Im türkis-grünen Regierungsabkommen ist das Vorhaben schon verankert worden, jetzt nimmt Bildungsminister Heinz Faßmann das Projekt mit wissenschaftlicher Unterstützung der Universität in Wien in Angriff. 100 Volks- und Mittelschulen an Standorten mit besonders vielen Schülern aus sozial benachteiligten Familien werden dabei unter die Lupe genommen und kontaktiert. Ab dem Sommersemester 2022 sind schließlich "mehr Ressourcen für sogenannte Brennpunktschulen" geplant, kündigte Faßmann an.

Der Bildungsminister gestand allerdings bei einer Pressekonferenz am Dienstag ein, dass er mit dem Begriff "Brennpunktschule" nicht glücklich sei, weil dieser einen "stigmatisierenden Effekt" habe: "Wer will sein Kind schon in eine Brennpunktschule schicken?" Daher läuft das Projekt auch unter dem Motto "Schulen mit besonderen Herausforderungen". Die meisten Schulstandorte befinden sich in Ballungszentren, der allergrößte Teil davon daher in Wien, die wenigsten im Burgenland. Letztlich werden hundert Schulstandorte mit vielen Schülern aus benachteiligten Familien und Eltern mit Migrationshintergrund im Zuge des nun beginnenden Projekts untersucht. Die Teilnahme daran ist freiwillig, weil sich das Bildungsressort davon mehr verspricht als von einer Zwangsverpflichtung.

Auch Schulen mit positivem Beispiel dabei

Zu Vergleichszwecken werden sowohl Schulstandorte unter die Lupe genommen, in denen die Herausforderungen durch die Benachteiligungen bei relativ gleichen Ausgangsbedingungen besonders gut beziehungsweise besonders schlecht gemeistert werden. Denn man wolle so Erkenntnisse für nachhaltige Verbesserungen herausfinden. "Was sind die Rezepte des Erfolgs und des Misserfolgs?", fragte Faßmann. Deswegen gebe es auch einen engen Kontakt mit den Volks- und Mittelschulen, die an dem Projekt teilnehmen.

Letztlich werden dann ab dem Sommersemester 2022 drei Semester lang in Summe 15 Millionen Euro mehr an Ressourcen für "Brennpunktschulen" als Unterstützung bereitgestellt. Wobei der Minister erläuterte, dass diese Hilfe für mehr Personal, also vor allem mehr Lehrer, genützt werden könne, das Geld könne aber etwa auch für soziale Begleitung oder für kleinere bauliche Maßnahmen verwendet werden. Was am sinnvollsten sei, soll jeweils mit den einzelnen Schulstandorten geklärt, und deren Vorschläge sollen berücksichtigt werden.

Grüne wollen "Rucksack" verkleinern

Das Vorhaben war vor allem den Grünen ein besonderes Anliegen bereits bei den Regierungsverhandlungen mit der ÖVP. Die grüne Bildungssprecherin Sibylle Hamann bezeichnete daher den nunmehrigen Start als "einen sehr schönen Moment". Schüler an den betroffenen Schulstandorten würden die Nachteile bisher als "Rucksack" mitschleppen. Genau dort "werden wir jetzt ganz genau hinschauen", meinte sie.

Die Bildungspsychologin Barbara Schober von der Universität Wien, die das Projekt wissenschaftlich unterstützt und begleitet, hob hervor, wie wichtig das Mitmachen der Verantwortlichen an den jeweiligen Schulstandorten sei: "Es kommt darauf an, was vor Ort bewirkt wird." Man lade die Schulen ein, auch von diesen zu lernen: "Wo drückt sie der Schuh?" Man wolle die Schulen dabei stärken. Es gehe dabei vor allem auch darum, Maßnahmen zu setzen, indem gute Beispiele zur Lösung von Problemen aufgezeigt werden. Zugleich warnte Schober vor Illusionen: "Wir werden das ganze Problem nicht wegzaubern."

Karin Lang in Oberösterreich, Schulqualitätsmanagerin und damit Nachfolgerin der früheren Schulinspektoren, verwies darauf, dass es allein in ihrem Bereich für Wels, Grieskirchen und Eferding 160 Schulstandorte und dabei eine "große Vielfalt" gebe. Für entscheidend hält sie vor allem auch die soziale Unterstützung der Kinder und der Eltern an den einzelnen Schulen.