Zweimal musste er seit März bereits aus gesundheitlichen Gründen in den Krankenstand. Jetzt hat Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) die Konsequenzen gezogen. Er hat am Dienstag seinen Rücktritt in einer "persönlichen Erklärung" bekannt gegeben. Überlastung und seinen Gesundheitszustand führte Anschober als Grund dafür an: "Ich habe mich ganz offensichtlich überarbeitet, mir ist teilweise die Kraft ausgegangen", sagte er: "Ich will mich auch nicht kaputtmachen."

Bis kommenden Montag wird zunächst weiterhin Vizekanzler und Grünen-Chef Werner Kogler die Vertretung als Gesundheits- und Sozialminister übernehmen. Schon zu Mittag hat dann Vizekanzler Grünen-Chef Werner Kogler den Wiener Allgemeinmediziner Wolfgang Mückstein (46) bei einer eilig angesetzten Pressekonferenz als neuen Gesundheits- und Sozialminister vorgestellt. Mückstein wird am Montag angelobt werden.

Es ist der dritte Rücktritt in der türkis-grünen Koalition seit dem Amtsantritt Anfang Jänner 2020. Bereits im Vorjahr wurde auf Seiten der Grünen Ulrike Lunacek als Kunststaatssekretärin von Andrea Mayer abgelöst, heuer im Jänner im ÖVP-Regierungsteam dann Arbeitsministerin Christine Aschbacher durch Martin Kocher.

"Die Pandemie macht keine Pause"

Anschober verwies auf die enormen Herausforderungen durch die Pandemie seit Februar/März des Vorjahres: "Mein Eindruck ist, es sind nicht 15 Monate, sondern 15 Jahre." In der schwersten Gesundheitskrise seit Jahrzehnten brauche die Republik eine Gesundheitsminister, der zu hundert Prozent fit sei: "Das bin ich derzeit nicht." Die Pandemie mache keine Pause, daher könne auch ein Gesundheitsminister keine Pause machen.

In einer sehr persönlich gehaltenen Erklärung ging Anschober, der 2012 als grüner Landesrat in Oberösterreich wegen eines Burn Outs mehrere Monate eine politische Auszeit nehmen musste, auf seine gesundheitlichen Probleme ein. Er habe vor einem Monat einen Kreislaufkollaps gehabt, schilderte er: ""Wegen Erkrankungen braucht sich niemand zu schämen. Transparent damit umzugehen, ich denke, das hilft auch anderen."

Nach seiner Rückkehr in sein Amt habe er vor genau einer Woche einen zweiten Kreislaufkollaps erlitten., "Ich habe gemerkt, da muss ich für mich eine Notbremse ziehen", sagte Anschober.

Für die Zeit danach habe noch keine konkreten Pläne, betonte er. Er wolle sein Wissen aus 18 Jahren Regierungsarbeit weiterzugeben. "Ja, irgendwann, möchte ich meinen Traum umsetzen, nach fünf Sachbüchern meinen ersten politischen Roman schreiben", meinte der scheidende Gesundheitsminister.

Kurz: "Für unser Land aufgeopfert"

Die "unermüdliche Arbeit" des scheidenden Gesundheitsministers Rudolf Anschober (Grüne) "in dieser so unendlich schwierigen und belastenden Zeit der Pandemie" würdigte nach der Rücktritts-Bekanntgabe am Dienstag Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dankte dafür, dass sich Anschober "für unser Land aufgeopfert" habe. Von der Opposition kam persönlicher Respekt, aber auch Kritik am Corona-Management der Regierung.

Van der Bellen dankte Anschober via Twitter "im Namen der Republik und auch ganz persönlich" für seinen Einsatz. Er wünschte dem Minister rasche Erholung und alles Gute für die Zukunft.

"Er hat sich in den vergangenen 16 Monaten für unser Land aufgeopfert sowie als Gesundheitsminister seine gesamte Energie in die Bekämpfung der Corona-Pandemie gesteckt", anerkannte der Bundeskanzler - unter Hinweis auf nächtelange Sitzungen und "teils auch schwierige Verhandlungen" mit Anschober, "mit wie viel Engagement er seine Aufgabe" wahrgenommen habe. Von Beginn an habe er seine zentrale Funktion im Corona-Management "mit sehr großer Verantwortung ausgeübt". Anschobers Rücktritt zeige, "dass die Pandemie nicht nur für jeden Einzelnen in der Bevölkerung eine Belastung ist, sondern auch für einen politisch Verantwortlichen, der Tag und Nacht im Einsatz ist und Entscheidungen treffen muss", dankte Kurz dem scheidenden Minister "im Namen der Bundesregierung, aber auch ganz persönlich" - und wünschte schnelle gesundheitliche Erholung.

Opposition wünscht "gute Besserung"

Dies tat auch SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. Sie zollte Anschober "großen Respekt" für seine "schwierige Entscheidung" - und dankte ihm für seinen Einsatz in den "sehr herausfordernden 14 Monaten". Außerdem wünschte sie ihm - per Twitter - "von Herzen gute Besserung und persönlich alles Gute für Deine Zukunft".

FPÖ-Parteichef Norbert Hofer wünschte Anschober zwar "für seine Zukunft privat und gesundheitlich alles Gute" - nützte die Gelegenheit aber, um noch einmal scharfe Kritik anzubringen. Anschober sei "nicht die richtige Besetzung" für das Gesundheitsministerium gewesen und sein Rücktritt "die logische Konsequenz" aus "erheblichen Fehlentscheidungen", "vielen Pannen" (z.B. vom VfGH aufgehobene Corona-Verordnungen) und Überforderung bei der Impfstoffbeschaffung. Und Hofer hielte, wie er in einer Aussendung anmerkte, den Rücktritt der gesamten Regierung für angebracht.

"Großen Respekt vor der Entscheidung von Rudolf Anschober", bekundete NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger und wünschte "ihm persönlich alles Gute". Seine Entscheidung sei "eine Mahnung für Achtsamkeit gegenüber einem selbst aber auch einander gegenüber" - und auch eine "gute Entscheidung für Österreich". Denn es brauche "Handlungsfähigkeit und Entscheidungsstärke und einen dringenden Neustart im Pandemie-Management". Als "große Leserin" freute sich Meinl-Reisinger, wie sie in einer Pressekonferenz sagte, auch auf den angekündigten Roman.