Neun Frauen sind im heurigen Jahr bereits von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet worden. Bei der jüngsten Bluttat in der Nacht auf Freitag  starb eine 35-Jährige in Wien-Brigittenau durch einen Kopfschuss. Der Tatverdächtige soll jener "Bierwirt" sein, der sich mit der grünen Klubobfrau Sigrid Maurer wegen Hasspostings einen Schlagabtausch vor Gericht geliefert hat.

Als Konsequenz aus diesem jüngsten Frauenmord wurde nun für kommenden Montag ein Sicherheitsgipfel im Innenministerium anberaumt. Frauenministerin Susanne Raab (ÖVP) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wollen gemeinsam mit den neun Landespolizeidirektoren und Landeskriminalamtsleitern ein Maßnahmenpaket zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt schnüren. Unter anderem soll eine weitere Intensivierung des Instruments der Fallkonferenzen in allen Bundesländern thematisiert werden. "Für eine einheitliche und standardisierte Abwicklung dieser Fallkonferenzen, die mit dem 1. Jänner 2020 ins Gewaltschutzgesetz aufgenommen wurden und seither als Instrument zur Prävention von Gewalttaten zur Verfügung stehen, wurde ein Leitfaden entwickelt", hieß es am Freitag.

Das Frauenministerium und das Bundeskriminalamt werden außerdem eine qualitative Untersuchung aller Tötungsdelikte an Frauen in den vergangenen zehn Jahren in Auftrag geben. Damit sollen wichtige Erkenntnisse über polizeiliche Maßnahmen vor Tötungsdelikten - etwa ob es im Vorfeld eine Wegweisung oder ein Betretungsverbot gegeben hat - , über die Täter und ihre Motivlage gewonnen werden.

Neun Frauenmorde - nur ein aufrechtes Kontaktverbot

In Bezug auf die neun Frauen, die hierzulande in den vergangenen vier Monaten männliche Gewalt mit ihrem Leben bezahlt haben, hat laut Innenministerium nur in einem Fall ein aufrechtes Kontaktverbot bestanden, dem ein Betretungs- und Annäherungsverbot vorangegangen war. In den übrigen Fällen gab es im Vorfeld keine polizeiliche Wegweisung, "da die Polizei keine Erkenntnisse zu den jeweiligen Fällen hatte", wie das Ministerium festhielt.

"Die letzten Tötungsdelikte an Frauen haben gezeigt, dass zuvor keine Maßnahmen polizeilichen Maßnahmen gesetzt werden konnten", konstatierte Innenminister Nehammer. Es bedürfe daher "eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes, um von Gewalt betroffene Frauen zu ermutigen, die Polizei zu verständigen". Darüber hinaus brauche es "eine Sensibilisierung aller in unserem Land lebenden Menschen, bei Anzeichen von Gewalt nicht wegzusehen".

Nehammer und Raab wollen deshalb auch die Sensibilisierungskampagne gegen häusliche Gewalt an Frauen und Mädchen intensivieren, die während des ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr gestartet war. "Ich möchte, dass jede betroffene Frau und jedes Mädchen, aber auch ihr Umfeld weiß, dass es einen Weg aus der Gewaltspirale gibt. Sie müssen nicht allein mit der Situation zurechtkommen, es gibt Hilfe und Unterstützung. Daher ist es auch wesentlich, dass wir die Infokampagne weiter ausbauen und intensivieren. Es gibt einen Zufluchtsort für jede Frau, die von Gewalt betroffen ist", betonte Frauenministerin Raab. (apa)