Niederösterreichs Ankündigung, die Anmeldung für Impfungen für alle über 16 ab dem 10. Mai freizuschalten, dürfte zunächst eine Pioniertat bleiben. Obwohl Generalmajor Andreas Pernsteiner, Logistik-Leiter für Impfstoffe beim Bundesheer, angesichts für Juni pro Woche erwarteter 700.000 bis 750.000 Impfdosen, von denen 500.000 von BioNTech/Pfizer kommen sollen, keine Lieferprobleme erwartet, zeigten sich mehrere Bundesländer skeptisch und wollen den Schritt nicht mitgehen.

Salzburg bleibt beim Hausarzt-Konzept und Priorisierung

Salzburg liegt bei der ersten Corona-Teilimpfung mit einer Rate von 20,54 Prozent der Gesamtbevölkerung im Bundesländervergleich immer noch an der letzten Stelle. Für Gesundheitsreferent und Landeshauptmann-Stellvertreter Christian Stöckl gibt es keinen Grund zur Besorgnis. 22 Prozent der Personen von Schlüsselkräften seien nicht im Bundesland Salzburg zu Hause, bei den Pädagogen seien es sechs Prozent. Stöckl ergänzte, "wir haben Hunderte Mitarbeiter in den Salzburger Landeskliniken und im Krankenhaus Oberndorf aus Oberösterreich und Bayern, die werden dort gezählt, nicht in Salzburg". Auch deshalb komme es statistisch zu Verwerfungen.Man setze auf eine wohnortnahe Impfung in insgesamt 280 Impfordinationen und auf die Vollimmunisierung. Hier befindet sich Salzburg aktuell mit 8,66 Prozent auf Platz drei hinter Tirol (14,39) und Niederösterreich (9,65).

Die enge Zusammenarbeit mit den Ärzten im niedergelassenen Bereich habe den Vorteil, dass "der Impfstoff zu den Menschen kommt" und diese sich bei ihrem Vertrauensarzt impfen lassen können, verteidigte Stöckl das Salzburger Impfkonzept, das auch Impfstraßen in Gemeinden mit über 10.000 Einwohnern und auch für Sonderimpfaktionen zum Einsatz kommen, beinhaltet, am Donnerstag in einer Online-Pressekonferenz. Die Verteilung des Impfstoffes an die Ordinationen dauert etwas länger. Im Durchschnitt komme es zu Verzögerungen von drei bis vier Tagen. Das nehme man gerne in Kauf, sagte der Gesundheitsreferent. "Es wird alles verimpft, was wir haben. Am Ende der Woche sind die Kühlschränke leer", so Stöckl. 

Wien hält Kontakte und Planungssicherheit für entscheidend

So erläuterte ein Sprecher des Wiener Gesundheitsstadtrats Peter Hacker (SPÖ) am Donnerstag im Gespräch mit der APA, dass Wien weiter auf seine bisherige Schiene - Impfung nach Altersgruppen und Betriebsimpfungen, etwa nach Gefährdungslage - setzen wolle. "Der große Unterschied zwischen beispielsweise mir und einer 30-jährigen Supermarktkassierin ist, dass sie jeden Tag hunderte Kundenkontakte hat und ich die selben fünf Menschen im Rathaus treffe", erläuterte der Sprecher. "Da macht es doch Sinn, wenn die Supermarktkassierin zuerst geimpft wird."

Zudem sieht die Stadt die Planungssicherheit nicht in ausreichendem Maße gegeben. "Was uns der Bund fix zusagen kann, ist der Impfstoff der laufenden und der kommenden Woche", sagte der Sprecher Hackers. Alles darüber hinaus sei nicht ausreichend planbar.

Bewusste kurzfristigere Planung

Auch Oberösterreich zeigte sich zurückhaltend: Das Land will seine Impfangebote erst dann allen zugänglich machen, wenn die Gruppe der über 50-Jährigen durchgeimpft ist. Damit sei Ende Mai zu rechnen, erklärte Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP) in einer Aussendung. Mittel- und langfristige Planungen seien derzeit noch nicht verlässlich möglich, da es immer nur für zwei Wochen zugesagte Impfstofflieferungen gebe.

Eine Freischaltung für alle ab sofort berge das Risiko, dass zu einem besagten Zeitpunkt zum einen die Impfdosen nicht vorhanden sein können, zum anderen manche Menschen nicht soweit terminlich vorausplanen wollen. "Der oberösterreichische Weg ist hier verlässlicher, weil wir wissen: Bei jeder einzelnen Einladung können wir auch den Impfstoff garantieren", erklärte Haberlander.

Auch in Kärnten werden die Impfungen weiter von Woche zu Woche geplant, sagte Gerd Kurath vom Landespressedienst am Donnerstag auf APA-Anfrage. Jüngere Altersgruppen kämen bis zum Sommer an die Reihe. Zum Vergleich mit Niederösterreich sagte Kurath, dass dort Impftermine anders als in Kärnten drei Wochen im Voraus vergeben werden. In Kärnten plane man wie in den meisten anderen Bundesländern konservativ: Verimpft werde, was man bekommen habe. "Es soll nichts terminisiert werden, was noch nicht vorhanden ist." Der Arbeitsaufwand für Absagen wäre erheblich, dazu solle es nicht kommen.

Burgenland impft Freiwillige Feuerwehr

Das Burgenland will ebenfalls bei seiner bisherigen Vorgangsweise bleiben und die Anmeldung zur Corona-Impfung nicht für alle über 16 freischalten. Das habe vor allem logistische Gründe, hieß es vonseiten des Koordinationsstabs Coronavirus zur APA. Auf diese Weise könne man je nach Verfügbarkeit der Impfstoffe besser kalkulieren. Vormerken könne sich wie gehabt jeder, die Einladungen würden dann nach der Reihung im Impfplan verschickt.

Das Burgenland beginnt mit der Impfung der Feuerwehren. Die über 17.000 ehrenamtlichen Mitglieder werden demnächst eine Einladung erhalten. Begonnen wird mit jenen Feuerwehren, die die meisten Einsätze haben, teilte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) am Donnerstag in einer Aussendung mit. Generell schreite die burgenländische Impfstrategie gut voran. Am kommenden Samstag, 1. Mai, werde die 100.000ste Impfung verabreicht.

Steiermark bleibt bei Priorisierung

In der Steiermark läuft derzeit der Testbetrieb für die Auswahl und aktive Anmeldung zu Impfterminen vorerst auf den Impfstraßen und ähnlich wie in Niederösterreich. Mitte Mai soll die Aktiv-Anmeldung auf die steirischen Impfordinationen ausgeweitet werden. Vorgesehen ist, dass angemeldete Impfwillige künftig ein E-Mail oder eine SMS mit persönlichem Link zugeschickt bekommen und sie damit online einen Termin aussuchen können.

Diese Einladungsmails zur Terminauswahl werden aber nicht an alle zugleich, sondern entsprechend dem nationalen Impfplan nach Prioritäten, wie etwa Alter oder bestimmten Vorerkrankungen, gereiht verschickt. Das passiert auch nur dann, wenn ausreichend Impfdosen zur Verfügung stehen und der Termin auch seitens des Landes gehalten werden kann. Für die Impfwilligen besteht auch die Möglichkeit, einen Termin zu stornieren. Sobald das geschieht, wird das Programm automatisch ein Einladungsmail an den Nächstgereihten ausschicken. Bei zweimaliger Terminabsage werden in der Steiermark die Menschen nach hinten gereiht und bekommen erst dann wieder ein Einladungsmail mit Buchungslink, wenn genügend Impfstoff für alle vorhanden ist.

Seitens des Landes Tirol hieß es, dass in Tirol Termine für Covid-Impfungen erst dann vergeben werden, wenn die Verfügbarkeit der Impfstoffe gewährleistet ist. Damit können Unannehmlichkeiten wie etwa Stornierungen von Impfterminen bestmöglich vermieden werden. Diesen Weg der Verlässlichkeit werde das Land Tirol auch weiterhin verfolgen.

Niederösterreich bleibt beim Freischaltungsplan

Niederösterreich hält an seiner Vorgangsweise unterdessen fest. LHStv. Stephan Pernkopf (ÖVP) bekräftigte, dass die zukünftigen Impftermine im Bundesland "abgesichert und mit Sicherheitsreserve geplant" seien. "Nachdem hauptsächlich Impfstoff von BioNTech/Pfizer verwendet wird, blicken wir auf monatelange verlässliche Impfstofflieferungen zurück, die vom Bund auch für die folgenden Wochen bestätigt wurden." Damit könne offensiv geplant und in den 20 Landesimpfzentren sowie im niedergelassenen Bereich "rasch und professionell" immunisiert werden.

Verwiesen wurde vom Landesvize außerdem darauf, dass die Terminbuchungen gestaffelt nach Alter vom 3. bis zum 10. Mai freigegeben werden. Die Impfung erfolge in Niederösterreich also wie schon bisher nach Altersgruppen. Zeitslots für Erst- und Zweitinjektion reichen vom 10. Mai bis Ende Juni. (apa)