stichwahl entscheiden, wer künftig Stadtchef wird. Die seit 2015 amtierende Bürgermeisterin Maria-Luise Mathiaschitz (64) wurde am Sonntag bei den Gemeinderats- und Bürgermeisterdirektwahlen noch ohne Wahlkarten knapp von ihrem Amtsvorgänger, Christian Scheider (57), überflügelt. Der ehemalige Tennislehrer des früheren Landeshauptmanns Jörg Haider war für die FPÖ (vormals BZÖ) Stadtchef, hat den Blauen aber im November 2020 mit anderen Gemeinderäten den Rücken gekehrt und beim Team Kärnten angedockt.

Kärntens Landeschef Peter Kaiser hat sofort den Kampf um Klagenfurt für die SPÖ als Ziel ausgerufen. In 28 von 132 Gemeinden, darunter in der Landeshauptstadt, wird die Entscheidung erst in einer Stichwahl fallen. In anderen Städten hat die SPÖ ihre Vormachtstellung gehalten: Günther Albel bleibt in der roten Hochburg Villach weiter Bürgermeister, in St. Veit an der Glan schaffte Stadtchef Martin Kulmer eine Zweidrittelmehrheit, gleiches gelang Hannes Primus für die SPÖ in Wolfberg. Aber In Spittal an der Drau muss SPÖ-Bürgermeister Gerhard Pirih fürchten, dass er von einem Ex-Roten, Ex-Bürgermeister Gerhard Köfer, in der Stichwahl gestürzt wird.

In Klagenfurt wird es um Mobilisierung gehen. Am Sonntag haben nur rund 40 Prozent der 81.000 Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Anders als Villach ist Klagenfurt alles andere als erzrot, sondern war meistens bürgerlich geführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die SPÖ bis 1973 den Bürgermeister, bis 2000 war dann die ÖVP mit Langzeitstadtchef Leopold Guggenberger und Harald Scheucher am Ruder.

Seit 2015 hat die Ärztin Mathiaschitz in einer Koalition mit ÖVP und Grünen regiert. Vor allem die Koalitionspartner ÖVP und die Grünen mussten (ohne Wahlkarten) deutliche Verluste hinnehmen. Wie auch in anderen Städten stellen Verkehrsprobleme eine besondere Herausforderung dar. Dazu überstrahlte die Corona-Epidemie den Wahlkampf. Mathiaschitz ist zuversichtlich, in der Stichwahl für die SPÖ das prestigeträchtige Amt verteidigen zu können. Scheiders Team Kärnten hat mit rund einem Viertel der Stimmen vor allem auf Kosten seiner Ex-Partei, der FPÖ, den zweiten Platz im Gemeinderat geholt. Scheider hofft auf eine "Wendestimmung" in Klagenfurt.

Von 465.000 Wahlberechtigten Kärntnerinnen und Kärntner haben immerhin rund 105.000 mittels Wahlkarte gewählt. Mit der Verteidigung von rund 40 Prozent der Stimmen bleibt die SPÖ landesweit gerechnet die stärkste Kraft in den 132 Kärntner. Die ÖVP konnte noch ohne Wahlkarten auf 27 Prozent und damit rund vier Prozentpunkte zulegen, die FPÖ schrumpfte um rund drei Prozentpunkte auf landesweit rund 14 Prozent.(ett)