In Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wird der Lockdown kommende Woche von 11. bis April verlängert. Das bedeutet auch eine Verlängerung des Heimunterrichts für die Schüler in der Ostregion, neu ist aber: die Abschlussklassen in den Schulen werden davon kommende Woche ausgenommen. Das betrifft auch die Maturaklassen. Die Abschlussklassen kehren bereits ab kommendem Montag, 11. April, in die Schulklassen zurück. Das wird von Bildungsminister Heinz Faßmann per Verordnung festgelegt, wie in seinem Büro der "Wiener Zeitung" am Mittwoch erklärt wurde.

Konkret bedeutet das: nach dem Heimunterricht in dieser Woche nach Ostern für alle Schüler in den drei Bundesländern kehren die Schüler der vierten Klassen in den Volks- und Mittelschulen sowie in der AHS-Unterstufe in der kommenden Woche zum Präsenzunterricht in die Klassen zurück. Gleiches gilt für die Abschlussklassen, also die Maturaklassen in den AHS und in den Berufsbildenden mittleren und Höheren Schulen. Damit gibt es in den vierten Klassen in den Volksschulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wie in den anderen Bundesländern ab Montag an den fünf Wochentagen Präsenzunterricht in den Schulen. Für die vierten Klassen in den Mittelschulen und in der AHS-Unterstufe in Ostösterreich ist der Präsenzunterricht in Form von Schichtbetrieb geplant.

Das Bildungsministerium kündigte an, dass die Schulleiter noch im Laufe des Mittwochs in einem Newsletter informiert werden. Die entsprechende Verordnung für den Präsenzunterricht in den Abschlussklassen trotz des Lockdowns in Ostösterreich in der kommenden Woche soll nun möglichst rasch folgen. Darüber hinaus sollen auch Schularbeiten in allen Schultypen trotz des Lockdowns mit Präsenz in den Schulen stattfinden.

"Natürlich wollen wir die Maturanten bestmöglich betreuen." Die österreichweite Sprecherin der AHS-Direktorinnen und -direktoren, Isabella Zins, stellte im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" klar, dass man bereit sei, für die Schülerinnen und Schüler der Maturaklassen in der Ostregion auch in besonderer Form in den Schulen Unterricht anzubieten, auch wenn der Lockdown in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland und damit grundsätzlich der Heimunterricht nun um eine Woche von 11. bis 18. April verlängert worden ist. Die Direktorin aus Mistelbach in Niederösterreich forderte aber auch: "Wir brauchen da schon noch eine rechtliche Basis." Denn der bisher gültige Erlass reiche dafür nicht aus. Die entsprechende Verordnung hat Faßmann nun in Aussicht gestellt.

Faßmann von weiterem Heimunterricht nicht begeistert

Bildungsminister Heinz Faßmann hatte zuvor kein Hehl daraus gemacht, dass er trotz der am Dienstag verkündeten Verlängerung des Lockdowns für Ostösterreich dennoch für eine Öffnung der Schulen gewesen wäre. Der Ressortchef hat aber die Entscheidung, den Heimunterricht in den Schulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland um eine Woche zu verlängern, letztlich zähneknirschend mitgetragen. Für Maturaklassen endet das Schuljahr bereits Ende April. Der Start der Matura ist dann für ganz Österreich zentral am 20. Mai. Daran hält der Bildunngsminister fest.

"Es ist jetzt wirklich nicht mehr viel Zeit", betonte auch AHS-Direktorensprecherin Zins. Der Notenabschluss werde bereits rund um den 20. April sein. Mit der Verordnung des Bildungsministeriums wird die Rückkehr der Abschlussklassen vorgegeben. Für die genaue Umsetzung bleibt schulautonom Spielraum. Dies auch deswegen, weil an den einzelnen Schulstandorten vor allem auch unterschiedliche räumliche Voraussetzungen vorhanden sind.

Keine Verschiebung de Maturatermins

Eines steht für das Bildungsministerium fest: eine Verschiebung des Maturatermins kommt jedenfalls nicht in Frage, wie auf Anfrage der "Wiener Zeitung" am Mittwoch klargestellt wurde. Denn die Reifeprüfung für rund 40.000 Schülerinnen und Schüler finde heuer ohnehin bereits am letztmöglichen Termin statt. Die schriftlichen Maturatermine sind von 20. Mai bis 31. Mai angesetzt. Wegen der Zentralmatura wären von einer etwaigen Verschiebung nicht nur die Maturaklassen in den drei östlichen Bundesländern, sondern in ganz Österreich betroffen.

"Situation besorgniserregend"

AHS-Direktorensprecherin Zins ist gespalten, was die nunmehrige Verlängerung des Lockdowns und des Heimunterrichts in den Schulen in der Ostregion betrifft. Sie sei grundsätzlich "immer eine gewesen, die für das Öffnen ist", erläutert die Schulleiterin aus Niederösterreich. Allerdings sei "die Situation schon besorgniserregend". Dazu hat auch beigetragen, dass Corona-Impftermine für AHS-Pädagoginnen und - Pädagogen gerade in Niederösterreich kurzfristig verschoben worden sind. Diese waren zunächst im AHS-Bereich für den 19. und 20. März vorgesehen gewesen. Dazu ist es dann in Niederösterreich allerdings nicht gekommen, weil Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) mit Erlass an die Bundesländern verfügt hat, dass Menschen über 65 Jahren vorrangig geimpft werden sollen.

In Wien sind hingegen auch die Impfungen der Bundeslehrer an den höheren Schulen bereits in wesentlich größerer Anzahl erfolgt. Nach Protesten der AHS-Lehrergewerkschaft und jener für mittlere und höhere Berufsbildende Schulen gibt es nun auch Impftermine in Niederösterreich.

Grundsätzlich sieht Zins an den Höheren Schulen, was den Heimunterricht betrifft, im heurigen Schuljahr allerdings Verbesserungen und Fortschritte. Das funktioniere an den Gymnasien schon sehr, sehr gut und viel besser als im vergangenen Schuljahr, als im März 2020 der erste Lockdown und Heim- statt Präsenzunterricht verfügt worden sind. Zu denken gibt ihr vor allem jedoch die Gesamtsituation für die Jungen. "Ich mache mir da weniger Sorgen um den Lernfortschritt als um das Psychische", sagt die AHS-Direktorensprecherin.