Die Kommunalwahlen in Kärnten haben zwei klare Gewinner hervorgebracht. Da ist einmal die ÖVP, die 45 Bürgermeister stellt und mit Hermagor die zweite Bezirksstadt nach Feldkirchen erobert hat. Dazu kommt das Team Kärnten, das Klagenfurt und Spittal an der Drau gewonnen hat und nun mehr Bürgermeister stellt als Landtagsabgeordnete, nämlich vier. Die Sozialdemokraten verloren Klagenfurt und Spittal. Insgesamt stellt die SPÖ künftig um sieben Bürgermeister weniger.

Neben der prestigeträchtigen Landeshauptstadt, die aber mit Ausnahme der vergangenen Periode jahrzehntelang von der ÖVP regiert worden war, schmerzt die Roten vor allem die Niederlage in Spittal, noch dazu gegen den ehemaligen Parteifreund Gerhard Köfer (Team Kärnten). Dieser hatte die SPÖ verlassen, nachdem eine Regelung beschlossen wurde, dass Bürgermeister von Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern nicht zugleich Nationalratsabgeordnete sein dürfen. Köfer hatte damals beide Ämter innegehabt.

Hausgemachte Niederlage

In Klagenfurt war die Niederlage ebenfalls hausgemacht. Maria-Luise Mathiaschitz tut sich schwer, auf die Leute zuzugehen, zudem vergrämte sie im Rathaus viele Mitarbeiter mit ihrem Führungsstil, der als diktatorisch empfunden wurde. Außerdem unterschätzte die SPÖ die Beliebtheit von Christian Scheider (Team Kärnten). Der freundlich und umgänglich wirkende Politiker überzeugte viele Klagenfurter, ihn zu wählen. Die Mobilisierungskraft der SPÖ wirkte diesmal nicht, die Wähler blieben in Scharen zuhause, was sich in einer beschämenden Wahlbeteiligung von nicht einmal 48 Prozent niederschlug.

Die ÖVP kann zufrieden bilanzieren, sie holte nicht nur Hermagor, sondern stellt künftig um drei Gemeindechefs mehr. Getrübt wird die Bilanz allerdings vom Ergebnis in Klagenfurt, das katastrophal ausfiel. Auch in Villach schnitten die Türkisen schwach ab, das Problem der ÖVP in den Städten bleibt ungelöst.

Die Kärntner SPÖ wird am Dienstag über Konsequenzen aus den verlorenen Bürgermeisterwahlen vom Sonntag beraten. Das kündigte Parteichef und Landeshauptmann Peter Kaiser an. An der Sitzung in Klagenfurt werde er selbst teilnehmen. Wer Bürgermeisterin Mathiaschitz parteiintern in der Landeshauptstadt nachfolgen wird, ist noch offen.

Vorgezogener Parteitag

Kaiser meinte, er könne sich vorstellen, dass es einen vorgezogenen Bezirksparteitag geben wird. Er habe die vergangene Nacht und den Morgen bereits dazu genutzt, um in Klagenfurt die nächsten innerparteilichen Schritte zu planen, immerhin sei man deutlich die stärkste Fraktion im Gemeinderat. Gefragt, ob er sich in Klagenfurt eine Koalition mit dem künftigen Bürgermeister Christian Scheider und dessen Team Kärnten vorstellen könne, sagte Kaiser: "Wir werden auf jeden Fall reden, wir schlagen kein Verhandlungsangebot aus, es geht ja um Klagenfurt."

Kaiser betonte, dass man auf der Ebene der Gemeinderatswahl mit knapp 40 Prozent de facto ein gleich gutes Ergebnis erzielt habe wie 2015. Bei den Bürgermeisterwahlen habe es aber Schwächen gegeben.(apa)