Jetzt ist auch Brasilien in Österreich angekommen. Und gemeint ist damit die Virusvariante, die als nicht nur infektiöser gilt, sondern auch den Immunitätsschutz Genesener und Geimpfter umgehen soll. Der Verdacht war bereits vor zwei Wochen beim Test eines Mannes aufgetaucht, nun liegt das Ergebnis der Sequenzierung vor. Der Fall selbst war gut eingegrenzt, weitere Verdachtsfälle seien nicht aufgetreten, teilte das Land Salzburg am Montagnachmittag mit.

Die Infektion des Mannes aus der Stadt Salzburg liegt schon etliche Wochen zurück. Beim ersten PCR-Test, bei dem das Virus entdeckt worden war, wurde die Mutation noch gar nicht festgestellt. Erst, als sich der Infizierte gegen Ende der verordneten Quarantäne erneut testen ließ, habe man diese entdeckt, sagte der Sprecher des Landes Salzburg, Franz Wieser, zur APA.

Wo sich der Salzburger angesteckt hat, konnte nicht geklärt werden. "Er war weder im Urlaub noch sonst auswärts unterwegs", so Wieser. Dass ist auch der besorgniserregende Part. Dass es einzelne Einschleppungen gibt, ist trotz eingeschränkter Reisetätigkeit nicht zu vermeiden. Wenn es aber keinen direkten Bezug mehr zu jenen Ländern gibt, in denen bestimmte Varianten grassieren, könnte das auf eine verstärkte Hintergrundaktivität hindeuten. Oder es ist einfach nur ein Zufall gewesen.

Eine ähnliche Situation stellt sich derzeit in Niederösterreich, und zwar mit der südafrikanischen Variante B.1.351, die ebenfalls den Immunitätsschutz teilweise umgeht. In einem Ort in Wiener Neudorf hat es einen Cluster mit insgesamt 15 Fällen mit dieser Variante gegeben. Doch in ganz Niederösterreich sind noch 15 weitere Fälle dieser Virusvariante aufgetaucht, allerdings verteilt auf mehrere Bezirke. In Bruck an der Leitha sind es fünf Fälle, in Amstetten, Gänserndorf und im Bezirk St. Pölten Land sind es je zwei, einzelne gibt es auch in Hollabrunn, Tulln, Korneuburg und Wiener Neustadt.

Längere Quarantäne bei Infektion mit Variante

Ein vereinzeltes, aber räumlich weit verbreitetes Auftreten ohne Reisebezug würde grundsätzlich auf eine substanzielle Virusaktivität im Verborgenen hindeuten. Allerdings werden in Niederösterreich, so wie in anderen Bundesländern, sämtliche Proben auf die bekannten Varianten hin gescreent. Dabei handelt es um spezifische PCR-Tests, die keine 100-prozentige Sicherheit geben, aber sie sind doch sehr verlässlich. Und dabei fällt die Südafrika-Variante nach wie vor quantitativ nicht sehr ins Gewicht. Auch für Experten der Virologie und Epidemiologie ist dieses Bild in Niederösterreich mit den einzelnen, aber räumlich teilweise entfernten Auftreten von B.1.351 nicht ganz einfach zu entschlüsseln. Einzelne falsche Ergebnisse sind natürlich auch nicht auszuschließen.

Die Varianten stehen auch im Verdacht, zu längeren Erkrankungen, jedenfalls zu einer längeren Dauer der Infektiosität zu führen. Auf Empfehlung des Bundes wird daher die Dauer der Quarantäne bei Verdacht auf eine Infektion mit einer Variante wieder auf 14 Tage verlängert, wie das schon bis vorigen Sommer der Fall war. Einige Länder, wie auch Wien, werden das bereits sofort umsetzten. Nur wenn der Nachweis des Virus nach zehn Tagen auf sehr geringe Viruskonzentration hindeutet, kann die Absonderung vorzeitig nach 10 Tagen enden.

Viel stärker verbreitet ist die britische Variante B.1.1.7., die auch in Wiener Neustadt seit Wochen bereits zu einer sehr hohen Inzidenz führt. Da diese über 400 liegt, sind verstärkte Corona-Maßnahmen ab Mittwoch vorgesehen. Sanktionen für Ausreisen ohne negatives Testergebnis wird es allerdings erst ab Samstag geben, nach dem Vollausbau der für die Untersuchungen nötigen Kapazitäten, wie es in einer Aussendung hieß. Als Basis gilt eine Verordnung der Stadt.

Anstatt der aktuell möglichen 2.000 Tests täglich werden in den kommenden Tagen 15.000 benötigt. Umsetzbar machen soll dies ein Ausbau der Teststraßen von derzeit 16 auf 40. Neben den Kasematten und der Arena Nova werde daher auf einen dritten Standort gesetzt.

Personell wird die Stadt ein Assistenzansuchen über 300 Mann an das Bundesheer stellen, wurde angekündigt. Um ausreichend qualifiziertes Testpersonal zur Verfügung zu haben, bestehe bereits Kontakt zum Roten Kreuz.

"Mit dieser Vorgangsweise stellen wir sicher, dass wir einerseits die Anordnungen des Gesundheitsministers einhalten und andererseits, wie von mir angekündigt, erst dann sanktionieren, wenn wir die notwendigen Testkapazitäten bereitstellen können", die ab Freitag im Vollausbau seien, betonte Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP). "Daher kann erst mit Samstag sanktioniert werden."

Höhere Infektionen machen Öffnungspläne fraglich

Das Infektionsgeschehen nimmt in ganz Österreich weiter zu, die Sieben-Tages-Inzidenz ist bereits bei 186 gelandet und wird diese Woche wohl den Wert von 200 erreichen. Umso fraglicher sind die Öffnungspläne der Bundesregierung. Zu diesen wird aber erst kommenden Montag beraten. An diesem Montag gab es in den Meldungen von Innen- und Gesundheitsministerium den höchsten Neuinfektionswert seit rund drei Monaten für den ersten Tag der Woche, der traditionell der schwächste ist, weil er die Tests von Sonntag betrifft. Dennoch gab es da wieder fast 2.000 neue Fälle, genau 1.910.

Auf Intensivstationen mussten bereits 331 Covid-19-Erkrankte behandelt werden. Die Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin sprach am Montag von einem "besorgniserregenden Anstieg" auf den Intensivstationen. Seit Sonntag kamen 17 Patienten hinzu, innerhalb einer Woche waren es 41, was eine Zunahme von 14 Prozent bedeutet.

Klaus Markstaller, Präsident der Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin, schilderte am Montag in der "ZIB Nacht" die Situation ebenfalls als dramatisch. Bereits ohne Covid-19-Patienten seien die Intensivbetten ausgelastet. Es gäbe nur einen Puffer von etwa zehn Prozent und der sei bei 200 Betten schon ausgereizt: "Prinzipiell brauchen wir jedes Intensivbett."  die Lage sei insofern dramatisch, weil "auch ohne Covid" prinzipiell alle Intensivbetten belegt wären, das sind circa 200 Betten. Wenn die Prognosen tatsächlich in Richtung der Belegung von 400 Intensivbetten gingen, könnten andere Patienten nicht mehr "adäquat versorgt" werden. (apa)