Thomas Staudinger, Intensivmediziner am Wiener AKH, hat in der ZIB2 auf die dramatische Situation in den Spitälern hingewiesen. Die britische Virusmutation B.1.1.7 sei nicht zur ansteckender als das bisherige Virus, sondern die Anzahl der schweren Verläufe sei um 60 Prozent höher: "Die Patienten landen viel schneller auf der Intensivstation".

Während früher nur jeder achte bis zehnte Patient auf einer Intensivstation behandelt werden musste, ist es mittlerweile jeder dritte bis vierte. Zudem seien auch vermehrt jüngere Menschen von schweren Verläufen betroffen. Dafür gibt es laut Staudinger zwei Theorien: Entweder dies liege an der aggressiveren britische Variante, oder daran, dass viele ältere Menschen inzwischen geimpft sind.   

"Ein Viertel hat keine Vorerkrankungen"

Bei Menschen, die Übergewicht, Bluthochdruck oder Diabetes haben sei die Gefahr für einen schweren Verlauf sehr hoch, doch "ein Viertel unserer Patienten hat keine Vorerkrankungen", so Staudinger.

Je nach dem wie man das Wort "Triage" definiert, sei diese jetzt schon der Fall: Derzeit müssen beispielsweise Tumoroperationen, Lungen- und Herzoperationen, "die man in einem normalen Zustand rasch abarbeiten müsste", verschoben werden.

Anders als im Herbst befinde man sich laut dem Intensivmediziner derzeit nicht am Gipfel der zweiten Welle, sondern "am Anfang eines Anstiegs". Abschließend sagte Staudinger: "Es kann eng werden oder darüber hinaus."