Nach dem vorläufigen Aussetzen von Corona-Impfungen in mehreren EU-Ländern mit dem umstrittenen AstraZeneca-Vakzin kommt es in Österreich jetzt auch in zwei Bundesländern zum Aussetzen der Impfungen mit diesem Impfstoff. In Niederösterreich ist das, wie der "Wiener Zeitung" im Büro von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) erklärt wurde allerdings notgedrungen wegen der Nicht-Verfügbarkeit des Impfstoffs der Fall. Rund 10.000 Personen sind betroffen. Das Burgenland wird, weil keine Impfdosen auf Lager sind, zwei Wochen nicht mehr mit dem AstraZeneca-Vakzin impfen.

In Österreich hat sich das nationale Impfgremium am Montagabend in einer Krisensitzung vorläufig grundsätzlich für eine Fortsetzung der Impfungen mit AstraZeneca ausgesprochen. Gesundheitsminister Rudi Anschober steht dazu, drängte am Dienstag vor allem aber auf ein europaweit einheitliches Vorgehen.

In zwei Bundesländern wird mit Stand vom Dienstagnachmittag dennoch vorerst der AstraZeneca-Impfstoff nicht mehr eingesetzt. Das habe aber nichts mit der Diskussion zu tun, wurde im Büro der niederösterreichischen Gesundheitslandesrätin betont. "Bei uns hat man umgesattelt", wurde erläutert. Das hänge mit der Nicht-Verfügbarkeit von AstraZeneca zusammen. Niederösterreich weicht deswegen auf die Impfstoffe von BionTech/Pfizer und Moderna aus.

Publik wurde dies, weil betroffene Personen, die bereits einen Impftermin haben, mittlerweile informiert wurden, dass sich ihr notwendiger zweiter Impftermin verschiebt. Bei den beiden Alternativ-Impfstoffen ist der Zeitraum bis zu zweiten Impfung kürzer als bei AstraZeneca. Insgesamt sind davon laut Land Niederösterreich rund 10.000 Menschen betroffen.

Burgenland setzt zwei Wochen aus

Im Burgenland wird in den kommenden zwei Wochen vorerst nicht mehr mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft. Stattdessen setzt man auch dort auf Biontech/Pfizer und Moderna, bestätigte ein Sprecher von Landesrat Leonhard Schneemann (SPÖ) am Dienstag gegenüber der APA einen Bericht des ORF Burgenland. Es handle sich dabei aber nicht um ein aktives Aussetzen, der Impfplan sehe das so vor. AstraZeneca liege im Burgenland momentan gar nicht auf Lager.

"Ich hoffe, dass in den nächsten 14 Tagen eine Entscheidung zu AstraZeneca auf europäischer Ebene fallen wird", betonte Schneemann. Den Impfplan bis Mitte Mai könne man im Burgenland jedenfalls einhalten, weil überwiegend Menschen über 65 Jahren und Hochrisikopersonen geimpft werden sollen, die Biontech/Pfizer oder Moderna erhalten. Alles Weitere hänge dann von der Entscheidung auf europäischer Ebene ab.

Schneemann kritisierte außerdem, dass die Bundesregierung zusätzliche Impfstoff-Bestellungen anderer Produzenten abgelehnt habe. Das sei eine "schwere Verfehlung" und habe für zahlreiche Probleme gesorgt.

"Meinungsbildungsprozess" in Wien

In Wien wollte man zunächst Klarheit von den Experten. "Es steht alles im Raum", aber vorerst werde am Impfplan festgehalten, sagte am Dienstag ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ), ob man sich vorstellen könne, Impfungen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff auszusetzen.

"Wir sind in einem Meinungsbildungsprozess", führte der Sprecher aus. Daher könne man dazu noch keine Aussage treffen: "Die Experten müssen Klarheit schaffen." Dabei verwies er auf ein weiteres Treffen des Nationalen Impfgremiums, um über diese Thematik zu debattieren. Für Donnerstag werde eine Stellungnahme der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA erwartet.

Auch würden die Menschen in Wien wie gehabt ihre Impftermine weiter wahrnehmen. Es gebe "keine Rückmeldungen", dass es zu einer Häufung von Stornierung von Terminen komme bzw. Leute vermehrt nicht zu ihren Terminen erscheinen, erklärte der Sprecher Hackers. Sieben bis acht Prozent der Angemeldeten würden ihre Termine nicht wahrnehmen.

Salzburg will Lehrer in Osterferien impfen

In Salzburg will sich Gesundheitsreferent Vizelandeshauptmann  Christian Stöckl (ÖVP) weiter an die Empfehlungen des nationalen Impfgremiums halten. "Aktuell setzen wir unsere Impfstrategie wie geplant fort", sagte ein Sprecher am Dienstag zur APA. Man halte auch am Zeitplan fest, die Lehrerinnen und Lehrer in den Osterferien mit AstraZeneca zu impfen - sofern bis dahin nicht anderslautende Empfehlungen ausgesprochen werden. Von gefährlichen Vorfällen beim Impfen mit AstraZeneca sei in Salzburg derzeit nichts bekannt.

Tirol und Vorarlberg halten an Impfplan fest

Ob in Vorarlberg weiterhin mit AstraZeneca-Impfstoff immunisiert wird oder nicht, hängt von der Stellungnahme der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) am Donnerstag ab. Das nationale Impfgremium werde sich an dieser Entscheidung orientieren, Vorarlberg wiederum an der Empfehlung des Impfgremiums, meinte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP). Man habe einstweilen für das kommende Wochenende keine Einladungen für Impfungen mit dem umstrittenen Impfstoff verschickt. Das werde man aber nach dem Donnerstag nachholen, falls der Impfstoff von AstraZeneca von der EMA entsprechend bewertet werde.

Abgesehen von 8.500 Impfdosen von AstraZeneca, die in Kärnten nun über die Hausärzte verimpft werden sollen, sind für die zwei kommenden Wochen keine weiteren Lieferungen an das Bundesland angekündigt. Das sagte Gerd Kurath vom Landespressedienst. Übrig gebliebene Impfdosen vom Wochenende, als 3.500 Dosen verabreicht wurden, werden aktuell noch verimpft. Man halte sich bei den Impfungen an die Vorgaben des Bundes.

Ob in Oberösterreich weiter das Vakzin von AstraZenca verimpft wird, hänge von der Entscheidung der EMA ab, die für Donnerstag erwartet wird, teilte der Krisenstab des Landes mit. Daran wolle sich das Land orientieren, bis dahin werde es kein aktives Aussetzen geben.

Auch Tirol steht vorerst weiter zum Impfplan. Man werde sich jedenfalls "wie bereits in der Vergangenheit an die Vorgaben des Gesundheitsministeriums und des Nationalen Impfgremiums halten". (ett/apa)