Die ehemalige Bildungsministerin und nunmehrige SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid hat am Mittwoch im Nationalrat ihren Abschied gegeben. Die Mandatarin, die in die Privatwirtschaft wechselt, blickte in ihrer Rede auf "fünf extrem bewegte Jahre" zurück, "mit allen Höhen und Tiefen, die ein ganzes Politikerleben füllen würden". Zum Abschluss hielt sie ein eindringliches Plädoyer, den Bildungssektor weiter zu reformieren und dabei Parteiideologien beiseitezulassen.

Ihren Wechsel in die Privatwirtschaft hatte Hammerschmid bereits am Dienstag bekannt gegeben. Wohin es die ehemalige Vorsitzende der Universitätenkonferenz zieht, ließ sie vorerst offen. Sie war erst 2016 in die Politik eingestiegen und galt als Vertraute der aktuellen SPÖ-Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner. Wer ihre Zuständigkeiten als Bildungssprecherin übernimmt, wird erst entschieden.

Am Mittwoch richtete sie ihr Wort im Plenum an den aktuellen Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP), den sie um ein wissenschaftsbasiertes Vorgehen beim Thema Schulpolitik bat - "weil du mehrfach betont hast, dass sich Wissenschaft nicht überall einmischen soll - ich finde, das Gegenteil ist der Fall". Moderne, inklusive Bildungspolitik müsse auf wissenschaftlichen Grundlagen, Fakten und Erfahrungen der Experten in den Schulen basieren.

"Hoch an der Zeit" Schulen "krisensicher und zukunftsfit weiterentwickeln"

Die "nobelste Aufgabe" sei es, jungen Menschen die Welt zu eröffnen und allen Kindern, die Chance zu geben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen - "auf Basis ihrer individuellen Bildungskarrieren", sagte sie mit Bezug auf ein Zitat des ehemaligen Wissenschaftsministers Hans Tuppy (ÖVP). Dies gelte für alle - "egal, woher diese Kinder kommen, welchen Namen sie tragen und wer ihre Eltern sind", wiederholte sie ihre schon Mitte der Woche an Fassmann via offenem Brief geäußerte Bitte.

Es sei "hoch an der Zeit", zu lernen, "dass wir Schule krisensicher und zukunftsfit weiterentwickeln" und dass man einen Bildungskonvent einberufe. Es gelte dabei, mit Experten die Ziele zu definieren und bei diesem Prozess "Parteiideologien bei Seite zu lassen". Man müsse Grundkompetenzen stärken, aber auch die medialen und digitalen Kompetenzen sowie Fähigkeiten in Richtung Teamorientierung. Wichtig sei auch die Stärkung des Selbstbewusstseins der jungen Menschen sowie die Förderung unternehmerischen Denkens und Handelns. "Dazu braucht es Mut, Gestaltungswissen und die nötigen Ressourcen, darum bitte ich dich, lieber Heinz Fassmann." (apa)