In Vorarlberg laufen jetzt die Vorbereitungen für die weitreichenden Öffnungsschritte der Corona-Einschränkungen in der Gastronomie ab kommendem Montag. Nach zähen Verhandlungen zwischen dem Gesundheitsministerium und dem Land gibt es seit Dienstagabend grünes Licht: Bewirtung auch drinnen in Lokalen und nicht nur draußen wird unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, allerdings nur bis 20 Uhr. Auch Veranstaltungen mit bis zu 100 Teilnehmern werden zugelassen.

Österreichweit wird diese Lockerung im Ländle mit besonderem Interesse verfolgt. Fragezeichen bleiben allerdings: So ist ungewiss, ob die Öffnung nicht rasch zu einer neuen Epidemiewelle in Vorarlberg führt. In der Gastronomie ist man vorsichtig, ob eine Öffnung unter diesen Bedingungen wirtschaftlich Sinn macht. Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sieht in der bundesweiten Sonderregelung in seinem Bundesland einen Versuch, einen Öffnungsschritt ab 15. März zu setzen und "nicht von einem Lockdown in den nächsten zu stolpern". Allerdings ist auch ihm bewusst, dass die Öffnung heikel wird. Deswegen bedürfe es der Mithilfe der Bevölkerung und einer vermehrten Nutzung der Corona-Teststraßen, die noch ausgebaut werden sollen.

Kritik an Sperrstunde ab 20 Uhr

Bei der Wirtschaftskammer gibt es gemischte Gefühle. Zwar wird die Öffnung der Gastronomie in Vorarlberg ab Montag als "wegweisend" angesehen, keine Freude hat die Vertretung aber vor allem mit der Sperrstundenregelung ab 20 Uhr. Diese ist auch den Neos ein Dorn im Auge. Die FPÖ, die an sich bundesweit vehement für eine Ende der Corona-Einschränkungen ist, stößt sich daran, dass Antigentests für den Eintritt in Lokale notwendig sind. FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl läuft gegen die Testpflicht Sturm und sieht in der Lösung in Vorarlberg einen "Murks- der Sonderklasse", es handle sich um die Etablierung eines "Bestrafungs- und Überwachsungssystems".

Die Vorarlberger Gastronomie freut sich zwar über die fixierten Öffnungsschritte ab 15. März, spricht gleichzeitig aber auch von sehr schwierigen Rahmenbedingungen. "Dem überwiegenden Teil der Rückmeldungen zufolge geht sich eine Öffnung für viele wirtschaftlich nicht aus", sagte Mike Pansi, Fachgruppen-Obmann der Gastronomie, auf APA-Anfrage. Da eine Betriebsöffnung ein bis zwei Wochen Vorlaufzeit brauche, sei auch nicht mit einer großen Öffnungswelle am 15. März zu rechnen.

Grundsätzlich sieht die Vereinbarung mit dem Gesundheitsministerium vor, dass ein negativer Antigentest, der nicht älter als 48 Stunden ist, aus einer Corona-Teststraße Voraussetzung für einen Lokalbesuch ist. Es dürfen maximal vier Personen, die nicht aus dem selben Haushalt sind, an einem Tisch Platz nehmen. Die Kontrolle erfolgt durch die Gastronomiebetriebe.

Erlaubnis für 100 Personen im Blickpunkt

Bei Veranstaltungen reicht hingegen auch ein Selbsttest in digitaler Form als Zutrittsberechtigung. Die Regelung, dass bis zu 100 Personen Veranstaltungen besuchen dürfen, löste noch mehr Erstaunen außerhalb Vorarlbergs aus. Schließlich gibt es seit Wochen Organisatoren von Veranstaltungen, die nicht zuletzt in Ostösterreich ebenfalls größere Versammlungen von Besuchern nach Vorweis negativer Corona-Tests ermöglichen wollen.

Mike Pansi, der Fachgruppenobmann der Vorarlberger Gastronomie, sah im APA-Gespräch bezüglich der Öffnung einen "Lichtblick". Die Branche übernehme eine große Verantwortung, die Betriebe hätten jedoch in den vergangenen Monaten sehr viel in umfassende Sicherheits- und Präventionskonzepte investiert. "Jetzt können wir endlich zeigen, dass damit ein 'Sicheres Gastgeben' möglich ist", unterstrich Pansi. Dass die Zutrittskontrolle durch die Gastronomiebetriebe erfolgen soll, sei eine schwierige Situation. Auch habe man für einen Ein-Meter-Abstand zwischen den Tischen geworben, "das wäre für kleine Betriebe wichtig gewesen". Mit dem Zwei-Meter-Abstand würden viele kleinere Betriebe an räumliche oder betriebswirtschaftliche Grenzen stoßen. Offenbar seien diese Forderungen in Wien aber nicht durchsetzbar gewesen.

Änderungen spätestens zu Ostern?

Nun beginne für jedes einzelne Unternehmen das Rechnen, ob eine Öffnung betriebswirtschaftlich überhaupt möglich und sinnvoll ist. Sein Telefon jedenfalls läute Sturm. Für Pansi war auch klar, "dass wir nachverhandeln müssen" - konkret nannte er dazu die Selbsttests, die Anzahl der Gäste an einem Tisch oder eben auch die Zwei-Meter-Abstandsregel. Ebenso hoffte er auf eine Adaptierung der Ausgangsbeschränkungen, um längere Betriebszeiten zu erreichen. Nachschärfungen sollten bis spätestens Ostern vorgenommen werden, meinte Pansi.

55 Neuinfektionen in Vorarlberg

Die Zahl der Corona-Infektionen ist in Vorarlberg vor der Öffnung ab Montag weiter stabil. Laut Dashboard des Landes standen am Dienstag 55 Neuinfektionen 48 Genesungen gegenüber, damit galten 430 Personen als Corona-positiv. Todesopfer waren am am Mittwoch im Zusammenhang mit dem Virus keine zu beklagen. Seit Ausbruch der Pandemie sind aber in Vorarlberg 278 Personen am oder mit dem Coronavirus gestorben. Von den landesweit zur Verfügung stehenden 52 Intensivbetten waren mit Stand Mittwochvormittag weiter vier von Corona-Patienten belegt. (apa/ett)