Die frühere Bildungsministerin und aktuelle Bildungssprecherin der SPÖ, Sonja Hammerschmid, wechselt in die Privatwirtschaft. Das gab die ehemalige Vorsitzende der Universitätenkonferenz Dienstagnachmittag bekannt. Ihren künftigen Arbeitgeber nannte Hammerschmid vorerst nicht. Sie war erst 2016 in die Politik eingestiegen und galt als Vertraute der aktuellen SPÖ-Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner.

Damit bleibt aus dem Quereinsteiger-Team, das Christian Kern (SPÖ) dereinst bei seinem Antritt als Kanzler formte, nur noch seine Nachfolgerin als Parteichefin über. Denn auch Thomas Drozda hatte vor kurzem seinen Wechsel in die Privatwirtschaft bekanntgegeben. Die von Kern aus dem Landtag geholte Muna Duzdar hatte bei der vergangenen Nationalratswahl ein Mandat verpasst. Den langjährigen EU-Parlamentarier Jörg Leichtfried, den Kern aus der steirischen Landesregierung ins Infrastrukturministerium holte, ist dagegen als Klubvize am Wiener Parkett noch präsent.

Hammerschmid hatte schon länger Tendenzen gezeigt, die Politik wieder zu verlassen. So bewarb sie sich vergeblich um den Rektorsposten an der Uni Salzburg und an der Kunst Uni Linz. Vor ihrem Eintritt in die Regierung war die studierte Biologin ab 2010 Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität.

Offener Brief an Faßmann

Hammerschmid verabschiedet sich mit einem offenen, auch auf Facebook veröffentlichten Brief an den aktuellen Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) aus dem Amt. Darin meint sie, dass die Kinder in den Mittelpunkt unseres Handelns gestellt werden müssten und "die Talente und Potenziale jedes einzelnen Kindes, individuell beginnend mit der Elementarpädagogik" gefördert werden müssten - "egal woher sie kommen, welchen Namen sie tragen und wer ihre Eltern sind".

Den Minister ersucht sie, "den Wissenschaftler Heinz Fassmann nicht auszublenden". Was es nach Hammerschmids Ansicht braucht, ist ein Bildungskonvent mit Wissenschaft und Experten, der die Bildungsziele definiere und den Weg hin zur Schule der Zukunft ebne: "Die österreichische Bildungspolitik an zukünftigen Erfordernissen auszurichten braucht langfristiges, vom kurzfristigen politischen Aktionismus unabhängiges und konsequentes Handeln", appelliert die scheidende Bildungssprecherin.

Geht es rein nach der Landesliste, würde ihren Sitz Melanie Erasim übernehmen. Allerdings könnte durch Umreihungen auch jemand anders zum Zug kommen. Die Entscheidung trifft die Landespartei. Deren Chef Franz Schnabl kündigte am Dienstag an, dass am 19. April im Landesparteivorstand über diese Frage beraten werde. Hammerschmids Rückzug bedauerte er. (apa)