In Tourismusschulen und anderen Höheren Lehranstalten für Wirtschaftliche Berufe (HLW) brodelt es. Grund dafür sind die Reifeprüfungen und die Vorbedingungen dafür. Bildungsminister Heinz Faßmann hat im März angekündigt, dass die mündliche Matura etwa von AHS-Schülern im Juni nicht verpflichtend abgelegt werden muss, sondern freiwillig ist. Ein Zugeständnis an die besonderen Erschwernisse durch wochenlangen Heimunterricht in den Oberstufen wegen der Corona-Epidemie. Schülervertreterinnen und -vertreter von 33 HLW-Schulen haben sich jetzt mit einem gemeinsamen "Hilfeschrei" in Form eines Schreibens zu Wort gemeldet, weil sie mit der Forderung, praktische Vorprüfungen als Bedingung für die Matura zu erlassen, abgeblitzt sind. Das Bildungsministerium mit Ressortchef Heinz Faßmann steht weiter dazu und sagte im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" lediglich Erleichterungen zu. Nach Ministeriumsangaben gibt es derzeit knapp bundesweit 4700 Schülerinnen und Schüler an HLW-Maturaklassen.

Die Einschränkungen vor allem des Präsenzunterrichts und der rasch näherrückende Termin der Matura mit dem ersten schriftlichen Termin am 20. Mai belasten vor allem die Nerven der Schüler und Eltern, halten aber auch die Direktoren und Lehrer in den Schulen sowie die Schulverantwortlichen in den Bildungsdirektionen der Bundesländer und im Bildungsministerium auf Trab. Schülerinnen und Schüler an Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe sind in einer Sondersituation. An den HLW-Schulen müssen am Ende der vierjährigen Ausbildung in Küchen- und Restaurantmanagement praktische Vorprüfungen als Bedingung für die Reifeprüfungen im kommenden Jahr absolviert werden. Gleiches gilt auch für die Abschlussprüfungen an dreijährigen Fachschulen für wirtschaftliche Berufe. Die Schülervertreter haben sich mit dem Vorschlag an das Bildungsressort gewandt, die beiden großen praktischen Prüfungen mit Anwesenheit entfallen zu lassen beziehungsweise nur freiwillig zu absolvieren und statt dessen die praktischen Leistungen während des Präsenzunterrichts für die Benotung heranzuziehen.

Bedenken "ignoriert"

Die HLW-Schülervertretungen argumentieren vor allem auch mit dem gesundheitlichen Risiko während der Corona-Epidemie. Es sei unsicher, ob die zwei großen praktischen Klausurprüfungen unter Einhaltung des Schutzes der beteiligten Personen aus virologischer Sicht abgehalten werden können. Außerdem seien die körperlichen Strapazen durch die Testungen sowie durch verpflichtende Tragen der FFP2-Masken über fünf Stunden hoch, außerdem sei das Einhalten des Zwei-Meter-Sicherheitsabstandes und aller Corona-Hygienevorgaben in den Küchen und Restaurants nicht möglich, heißt es in dem Schreiben der Schülervertretungen. Alle Sorgen und Bedenken gegen die praktischen Prüfungen als Vorbedingung für die Reifeprüfungen seien allerdings vom Bildungsministerium bisher "ignoriert" worden. Mit Blick auf den grundsätzlichen Verzicht auf ein verpflichtendes Antreten bei der mündlichen Matura fühlt man sich "unfair behandelt".

Im Büro von Bildungsminister Faßmann wird hingegen das Festhalten an den fachpraktischen Prüfungen damit begründet, dass diese Teil der Ausbildung in diesem Schulzweig seien. Auch an Höheren Technischen Lehranstalten oder Handelsakademien werde bei der Matura nicht auf den fachpraktischen Bereich bei der Matura verzichtet. Aufrecht bleibt für das Bildungsressort, dass es angesichts der Corona-Situation Erleichterungen bei den fachpraktischen Prüfungen an HLW-Schulen geben werde. Das betreffe, dass die Zahl der Personen vor denen Koch-Menüs präsentiert werden müssen, reduziert werde

Noch ein Umstand sorgt für Unverständnis. Die Schülervertreter machen auch geltend, dass im Vorjahr trotz nur einer einzigen Lockdown-Phase die praktischen Prüfungen als Vorbedingung für die Reifeprüfung erlassen worden seien. Dazu wird im Bildungsministerium betont: "Die Situation hat sich grundlegend geändert." An manchen Schulen hätten die fachpraktischen Prüfungen Ende März begonnen kurz nach Beginn des ersten Lockdowns. "Damals gab es weder Schnelltests noch genügend Masken in Österreich", wird  im Ministerium betont. Da sei an eine möglichst sichere Durchführung der Prüfungen nicht zu denken gewesen.

Mehr Präsenzstunden für Abschlussklassen

Grundsätzlich hat das Bildungsministerium seine Corona-Schulverordnung nachjustiert, damit Maturaklassen und Abschlussklassen leichter vom Schichtbetrieb beim Präsenzunterricht abgehen können. Das ist üblicherweise nur zulässig, wenn die Bildungsdirektion des jeweiligen Bundeslandes zustimmt. Die einzelnen Schulen können nun ohne Zustimmung der Schulbehörde zur Vorbereitung auf abschließende Prüfungen, aber auch Lehrabschlussprüfungen mehr Stunden im Präsenzunterricht abhalten, die Hygienebestimmungen müssen aber eingehalten werden.