Ein 51-Jähriger steht im Verdacht, am späten Mittwochabend in Wals-Siezenheim in Salzburg seine 50-jährige frühere Lebensgefährtin und deren 76-jährige Mutter erschossen zu haben. Danach ist der Mann geflüchtet. Noch in der Nacht nahm er selbst Kontakt mit der Polizei auf, in den Morgenstunden wurde er festgenommen. Bei den beiden Morden handelt es sich um den zehnten und elften Femizid dieses Jahres in Österreich.

Ob es bei Frauenmorden auch einen Werther-Effekt gibt, hat Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Frauenhäuser, mit Expertinnen und Experten der Polizei, Männerberatung und anderen Gewaltschutzeinrichtungen diskutiert. "Anders als bei Suizid dürfte verantwortungsvolle Berichterstattung nicht zu Nachahmungstaten führen", sagt Rösslhumer. Frauenmorde seien von den Tätern meisten von langer Hand geplant: "Die Zerstörung der Frau ist bei den Tätern als einzig mögliches Ende der Beziehung fest verankert." Diese hätten kein anderes Handwerk zur Lösung von Konflikten erlernt als Gewalt. "Wir bemerken aber in den Beratungen von Frauen, wenn über Gewalt und Frauenmorde verharmlosend als Beziehungstat, als Streit, als Familiendrama berichtet wird, dass Täter häufiger mit Mord drohen, sich der Satz: ‚Dann schneide ich dir die Kehle durch‘, häuft."

Die gravierenden Unterschiede in der Berichterstattung über Frauenmorde hat Maria Pernegger mit ihrer Agentur Media Affairs untersucht: "In der Berichterstattung sehen wir ganz deutliche Unterschiede zwischen Boulevard- und Qualitätsmedien. Im Boulevard gibt es häufig voyeuristische Einblicke in die Lebensbereiche des Opfers und des Täters."

Verharmlosung im Boulevard

Die Medienanalytikerin verweist ebenso auf die häufige Verwendung verharmlosender Begriffe als Problem: "Zum Beispiel ‚Sexattacke‘ für eine Vergewaltigung und ‚Beziehungsdrama‘ für einen Femizid." In den vergangenen Wochen beobachtete sie aber eine Verbesserung: "Durch die Häufung der Frauenmorde wird immer mehr über das gesellschaftliche Problem dahinter berichtet, auch im Boulevard. Trotzdem werden die Morde im Boulevard ausgeschlachtet und als ‚Bluttat‘ bezeichnet." Wichtig sei, dass nicht nur über Frauenmorde berichtet werde, die die Spitze des Eisbergs sind, sondern auch über die alltägliche Gewalt gegen Frauen.