Es war ein bewusstes Signal unmittelbar vor dem Frauentag. Gabriele Heinisch-Hosek, die seit zwölf Jahren an der Spitze der SPÖ-Frauen steht und heuer im Dezember 60 wird, teilte ihren Genossinnen in einem Schreiben mit, dass sie die 27-jährigen Oberösterreicherin und Mitstreiterin im SPÖ-Parlamentsklub, Eva-Maria Holzleitner für die Bundesfrauenkonferenz heuer im Juni als Nachfolgerin vorschlägt. Für viele eine Überraschung. Jedenfalls ein Generationenwechsel. Mit der Welserin Holzleitner kommt eine junge Rote zum Zug, die zwar in der Partei im Eilzugstempo nach ihrem Engagement in der Aktion kritischer Schüler und in der Jungen Generation der SPÖ bei der Wahl im Oktober 2017 mit 23 Jahren ins Hohe Haus eingezogen ist. Dennoch war ihr das nicht in die Wiege gelegt: ihr Vater war Bauer, aktiv wurde sie selbst im Gymnasium in Wels.

Die Niederösterreicherin Heinisch-Hosek ist in der Ära von Bundeskanzler Werner Faymann Ministerin und 2009 auch SPÖ-Frauenvorsitzende geworden. Da saß die SPÖ noch an den Schalthebeln der Republik. Ein Mitgrund für ihren Vorschlag war, dass Holzleitner eine "Teamplayerin" ist. Vor allem aber auch, dass sie "sich von alten weißen Männern nicht einschüchtern lässt", wie Heinisch-Hosek herorstrich. Das ist anno 2021 auch in der Sozialdemokratie noch notwendig, wo es zwar inzwischen mit Pamela Rendi-Wagner die erst Frau an der Spitze der SPÖ gibt, aber im Hintergrund weiter die starken, alten Männern in den Landesorganisationen die Fäden zu ziehen versuchen.

Mit Alleingängen auch in der SPÖ ist die 27-jährige Sozialwissenschaftlerin Holzleitner bisher einer breiteren Öffentlichkeit nicht aufgefallen. Ihr Trumpf ist vielmehr ihre Beharrlichkeit, die sie an den Tag legt. Für eine frühere Kanzlerpartei, die aber seit 2017 am harten Brot der Opposition kiefelt, ist das nicht die schlechteste Eigenschaft. "Eine große Konsequenz, ein hohes Engagement ist ihr auf jeden Fall eigen", wird ihr auch in der oberösterreichischen Landes-SPÖ im Gespräch mit der "Wiener Zeitung"  bescheinigt. In Linz wird der Vorschlag von Heinisch-Hosek auch als Beweis gesehen, "dass wir eine breite Personaldecke haben".

Einsatz für die Jugend vorrangig

Holzleitner verkörpert auch eine Art Gegenmodell zum neoliberalen Bild von jungen Frauen, die einfach Karriere machen und daneben noch locker eine Familie "schupfen". Die Oberösterreicherin hat sich in den vergangenen Jahren als JG-Vorsitzende und zuletzt auch als Jugendsprecherin im Parlamentsklub für mehr Unterstützung für junge Menschen stark gemacht. Diese Generation werde jetzt auch von der Corona-Krise besonders getroffen. Deswegen zählten bisher eine entsprechende Ausbildung und vor allem Aktivitäten, damit sich junge Menschen Wohnraum leisten können, zu ihren vorrangigen Anliegen.

Noch steht das Engagement Holzleitners allerdings im Schatten von Männern. Auf der SPÖ-Landesliste in Oberösterreich wurde sie gemeinsam mit dem früheren SPÖ-Gesundheits- und Verkehrsminister Alois Stöger, einem langgedienten roten Spitzenfunktionär, als Spitzenkandidaten-Duo aufgestellt. Im parlamentarischen Ibiza-Untersuchungsausschuss ist sie Mitglied. SPÖ-Repräsentant nach außen ist allerdings der langgediente, mit allen Parlamentswassern gewaschene Finanzsprecher Kai Jan Krainer. Die Welser Stadt-SPÖ galt lange Zeit  als Hort alter roter Männer, bis die SPÖ dort 2015 den Bürgermeisterposten an die Freiheitlichen verlor. Holzleitner ist dort Frauenvorsitzende. Und in der Jungen Generation hat sie es geschafft, dass die Mitglieder in einer offenen Vorwahl die Kandidaten für die Landtagswahl im Frühherbst mitbestimmten können. Für SPÖ-Verhältnisse, wo bisher meist die "Gremien" entschieden haben, schon beachtenswert.

Heinisch-Hosek setzt ihre Hoffnung auf ihre junge Nachfolgerin als Gestalterin und "Tempomacherin" und auch als Stütze für Bundesparteichefin. In der Freizeit war die künftige SPÖ-Frauenchefin mit Tempo vertraut. Sie selbst ist Snowboarderin. Außerdem gehört sie auch dem Fanclub des derzeit schnellsten Oberösterreichern zumindest auf Skiern an, Abfahrtsweltmeister Vincent Kriechmayr. Der hat es mit Beharrlichkeit auch abseits der typischen österreichischen Skihochburgen bis an die Spitze geschafft.