Die Umweltorganisationen Global 2000 und WWF sowie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) fordern ein rasches Ende des Erdgaszeitalter in Österreich und haben einen 15 Punkte umfassenden Plan und Forderungskatalog für den Ausstieg aus fossilem und die gezielten Anwendung von erneuerbarem Gas vorgelegt. Für den Erdgasausstieg nötig seien unter anderem eine Halbierung des Energieverbrauchs und der Einsatz der knappen erneuerbaren Gase in Bereichen wie der Industrie, in denen es keine andere Option gibt.

Gefordert werden unter anderem die Entwicklung einer integrierten Gas-Strategie, ein neues Gaswirtschaftsgesetz mit einer klaren Festlegung des Einsatzes von Erneuerbarem Gas sowie einem raschen Ausstiegsplan für das Flächen-Gasnetz. Nur rund die Hälfte der derzeit verwendeten Menge an fossilem Gas könne in Österreich durch naturverträgliche erneuerbare Quellen zur Verfügung gestellt werden, so WWF-Klimasprecher Karl Schellmann am Dienstag in einer Pressemitteilung. "Daher muss ihr Einsatz fokussiert sein und auch rasch gesetzlich geregelt werden."

Ausstiegsplan für Gasheizungen

Die neue Wärmestrategie müsse einen koordinierten Ausstiegsplan aus Gasheizungen enthalten, so Johannes Wahlmüller, Klima- und Energiesprecher von Gobal 2000. Zudem wird ein umfassender Gebäudesanierungsplan sowie ein sofortiger Stopp des Einbaus neuer Öl- und Gasheizungen gefordert, geht aus dem Positionspapier hervor, das von den Ökobüro-Mitgliedern Global 2000, WWF und VCÖ in Zusammenarbeit mit Greenpeace erstellt wurde. "Erneuerbares Gas in der Raumwärme einzusetzen, behindert eine systematische Energiewende, weil die knappen Potenziale dann an anderen Stellen fehlen. Dazu ist es sehr teuer", so Wahlmüller laut Pressemitteilung. "Unsere Analyse zeigt, dass jedes andere klimafreundliche Heizsystem kostengünstiger ist."

Im Verkehr habe Gas vor allem bei Pkw "absolut keinen Platz und ein elektrischer Betrieb ist effizienter", so VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen. Auch die allermeisten Lkw seien elektrifizierbar, wobei nicht nur Batterie-Elektrischer Antrieb, sondern auch Oberleitungen in Kombination mit Akkus denkbar seien. Im Flugverkehr gebe es aus jetziger Sicht keine andere Lösung, "da wird es für die Herstellung von E-Fuels erneuerbares Gas brauchen".

Greenpeace drängt ebenfalls auf einen raschen Erdgasausstieg und warnt vor überzogenen Erwartungen an grünes Gas. Das fossile Gas sei für 20 Prozent aller Treibhausgase in Österreich verantwortlich, heißt es in einer Pressemitteilung. "Erneuerbare Gase werden jedoch ein seltenes Gut bleiben, weil die Herstellung extrem aufwendig und energieintensiv ist. Wir müssen es in die richtigen Bereiche lenken, in der Raumwärme hat erneuerbares Gas nichts verloren," so Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Zentral- und Osteuropa.

Erneuerbares Gas als knappes Gut

Auch der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) betont, dass heimische Erneuerbare Gase ein knappes Gut bleiben werden. Derzeit würden in Österreich pro Jahr rund 3,5 Terawattstunden (TWh) an biogenen Gasen erzeugt und davon 0,15 TWh ins Erdgasnetz eingespeist. Der heimische Erdgasverbrauch betrage rund 100 TWh pro Jahr. Laut Regierungsprogramm solle bis 2030 die heimische Produktion erneuerbarer Gase auf 5 TWh pro Jahr ausgebaut werden.

Auch wenn es gelinge, sämtliche technischen Potenziale der erneuerbaren Gasproduktion zu mobilisieren, werde es nicht annähernd reichen, den aktuellen Gasverbrauch durch heimische erneuerbare Gase zu ersetzen. Um den Gassektor fossilfrei zu machen, brauche es ein Mobilisierungsprogramm, ein begleitendes Effizienz- und Suffizienzprogramm und ein Lenkungsprogramm für den Einsatz des Gases. (apa)