Die vermehrten Lieferung von Corona-Impfstoffen nach Österreich kommt jetzt auch Polizei und Bundesbediensteten zu gute. "Das Aufatmen ist groß." Der rote Vizechef der Polizeigewerkschaft, Hermann Greylinger, brachte damit am Samstag im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die Stimmung der Polizeibeamten auf den Punkt. Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hatte am Freitagabend angekündigt, dass kommende Woche 10.000 Dosen des Corona-Impfstoffes Moderna für die Polizei geliefert werden.

Die Anmeldung für die Impfungen beginnt kommende Woche. Sie wird freiwillig und anonym erfolgen. "Steter Tropfen höhlt den Stein, es hat lang gedauert", sagt Greylinger. Er spielt damit darauf an, dass sich die Durchimpfung der Tausenden Polizistinnen und Polizisten, die nun bis Mitte Mai vorgesehen ist, jetzt rund einen Monat später beginnt als ursprünglich geplant.

Start im März kurzfristig abgeblasen

Denn zunächst war der Start der Impfungen bei der Polizei bereits schon rund um den 19. März, also noch vor Ostern, in Aussicht gestellt gewesen. Die Aktion wurde zum Ärger der Exekutivbeamten allerdings dann kurzfristig abgeblasen. Der Grund dafür war, dass das Gesundheitsministerium die Bundesländer Mitte März mit einem Erlass angewiesen hatte, dass angesichts der noch knappen Liefermengen die Corona-Impfungen für Menschen über 65 Jahren in Österreich Vorrang haben müssten.

Bei Polizisten herrschte Verärgerung darüber, weil sie sich als systemrelevante Berufsgruppe vom Innenministerium und vom Dienstgeber Bund im Stich gelassen fühlten. Denn einerseits waren Polizeibeamte bei Tausenden Kontrollen zur Einhaltung der Corona-Maßnahmen teils mit Aggressivität von Betroffenen konfrontiert, andererseits wurden Beamte bei Demonstrationen gegen die Corona-Politik der türkis-grünen Bundesregierung attackiert und auch angespuckt. Auf die Verschiebung reagierte auch der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Reinhard Zimmermann, von den Christgewerkschaftern mit Unverständnis und Empörung. Die roten Polizeigewerkschafter wollten als Protest sogar gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen ergreifen.

Entsprechend erleichtert und erfreut ist jetzt auch der Innenminister. In den vergangenen Wochen hat sich das Innenministerium nur notmäßig für einen Teil der Polizeibeamten mit Impfungen über die Runden gebracht. Rund 2500 Personen im Polizeidienst konnten seit der Verschiebung des großflächigen Impfstarts bereits immunisiert werden. Diese Impfungen gingen an ärztliches Personal bei der Exekutive sowie Polizisten mit besonders exponierten Einsätzen, darunter auch bei Demonstrationen.

Nun hofft man in der Exekutive, dass der von Innenminister Nehammer verkündete Zeitplan für die Impfungen aufgrund der zusätzlichen Lieferdosen ab der letzten Aprilwoche eingehalten wird. Der Ressortchef bezeichnete es als "großen Erfolg, um endlich die lang ersehnten Impfungen in der Polizei auch breit anbieten zu können". Laut "Kurier" sind bisher drei Polizisten – in Tirol, Kärnten und dem Burgenland – an Corona-Erkrankungen verstorben.

Impfungen auch für 5000 Soldaten

Von der Lieferung mit zusätzlichem Corona-Impfstoff von Moderna wird auch das Bundesheer profitieren. Wie Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) der Austria Presseagentur erklärte, sollen damit ab der kommenden Woche weitere 5000 Soldaten eine Corona-Impfung erhalten. Damit werde nun mit der Immunisierung der Truppe im Inland begonnen. Bisherige Impfdosen wurden im Bundesheer für das Sanitätspersonal eingesetzt, das auch bei Test- und Impfstraßen in den Bundesländern mithilft, bei exponierten Spezialeinsatzkräften sowie bei Auslandskontingenten.

In Niederösterreich Start von letztlich 20 Impfzentren

In den Bundesländern werden wegen der früheren Lieferungen von Impfdosen von Biontech/Pfizer die Kapazitätten für die Corona-Impfungen ausgeweitet. Niederösterreich rüstet sich mit insgesamt 20 Impfzentren. Die ersten davon werden kommende Woche den Betrieb aufnehmen. Der Vollbetrieb in den landesweit 20 Impfzentren ist dann für die zweite Maihälfte vorgesehen. Das kündigte Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Samstag in Wiener Neustadt an. Dort besuchte sie gemeinsam mit Bundeskanzler Sebastian Kurz und Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) die Impfstraße im Veranstaltungszentrum Arena Nova.

Für den Start habe man vorläufig das Rote Kreuz mit der Abwicklung und Organisation der ersten Impfzentren beauftragt. Allein für Niederösterreich kämen von Ende April bis Ende Juni durch die nunmehr erhöhte Liefermenge noch knapp 200.000 Impfungen dazu. Daneben sollen in Niederösterreich wie auch schon bisher Hausärzte weiterhin Corona-Impfungen vornehmen. Ziel ist es laut  Mikl-Leitner pro Woche in den Impfzentren 100.000 Corona-Impfungen zu verabreichen.

In Niederösterreich ist ab sofort auch die Anmeldung von Personen möglich, die für kurzfristig freigewordene Impfungen in einer der künftig 20 Impfzentren einspringen können. Das geht über die Buchungsplattform von Notruf NÖ. Registrieren können sich unabhängig vom Alter Niederösterreicher, die bei einem Anruf innerhalb von 30 Minuten in einem Impfzentrum eintreffen können. Damit soll vermieden werden, dass Impfstoff ungenützt verfällt. Weiters sollen ab Mittwoch, 21. April, um 10.00 Uhr Termine für alle Personen über 60 Jahren freigeschaltet werden.