Rust ist derzeit eine Reise wert. Allerdings ist fraglich, ob die Ruster und Rusterinnen Besuch von auswärts wünschen. Denn die Stadt, die kleinste Statutarstadt des Landes, ist Corona-frei. Offiziell zumindest. Man sollte allerdings nicht vergessen: Nur zwei Infizierte würden die 7-Tages-Inzidenz in Rust schon auf 100 hinaufschnalzen lassen.

Nicht schlecht liegt auch Bregenz, immerhin eine Landeshauptstadt, mit einer Inzidenz von 35, also der Zahl der Infektionen für sieben Tage, gemessen an der Zahl der Einwohner. Das ist deutlich unterhalb des Zielwertes von 50, den die Bundesregierung vor einigen Wochen ausgegeben hatte. Es gab in der Vorwoche nur 48 aktiv Infizierte im gesamten Bezirk Bregenz mit seinen rund 135.000 Einwohnern.

Hermagor als Spitzenreiter

Zwischen Boden- und Neusiedlersee, wenn man in Richtung Süden abbiegt, liegt der Pressegger See, gleich bei Hermagor. Dieser Bezirk hielt gegenwärtig mit einer Inzidenz von 670,2 die einsame Spitze in der Vorwoche, und der Wert dürfte mittlerweile auf mehr als 700 geklettert sein. Ein Problem dürfte die dort grassierende Variante B.1.1.7 sein, die ansteckender ist, aber auch mangelnde Compliance der Bevölkerung, wie das Land Kärnten berichtete.

Die Bandbreite der Inzidenz ist in Österreich mittlerweile groß. In rund 20 Bezirken liegt der Wert jenseits der 200er-Grenze. Das Contact Tracing kann in diesen Fällen nicht mehr gut greifen, vermutlich schon deutlich darunter, wobei die regionalen Situationen nicht ganz vergleichbar sind.

Ein klares Bild zeichnet die aktuelle Landkarte der Corona-Infektionen jedenfalls nicht. So finden sich Wels und Wiener Neustadt weit oben mit sehr vielen Corona-Fällen, ähnlich strukturierte Städte wie Krems, Steyr und Wolfsberg weisen jedoch Inzidenz-Werte weit unter 100 auf. Und selbst Innsbruck kann sich, samt Umgebung mit einer Inzidenz von nur knapp über 50 schmücken.

Im Bezirk Schwaz gingen die Fallzahlen zuletzt deutlich in die Höhe, die Inzidenz liegt um 200, doch zusätzlich bereitet dort die Verbreitung der Südafrika-Variante B.1.351 Sorgen. Sie dürfte nicht nur ansteckender sein, sondern teilweise den Immunitätsschutz umgehen. Seit Samstag wird in Mayrhofen im hinteren Zillertal deshalb auf Ausreisetestkontrollen gesetzt. Raus dürfen nur Personen mit negativem Testergebnis. Samstagfrüh wurden insgesamt 4.545 Fahrzeuge kontrolliert, davon gab es nur 16 Zurückweisungen. In den meisten Fällen hätten die Betroffenen den vorzulegenden negativen Corona-Test vergessen oder nicht daran gedacht.

In Wiener Neudorf, wo in einem Hort ebenfalls die Variante B.1.351 gefunden wurde, konnten nach 3.000 PCR-Tests zwar 22 weitere Infizierte gefunden werden, niemand jedoch mit der Südafrika-Variante.(sir)