Die Regierung will etwas für das besonders belastete Personal an den Intensivstationen tun. Sowohl arbeitsrechtlich als auch finanziell sind Verbesserungen geplant, teilten Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) nach einem Treffen mit den Intensivkoordinatoren der Länder mit. Weitere Verschärfungen für Länder außerhalb der Ostregion stehen jedenfalls vorerst nicht an. Anschober plädiert dort für eine freiwillige "Osterruhe".

Regionale "Solidarität" bei Intensivkapazitäten

Als Ergebnis der heutigen Aussprache, die online stattfand, wird in einer gemeinsamen Stellungnahme der Regierung geschildert, dass man weiter auf Regionalisierung setzen wolle. Bundeskanzler Kurz sagte betonte, dass die Situation in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland angespannt sei. "In allen anderen Bundesländern haben wir aber eine deutlich bessere Situation."Ausgebaut werden sollen Hilfsleistungen zwischen den Ländern bei der Aufnahme von Intensivpatienten. "Oberösterreich, die Steiermark und Kärnten werden Wien, Niederösterreich und das Burgenland unterstützen", sagte der Kanzler. Auch bei den Corona-Maßnahmen werde der Weg der Regionalisierung fortgesetzt: "Wenn ein Lockdown in einer Region oder einem Bundesland notwendig wird, heißt das nicht, dass er am anderen Ende Österreichs auch stattfinden muss."

Impfangebot für über 50-Jährige im Mai

Positiv sticht für den Kanzler hervor, dass der Anteil der über-80-Jährigen auf Österreichs Intensivstationen in den vergangenen Wochen deutlich gesunken sei, was laut Expertenmeinung auf die fortschreitende Durchimpfung dieser vulnerablen Gruppe zurückzuführen sei. "Wir werden auch in den kommenden Wochen den Schwerpunkt der Impfungen auf die Gruppe der über 65-jährigen richten und bis Ende April mit einer Entlastung der Situation rechnen", meint der Regierungschef. Im Mai sei die über 50-jährige Bevölkerung dran. Die Impfungen bieten der Bevölkerung einen "besseren Gesundheitsschutz, sie bedeuten auch eine Entlastung der Systeme."

Die Rechnung, wann Impfstoff für alle Impfwilligen verfügbar sei, "ist nicht so kompliziert, wie alle tun", sagte Kurz. Bei 7,5 Millionen Menschen im Alter über 16 Jahren und zwei Drittel davon, also fünf Millionen Menschen im Moment, die sich impfen lassen wollen, könne die Regierung bei Impfstofflieferungen von acht Millionen Dosen "bis Anfang des Sommers"  allen die sich impfen lassen wollen ein Angebot zur Erstimpfung machen. Unabhängig von der Verfügbarkeit des Impfstoffes Sputnik V. "Eine Million Dosen davon wären ein deutlicher Turbo", sagte der Kanzler.

Weitere Warnungen des Gesundheitsministers

Noch ist es aber nicht so weit und so setzt Anschober seine Warnungen fort. Wie ernst die Situation sei, zeigten die aktuellen Prognosen für den Belag in den Intensivstationen Ostösterreichs bis Mitte April. In Wien sind jetzt schon 53 Betten mehr zu betreuen als beim Höchststand im Herbst. Auch Niederösterreich hat den Vergleichswert bereits überschritten.

Die ÖVP rückte hingegen zuletzt Prognosen in den Vordergrund, wonach die Intensivstationen bis Mitte des Monats in den Ländern außerhalb der Ost-Region nicht an ihre Grenzen kommen würden. Wesentliche Anstiege würden nur in Tirol und Oberösterreich prognostiziert, doch auch dort bliebe man deutlich unter den Belagszahlen vom vergangenen Herbst. Daher gilt Kurz' Fokus derzeit einer Regionalisierung. Wie man dem Personal und den Krankenanstalten entgegenkommen will, soll in den kommenden Tagen präsentiert werden. Jedenfalls gedacht ist offenbar an Bonus-Zahlungen.

Höchste Stufe bei Covid-Intensivbetten in Wien

Dass der mit dem heutigen Donnerstag in den östlichen Bundesländern begonnene Lockdown aufgrund der dramatischen Situation in den Spitälern notwendig geworden war, zeigen auch die aktuellen Patientenzahlen deutlich auf. In Wien müssen so viele Covid-Intensivpatienten wie noch nie versorgt werden, in Niederösterreich wurde die Lage als "ernst" beurteilt, im Burgenland als "angespannt". Laut Prognose könnte sich demnächst auch in Oberösterreich die Situation zuspitzen.

In Wien ist die Zahl jener Menschen, die mit einer Covid-19-Erkrankung intensivmedizinisch betreut werden müssen, laut Innen- und Gesundheitsministerium auf 215 Personen angestiegen, das sind um sieben mehr als am gestrigen Mittwoch. Im Wochenvergleich müssen um 48 Personen mehr intensivmedizinisch betreut werden. Das ist ein Plus von 28,7 Prozent. Aufgrund der steigenden Patientenzahlen und Prognosen wurde in Wiens Spitälern die derzeit höchste Stufe acht des Spitals-Stufenplans bei den Covid-Intensivbetten aktiviert, nach dem bei der Planung der Kapazitäten für die Versorgung von Covid-Patientinnen und -Patienten vorgegangen wird, wie ein Sprecher des Wiener Gesundheitsverbundes der APA mitteilte. "Wir sind permanent dabei, alles an Kapazitäten für die Covid-Versorgung freizumachen, was möglich ist."

In dieser Stufe sind 310 intensivmedizinische Betten für die Betreuung Corona-Kranker vorgesehen. Insgesamt verfügt der Gesundheitsverbund über rund 6.000 Normalbetten sowie 550 Intensivbetten - allerdings in Summe und nicht nur für an Covid-19 erkrankte Menschen. Der Preis des Bettenfreimachens für Corona-Patientinnen und -Patienten ist die weitere Reduktion von Leistungen. Die Akutversorgung bleibt aber jedenfalls immer aufrecht. Um die Spitalskapazitäten weiter aufzustocken, wird nun an einer weiteren, neue Stufe neun gearbeitet. "Schritt für Schritt werden - wo das möglich ist - weitere Ressourcen für den Bedarfsfall aktiviert", sagte der Sprecher.

Leichtes Sinken im Burgenland, auch wegen Todesfällen

Im Burgenland befanden sich am Donnerstag laut dem Koordinationsstab Coronavirus 82 Erkrankte in Spitalsbehandlung, 17 davon intensivmedizinisch. Die Zahl der Intensivpatienten hatte am Sonntag den Höchststand in der Pandemie von 25 erreicht und war seither leicht gesunken. Es waren allerdings täglich auch Todesfälle zu verzeichnen. Am gestrigen Mittwoch mussten 19 Personen auf den Intensivstationen der burgenländischen Krankenhäuser versorgt werden. In Spitalsbehandlung befanden sich am Sonntag 96 Corona-Kranke, am Montag waren es 99 und am Mittwoch 83.

Die KRAGES (Burgenländische Krankenanstalten-GmbH) sowie das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt gaben bereits am Montag bekannt, dass sie aufgrund der hohen Auslastung an einer weiteren Aufstockung der Intensivkapazitäten arbeiten. Statt der zuletzt 27 stehen inzwischen nun insgesamt 35 Intensivbetten für Covid-19-Patienten zur Verfügung. Die Situation sei weiterhin sehr angespannt - auch im Non-Covid-Bereich und abgesehen von den Betten brauche es auch das Personal für die Intensivpatienten, wurde betont.

Ernste Lage auch in Niederösterreich

"Die Lage ist ernst", teilte die NÖ Landesgesundheitsagentur zur Situation in den Spitälern des Bundeslandes mit. Am Donnerstag befanden sich 118 Covid-Patienten auf den Intensivstationen, am Vortag waren es 121. Vergangenen Freitag waren 105 am Coronavirus Erkrankte auf Intensivstationen betreut worden. 88 Plätze waren am Donnerstag frei. Die Landesgesundheitsagentur hat bereits am Dienstag bekanntgegeben, dass die Anzahl der Intensivbetten mit Beatmungsgeräten in Niederösterreich von 232 auf 277 aufgestockt wird. Aufgrund der angespannten Situation werden nicht dringliche und nicht zeitkritische Operationen verschoben.

Anders stellt sich die Lage im Moment noch in Oberösterreich darf. Während das Gesundheitsministerium davon ausgeht, dass sich dort die Situation in den Spitälern weiter verschärfen wird, sah man im Land selbst die Lage am Donnerstag nicht ganz so dramatisch: "Alle Stationen der Krankenhäuser haben Kapazitäten auf den Intensivstationen frei", erklärte der Leiter des Salzkammergut-Klinikums und Mitglied im Krisenstab des Landes, Tilman Königswieser.

Von den landesweit 250 Intubationsplätzen sind 100 für Covid-19-Patienten reserviert. 100 zusätzliche Plätze könnten bei Bedarf noch aufgebaut werden. Am Donnerstag wurden in Oberösterreich 70 Coronakranke intensivmedizinische behandelt.

45 Prozent der Intensivpatienten gehören zur Altersgruppe der 65-bis 76-Jährigen an. Die Verweildauer auf der Intensivstation sei inzwischen gesunken. Waren es mit Ausbruch der Pandemie noch durchschnittlich 14 Tage, seien es jetzt sieben bis zehn Tage, erklärte Königswieser in einem Hintergrundgespräch. Umso wichtiger sei es, dass nun jene Altersgruppe geimpft werde, da somit eine Entlastung im stationären Bereich erzielt werden könne, unabhängig von Inzidenz-Zahlen. Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) hat angekündigt dass im April der Focus auf den Über- 65-Jährige liege, nur in Ausnahmefällen erhielten andere Gruppen eine Impfung. (apa, red)