Rund ein Jahr lang "müssen wir nun leben, in der Pandemie", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Dienstag. "Manche werden ungeduldig, manche werden aggressiv." Daher brauche es nun mehr denn je Aufklärung, wissenschaftliche Hinterfragung und Information – um Mythen und Fake-News den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Auf die Phasen der alternativen Meinungen und der Veröffentlichung falscher Testergebnisse folge unweigerlich jene der Verschwörungstheorien, ergänzte Andre Wolf vom Verein Mimikama, der 2011 mit dem Ziel der Aufklärung über Internetmissbrauch gegründet worden war. Diese Phase, die letzte, könne gefährlich werden – und zwar dann, wenn gezielt gestreute Mythen zu Radikalisierung führten. Wesentlich ist daher laut Wolf, stets zu hinterfragen, was hinter Schlagzeilen oder Kettenbriefen steckt.

"Agieren so, wie ich es aus Kriegen kenne"

Daniela Ingruber von der Donau-Universität Krems formulierte es drastischer. "Viele Menschen agieren bereits so, wie ich es aus Kriegen kenne", so die Kriegsforscherin. Selbst jene, die eigentlich nicht an Mythen glauben, verlieren – mitunter aufgrund von Falschmeldungen – ihr Vertrauen. Werden unzufrieden und aggressiv. Denn: "Wenn man Fake-News oft genug hört, beginnt man, sie zu glauben", sagte Ingruber.

Der Demokratie werde dadurch langfristig geschadet. Regelmäßigen, repräsentativen Umfragen der Donau-Universität Krems zufolge fürchteten vor fünf Jahren weniger als 70 Prozent eine Spaltung der Gesellschaft. Mittlerweile seien es bereits 78 Prozent.

Bildung schütze nur zum Teil, so Ingruber weiter. Oder anders gesagt: Die Bevölkerung sei nicht dumm, und sie möchte begreifen und lernen. "Das geht nur mit stringenter Kommunikation." Während Mythen und Legenden die aufkeimenden Zweifel ausnutzten, versuche die Wissenschaft, Informationen zu verifizieren – oder auch zu falsifizieren.

355.000 Tests innerhalb von 24 Stunden

Tatsache sei, so Ingruber, dass sich jede Art von persönlicher Freiheit auch auf die anderen beziehe, "weil wir in einer Gemeinschaft leben". Im Moment werde das besonders deutlich.

Was die Coronavirus-Testintensität betrifft, ist Österreich laut Anschober weltweit an dritter Stelle: Innerhalb von 24 Stunden wurden 355.000 Tests durchgeführt. Insgesamt waren es bisher knapp 18.500.000 Tests.

Rund 800.000 Menschen (11 Prozent der impfbaren Bevölkerung) haben den Zahlen des Gesundheitsministeriums zufolge eine erste Impfdosis erhalten. Etwa 280.000 Menschen (3,7 Prozent) wurden auch schon zum zweiten Mal geimpft. Im Durchschnitt werde alle 2,6 Sekunden in Österreich eine Impfung verabreicht, heißt es.

Gleichzeitig gab es 2.425 Neuinfektionen in den vergangenen 24 Stunden. Diese Anzahl habe sich zuletzt stabilisiert, sagte Anschober – in der Vorwoche lag sie noch bei mehr als 3.000. Neu genesen seien in den vergangenen 24 Stunden 2.371, so Anschober: "Das ist seit Langem eine relativ ausgewogene Situation."