Für die Versicherten der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) wird Ergotherapie ab April in ganz Österreich als Kassenleistung angeboten. Für Arbeitnehmer wird dann mit der E-Card eine ergotherapeutische Behandlung kostenlos sein. Die Möglichkeit wird bei bundesweit 203 Ergotherapeuten mit Kassenverträgen bestehen. Das gaben der Generaldirektor der Gesundheitskasse, Bernhard Wurzer, und die Präsidentin des Bundesverbands der Ergotherapeuten, Marion Hackl, bekannt. Bisher gab es nur in vier Bundesländern vertragliche Regelungen.

Noch ist die Besetzung der 203 Kassenplanstellen in ganz Österreich im Gange. Bisher sind 132 Planstellen besetzt. Für betroffene Versicherte der Gesundheitskasse kommt noch eine Erleichterung dazu. Künftig entfällt die Bewilligungspflicht durch die Kasse bei Ergotherapie mit einem ÖGK-Kassenvertrag.

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Wurzer begründete die Entscheidung, dass ergotherapeutischen Behandlungen inzwischen eine wichtige Rolle zukomme, um vor allem "die Lebensqualität von Patienten zu steigern". Daher sei der flächendeckende Ausbau der Kassenleistung wichtig. Standesvertreterin Hackl wiederum ist froh, dass damit Patienten künftig Ergotherapie "kostenfrei und niederschwellig" in Anspruch nehmen können. Damit sei gemeinsam "Außergewöhnliches gelungen".

Für die Versicherten wird eine solche Behandlung bei Vorweis der E-Card kostenlos sein. Die Gesundheitskasse ihrerseits zahlt gemäß Vereinbarung pro Behandlungsstunde einheitlich 60 Euro als Honorartarif. Bei Hausbesuchen gibt es neben dem Kilometergeld eine Extrapauschale in Höhe von 30 Euro. Neuerungen gibt es künftig auch für Versicherte und Patienten, die sich nicht bei einem Ergotherapeuten mit Kassenvertrag, sondern privat bei behandeln lassen. In diesen Fällen werden pro Behandlungsstunde einheitlich 48 Euro als Rückerstattung geleistet.

Nach den Plänen der Gesundheitskasse soll es nicht bei der Vereinbarung mit den Ergotherapeuten bleiben. Zumindest lautet das Ziel, dass es auch für Physiotherapie und Logopädie noch heuer gleichartige Regelungen für eine Kassenleistung geben soll. Bemühungen um Verbesserungen bei der Behandlung psychischer Erkrankungen, deren Zahl im Zunehmen ist, sind ebenfalls seitlängerem im Laufen. Im Zuge der Corona-Pandemie wird von Experten noch eine weitere Zunahme psychischer Erkrankungen befürchtet. Dabei setzt die Gesundheitskasse auf eine Art Stufenplan für einen bundesweiten Ausbau der Psychotherapie auf Kassenkosten. Allerdings gibt es, anders als nun bei den Ergotherapeuten, keinen österreichweiten Gesamtvertrag für Psychotherapie, sondern es werden nur die Kontingente ausgeweitet.

Stufenweise Ausweitung von Psychotherapie-Plätzen

Nach Angaben der Sozialversicherungsträger wurden die Kontingente für Psychotherapie von 2015 bis 2020 von 60.000 auf 80.000 Vollzeittherapieplätze erhöht. Konkret möchte nun allein die Gesundheitskasse ihr Angebot in den kommenden drei Jahre um ein Drittel erweitern. Wer Anspruch auf Psychotherapie hat, soll diese als Sachleistung erhalten.

Damit werden mehr als 20.000 Menschen zusätzlich psychotherapeutisch versorgt werden können. Für besonders vulnerable Gruppen wie Kinder und Menschen mit Traumatisierungen werden außertourliche Kontingente bereitgestellt. In Summe werden damit nach Kassenangebot 300.000 Stunden zusätzliche als Kassenleistung zur Verfügung gestellt. Bisher war es in vielen Fällen so, dass Personen wegen langer Wartezeiten auf eine psychotherapeutische Behandlung auf Kassenkosten private Angebote in Anspruch genommen haben, weil sie dort rascher einen Termin bekommen haben. Gerade auch außerhalb der Städte stellte das ein Problem dar. Bei der Ausweitung der Stundenkontingente der Gesundheitskasse ist man nun auch bemüht, Versorgungsdefizite im ländlichen Raum auszugleichen.

Für eine bessere Koordination wird die Gesundheitskasse sogenannte Clearingstellen als Anlaufstelle für Versicherte in allen Bundesländern schaffen. Bisher gibt es diese nur in Niederösterreich und Oberösterreich. Dort sollen die Fäden zusammenlaufen und Patienten auch Auskunft über die für sie am besten geeignete Psychotherapie erhalten. Wenn ein Patient über die Clearingstelle einen Platz für eine Psychotherapie erhalten hat, ist dann für die ersten 30 Therapieeinheiten auch keine Bewilligung durch die Gesundheitskasse mehr notwendig.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Corona-Epidemie hat die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) ihre Kostenzuschüsse für Psychotherapie bereits mit April des Vorjahres verdoppelt (von 21 auf 40 Euro). Wie der SVS-Obmann Peter Lehner betont hat, wurde damit auf den Umstand reagiert, dass die Belastung für Unternehmer und Landwirte durch die Corona-Krise im Frühjahr vergangenen Jahres zugenommen hat.

Die Bestrebungen der türkis-grünen Bundesregierung, das Angebot von Psychotherapie als Kassenleistung zu erweitern, gehen allerdings noch weiter. Bis 2024 soll laut Regierungsprogramm
eine "Bedarfsdeckung" erfolgen. Wobei allerdings nur geschätzt werden kann, wie hoch der Bedarf an Psychotherapieplätzen bis dahin tatsächlich ist.