Der im Zuge der Abwicklung von PCR-Tests für das Land Tirol unter Beschuss geratene Chef beziehungsweise Gründer der Firma HG Pharma, Ralf Herwig, zieht sich vorübergehend aus dem operativen Geschäft zurück. Das erklärte Herwig im Gespräch mit der APA.

Die Entscheidung, wie es mit der noch bis Ende Juni laufenden Zusammenarbeit des Landes mit seiner Firma weitergehe, liege beim Land, so Herwig. Das Land Tirol hatte den Auftrag über die Abwicklung von PCR-Tests im Umfang von knapp acht Millionen Euro direkt und und ohne Ausschreibung der Wiener Firma HG Pharma erteilt.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) erwartet im Lauf des Tages die Ergebnisse der Qualitätsprüfung. Mückstein bestätigte am Mittwoch nach dem Ministerrat, dass es sich bei der vom Land Tirol mit PCR-Tests betrauten HG Pharma um ein gelistetes Labor handle. "Die Vergabe ist in Tirol passiert, derzeit wird in Tirol aufgeklärt", sagte Mückstein. Und: "Wir wissen nicht, wie groß das Problem mit den PCR-Testungen war." Derzeit gehe er davon aus, dass alle als positiv gemeldeten Tests des Labors auch positiv waren. Weitere Informationen erwarte er im Lauf des Tages und werde dann berichten.

Rizzoli spricht von "hervorragender Arbeit"

Der Leiter des "Tiroler Zentrum für Krisen- und Katastrophenmanagement", Elmar Rizzoli, erklärte am Rande einer Pressekonferenz mit Landeshauptmann Günther Platter, dass es bei der Überprüfung des Labors "nicht um falsche Analysen geht". Das Labor habe an sogenannten Ringversuchen teilgenommen, es sei auch von einem Laborbeauftragten überprüft worden. Es gab bislang "keine Anhaltspunkte, dass es hier zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist". Es gebe sogar ein Schreiben, "dass dieses Institut hervorragende Arbeit geleistet hat".

Laut Rizzoli habe HG Pharma die Schwellwerte, ab denen B.1.1.7. mit dem Mutationmerkmal E484K erkennt, bewusst höher angelegt: "Man will ja nicht Zahlen niedrig halten, sondern auf der sicheren Seite sein", erklärt er.  Die Proben seien auch in der Vollsequenzierung von Wiener Labors als Sars-CoV-2-positiv und britische Variante bestätigt worden. In 24 Fällen zwischen dem 8. März bis 24. April von insgesamt 2000 Proben aber ohne E484K, "weil der Grenzwert zu hoch angesetzt wurde". Die Proben würden nun nochmals nachgetestet. 

Zusammenarbeit offen

Ob das Land Tirol weiter mit der HG Pharma zusammenarbeiten wird, blieb vorerst noch offen. Eine Zusammenarbeit mit Herwig werde es aber nicht mehr geben, betonte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) bei einer Pressekonferenz. Die Laborbefundung im Land soll neu aufgestellt werden, fügte der Landeshauptmann hinzu. Außerdem soll das Justiziariat eine genaue Prüfung vornehmen. Sobald das Ergebnis vorliegt, soll dieses auch kommuniziert werden.

Er habe die Entscheidung "aufgrund der Turbulenzen um meine Person" getroffen, meinte Urologe Herwig. Es würden einfach falsche Berichte in die Welt gesetzt werden, die jeder Grundlage entbehren. "Es hat keine falsch positiven Tests gegeben. Alles, was es gegeben hat, waren PCR-Vorwarnungen, die dann von der Akademie der Wissenschaften bestätigt werden oder nicht. Das ist ein ganz normaler Vorgang", erklärte Herwig. Die Qualität der Tests sei einwandfrei, dies sei auch mehrfach national wie international bestätigt und überprüft worden.

Es könne sein, dass er sich zurückziehe, bis sich die Vorwürfe aufgeklärt haben - es könne aber auch sein, dass es ein "Abschied für immer" sei. Es würde jedenfalls schwer sein für das Land Tirol, eine Firma zu finden, die eine derartige Qualität liefern könne - sollte man sich gegen HG Pharma entscheiden. (apa, mad)