Zwei Studenten rauchen vor dem Juridicum der Wiener Universität in der Wiener Innenstadt. Hinweiszettel auf die Corona-Hygiene- und Verhaltensregeln hängen an den gläsernen Eingangstüren. Das Erdgeschoß des Gebäudes für Hörer der Rechtswissenschaften wirkt beinahe ausgestorben. "Es ist halt alles online", erzählt eine Jusstudentin im achten Semester. In anderen Universitäten wie an jener für Bodenkultur werden zwar Lehrveranstaltungen im kleineren Rahmen mit Anwesenheit abgehalten, etwa wenn Bodenproben gezogen werden. Der reguläre Hochschulalltag am Juridicum, aber auch an der Wiener Wirtschaftsuniversität sieht in Corona-Zeiten allerdings meist anders aus. "Man kommt hier auf die Uni, wenn man ein Buch braucht", sagt die Jusstudentin. Ihrer Freundin aus Niederösterreich, die sie begleitet und an der Wirtschaftsuniversität studiert, geht es ähnlich. "Optimal ist es nicht", lautet ihr ein bisschen resignativer Befund.

"Sondervorschriften" werden eingeführt

Frühestens nach Ostern wird sich das ein bisschen ändern. Gut ein Jahr nach dem ersten Corona-Lockdown im März 2020, der für die Studenten an Österreichs Universitäten zuerst Fern- statt Präsenzlehre und dann teilweise ein Hybrid-Modell mit Anwesenheit in kleineren Gruppen gebracht hat, wird am Mittwoch dieser Woche im Nationalrat die gesetzliche Möglichkeit für Corona-Eintrittstests an den Hochschulen geschaffen. Im Zuge eines eigenen zweiten Corona-Hochschulgesetzes werden "Sondervorschriften" für Universitäten, Pädagogische Hochschulen und Fachhochschulen eingeführt.

Allerdings wird es große Massenvorlesungen auch im verbleibenden Sommersemester 2021 weiter nicht geben. "Der Unibetrieb wird hauptsächlich digital bleiben", wird auch offiziell an der Universität Wien erläutert. Anwesenheit werde zwar bei kleineren Lehrveranstaltungen ermöglicht. Aber allein die räumlichen Beschränkungen erlauben es nicht, dass so wie vor der Corona-Epidemie hunderte Hörerinnen und Hörer dicht gedrängt in Hörsälen lauschen. Dafür sorgt allein schon die Abstandsregel. "An den zwei Metern ändert sich nichts", wird von Seite der Pressestelle der Wiener Universität im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" betont. Ein Konzept, das frühestens nach Ostern zum Einsatz kommen wird, wurde vorbereitet.

48.200 haben im Herbst mit dem Studium begonnen

Grundsätzlich entscheiden die Rektorate der einzelnen Universitäten über die genaue Ausgestaltung der Eintrittstests. Das gilt speziell auch für die Regelung, wie "alt" ein negatives Corona-Testergebnis sein darf, damit es noch zum Zutritt an die Universität berechtigt. Der Rektor der Wiener Universität, Heinz Engl, hat bereits angekündigt, dass man im Laufe des Sommersemesters nach dem Vorbild der Corona-Schnelltests an den Schulen ein breiteres Angebot für den Uni-Zutritt schaffen wolle. Dabei richten sich die Hoffnungen auf Seminare und kleinere Workshops. Die Vorsitzende der Universitätenkonferenz, die Rektorin an der Technischen Universität Wien Sabine Seidler, hat von Anfang an deutlich gemacht, dass es ihr vorrangig darum gehe, bei den Zutrittstest auf Studienanfänger zu schauen. Damit diese die Gelegenheit erhalten, auch den Studienbetrieb mit Anwesenheit zu erleben.

Eine Million Euro extra vom Ministerium

Vom Studium abgehalten hat die Corona-Epidemie offensichtlich nicht. Immerhin 48.200 Studienanfänger wurden im vergangenen Wintersemester 2020/21 an den österreichischen Universitäten gezählt, das war nach Angaben des Wissenschaftsministeriums eine Steigerung um 7,2 Prozent gegenüber dem Wintersemester im Jahr davor. Die Gesamtzahl der Studenten ist damit in Österreich auf 268.300 ebenfalls leicht gestiegen.

Corona-Tests für alle Lehrveranstaltungen hält man an der Wiener Wirtschaftsuniversität weder organisatorisch für möglich noch aus Kostengründen für umsetzbar. Dafür reichen auch die Sondermittel nicht aus, die das Wissenschaftsministerium für die Zutrittstests an den Hochschulen zur Verfügung stellen wird. Mit dem Gesetzesantrag, der im Wissenschaftsausschuss von den Koalitionsparteien ÖVP und Grüne und den Neos beschlossen worden ist, wird außertourlich für die Tests eine Million Euro bereitgestellt, wie im Büro von Wissenschaftsminister Heinz Faßmann erläutert wird. Diese Extra-Million kommt zu den bereits umgewidmeten 20 Millionen Euro aus der Universitätsfinanzierung zur Deckung der Mehrkosten für die Bekämpfung der Pandemie dazu. Damit werden Testeinrichtungen, die von den Universitäten autonom festgelegt werden können, unterstützt, wird von Ministeriumsseite erläutert. Den Fachhochschulen wird vom Ministerium "im Bedarfsfall" eine über die bestehenden Fördermittel hinausgehende Unterstützung zur Verfügung gestellt.

Ablenkung daheim als größtes Problem

Noch herrscht in diesen März-Tagen vor den Osterferien an den Hochschulen bei den Studenten selbst Ungewissheit und eine gehörige Portion Skepsis, dass sich die Situation im Laufe des Sommersemesters so rasch ändern wird. Im Arkadenhof des Hauptgebäudes der Wiener Universität sitzt eine Politikwissenschaftsstudentin mit ihrer Freundin und schildert, dass sie seit mehr als einem Jahr nur Online-Lehre hat. Genauso geht es daneben einer Studentin der Literaturwissenschaft: "Bei mir ist alles online", sagt diese. Selbst die Lehrenden sind unsicher, wie es mit dem Unibetrieb weitergeht. "Die Professoren haben schon gemeint, sie hoffen ein bisschen auf die Zeit nach Ostern", so die Literaturstudentin. Aber in Wahrheit könnten es auch Uniprofessoren "genauso wenig sagen".

Über die Nachteile der monatelangen Fernlehre an den Hochschulen herrscht hingegen weitgehend Einigkeit. "Der soziale Kontakt fehlt auf jeden Fall", beklagt die Politikwissenschaftsstudentin. Dazu komme noch ein zweiter Nachteil: Daheim werde man bei der Online-Lehre leichter abgelenkt. Diese Ablenkung und die fehlende Konzentration bei digital angebotenen Lehrveranstaltungen hält auch die Literaturstudentin für ein "großes Problem". Die Situation trage jedenfalls insgesamt weniger zur Motivation bei.

Der Umstand, dass die Änderung für die Zutrittstests an den Universitäten in einem eigenen Gesetz verankert wurde und nicht in der Novelle zum Universitätsgesetz, die an diesem Mittwoch ebenfalls im Nationalrat beschlossen wird, hat, wie zu hören ist, vor allem einen Grund: Von Koalitionsseite wird nicht ausgeschlossen, dass die Uninovelle im Bundesrat, wo Türkis-Grün keine Mehrheit hat, blockiert werden und sich damit verzögern könnte.

Mindeststudienleistung ab Herbst 2022

Denn mit dieser viel umfangreicheren Gesetzesvorlage wird die Mindeststudienleistung als Voraussetzung für den Verbleib in einem Studienfach vorgeschrieben. Dies, obwohl Bildungsminister Faßmann nach Protesten die Regelung entschärft hat und nunmehr 16 ECTS-Punkte statt der ursprünglich vorgesehenen 24 ECTS-Punkte in den ersten vier Semestern als Mindestleistung fixiert werden. Außerdem wird die Neuregelung, weil noch unsicher ist, wie lange die Corona-Epidemie den Unibetrieb beeinträchtigen wird, auch um ein Jahr später und damit erst mit dem Studienjahr 2022/23 zur Geltung kommen.