Eine Kampagne soll Frauen nun dazu bringen, sie für die Arbeit beim Bundesheer zu gewinnen. Anlässlich des "Girls’ Day 2021", der jährlich wiederkehrenden Aktion, die Mädchen für traditionell männlich gewachsene Berufe begeistern soll, stellen Frauenministerin Susanne Raab und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, beide ÖVP, gemeinsam mit der Militärpolizistin Christina Hofer diese nun vor. Die angestrebte "Erhöhung des Frauenanteils beim Bundesheer" tut Not, denn laut aktuellstem Gleichstellungsbericht des Bundes von 2020 waren 2019 gerade einmal 3,2 Prozent der Bundesbediensteten im Militärischen Dienst weiblich. Auch aktuell sind es laut Tanner erst vier Prozent.

Die Kampagne, laut Tanner ein "starkes" Maßnahmenpaket

Mit Oberstleutnant Jasmine Krutzler wurde vergangenen Freitag "die erste Frau in der Geschichte unseres Heeres" zu einer Regimentskommandantin ernannt, freut sich Verteidigungsministerin Tanner. Es sei wichtig, "Pionierinnen in unser Heer zu bekommen". Angesichts von aktuell vier Prozent Frauen aber habe man vieles zu tun, mit Frauenministerin Raab habe sie deshalb ein "starkes" Maßnahmenpaket geschnürt. Es umfasst Informationsoffizierinnen, eine Fitness-App, als Vorbereitung für die "durchaus herausfordernden körperlichen Eignungstests", man implementiere ein Mentoring-Programm und lege einen starken Fokus auf die Medienpräsenz von Frauen beim Heer. Dazu eben die Werbekampagne "Unser Heer - ihre Chance", die zeige, was man beim Heer von der Militärpolizei bis zur Sanitäterin alles werden kann.

Frauenministerin Raab will zeigen, dass alle Chancen, die Berufe bieten, auch Frauen offenstehen, auch beim Heer: "Es braucht starke Role Models. Es braucht Wissen über die Möglichkeiten, es gibt beim Bundesheer zum Beispiel über 35 Lehrberufe, von der Meteorologin bis zur Hundestaffelführerin. Es braucht eine Familienfreundlichkeit, frauenfördernde Maßnahmen, da tut sich im Bundesheer wahnsinnig viel", sagt Raab und erwähnt 22 Kindergruppen an 14 Standorten beim Heer.

"Eine Frau kann der beste Mann für den Job sein"

Militärpolizistin Christina Hofer erläutert, was es für sie bedeutet, Soldatin  zu sein - erst aber, was nicht: "Was es nicht bedeutet, ist, keine Frau sein zu wollen; auch nicht als Frau nicht das Selbe zu leisten. Frau beim Bundesheer bedeutet Soldatin zu sein, unserem schönen Land zu dienen." Soldatinnen sein bedeute, sich den selben Herausforderung zu stellen, "für die selbe Arbeit das selbe Gehalt zu bekommen, im Einsatzfall auch gleich behandelt zu werden."

Anlässlich des Terroranschlags in Wien im vergangenen Herbst habe sie einen Einsatz der Militärpolizei formiert: "Ich wurde nicht ausgewählt, weil ich eine Frau bin, oder weil kein Mann zur Verfügung stand, sondern weil auch eine Frau der beste Mann für den Job sein kann."

Militär mit geringstem Frauenanteil im Bundesdienst

Verteidigungsministerin Tanner argumentiert gerne mit Steigerungsraten. Tatsächlich stieg der Frauenanteil beim Militärdienst 2019 gegenüber dem Jahr davor um satte 22 Prozent, in Prozentpunkten alllerdings klingt das Plus von 0,7 allerdings bescheiden, 2018 waren nur 2,5 Prozent im Militärischen Dienst weiblich.

Im Bundesdienst gibt es eine Quotenregelung. Frauen müssen bei gleicher Qualifikation bevorzugt werden, bis der Anteil von 50 Prozent in der jeweiligen Funktionsgruppe erreicht ist. Insgesamt liegt der Frauenanteil bei 42,5 Prozent. Er lag allerdings schon zehn Jahre davor bei 41,2 Prozent. Das Militär trägt mit den bescheidenen 3,2 Prozent bislang wenig zur Erhöhung bei. Im Exekutivdienst, also insbesondere der Polizei, sind 18,5 Prozent weiblich. Den Anteil der weiblichen Beschäftigten beim Bund erhöhen laut Gleichstellungsbericht dagegen die 65,5 Prozent Krankenpflegerinnen, die 60,1 Prozent Lehrerinnen sowie die 54,4 Prozent Richterinnen und Staatsanwältinnen.

Zahlenspiele und 666 Soldatinnen

Aktuell sind es 666 Soldatinnen, 294 sind als Unteroffizierinnen tätig, 93 als Offizierinnen, erläutert Verteidigungsministerin Klaudia Tanner. Kurz vor dem Frauentag sah sie das Bundesheer beim Anwerben weiblicher Soldaten auf einem "guten Weg, aber noch nicht am Ziel". Die von ihr präsentierten Daten suggerieren ein weiblicheres Umfeld als der Gleichstellungsbericht: Demnach arbeiten im Verteidigungsministerium insgesamt 2.320 zivile Frauen, was einem Frauenanteil von rund 28 Prozent entspricht. Insgesamt liege der Frauenanteil beim Österreichischen Bundesheer bei rund 12,5 Prozent, zivile Bedienstete und Soldatinnen zusammengefasst, sagte sie damals.

Tanner konzentriert sich lieber auf die Positiva: Die Dienststelle mit dem höchsten Frauenanteil beim Bundesheer sei das Militärhundezentrum mit rund 60 Prozent, die Dienststelle mit der höchsten Zahl an Soldatinnen ist mit 26 die Militärpolizei. Die Anzahl der Soldatinnen beim Heer sei "in den letzten Jahren deutlich gestiegen", sagte Tanner vor dem Frauentag, und zwar von 66 Prozent auf 670 Anfang März 2021. Als Vergleichsjahr präsentierte sie das Jahr 2015, wo es 402 waren. Für das Plus von 66 Prozent brauchte man also sechs Jahre.

Während sich unter den 90 Personen in Leitungsfunktion bei Militärkommanden 2018 und 2019 laut Gleichstellungsbericht noch keine einzige Frau darunter befand, Männer also unter sich waren, ernannte Tanner erst vergangenen Freitag mit Oberstleutnant Jasmine Krutzler zur neuen Chefin des Versorgungsregiments 1 und damit zur ersten Regimentskommandantin Österreichs. Die Kommandoübergabe bezeichnete Krutzler nicht nur als Ereignis für sich selbst, sondern auch "für das Bundesheer, es ist ein Meilenstein in Gleichstellung von uns Truppenoffizierinnen". Als Role Model in der Auslage wollte sich Krutzler übrigens - anders als Hofer - dennoch nicht sehen. Höchstens, "wenn mehr Frauen in Führungspositionen kommen, dann ja".