Der Konflikt um die erst durch eine Exekutionsdrohung des Verfassungsgerichtshofs erzwungene Lieferung von E-Mails von Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) an den parlamentarischen Ibiza-Untersuchungsausschuss ging am Mittwoch in eine neue Runde. Der Finanzminister wird nun beim Vermittlungsgespräch mit Fraktionsvertretern zur Aktenlieferung doch persönlich anwesend sein. Der Termin werde unmittelbar nach Ende des Hauptausschusses am Mittwoch stattfinden, hieß es zur APA aus dem Büro von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), der das Treffen initiiert hatte. Sobotka selbst werde die Besprechung moderieren.

Sobotka hatte im Streit um die Aktenlieferungen an den U-Ausschuss und deren hohe Geheimhaltungsstufe einen Vermittlungsversuch gestartet und Parteienvertreter zu einer "Fraktionsführerinnen-Besprechung" mit dem Finanzministerium eingeladen. Ziel des Treffens sei es, über die von der Opposition kritisierte hohe Klassifizierung der Akten "geheim" zu sprechen. Nach Drängen der Opposition sagte Blümel zu, wie das Büro des Nationalratspräsidenten bestätigte.

Sobotka selbst hatte die Leitung des Gesprächs ursprünglich Verfahrensrichter Wolfgang Pöschl überlassen. "Wenn es aber der ausdrückliche Wunsch der Fraktionen ist, dass der Herr Nationalratspräsident diese Besprechung persönlich moderiert, kommt er diesem Wunsch natürlich gerne nach", hieß es nach Kritik der Opposition, der Nationalratspräsident hätte eigentlich gar kein Interesse an dem Treffen.

Kritik der Grünen an Blümel

Die Kritik an Blümel ebbte auch am Mittwoch nicht ab. Selbst die Fraktionsführerin der Grünen im U-Ausschuss, Nina Tomaselli, zeigte in der "Tiroler Tageszeitung" (Mittwoch-Ausgabe) und danach im Ö1-"Morgenjournal" kein Verständnis für die hohe Geheimhaltungsstufe der Akten. Diese Eskalationsstufe sei "absolut unverständlich", sagte sie. Das gelte insbesondere für Staatsorgane, denn niemand stehe über dem Gesetz. Eine Verlängerung des U-Ausschusses schloss sie zumindest nicht aus.

Auch die jüngste Entschuldigung Blümels für seine Vorgangsweise bei der Aktenlieferung wollen nicht alle bedingungslos akzeptieren - unter anderem auch die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ). "Wenn sich im Verhalten nichts ändert, also im Respekt gegenüber dem Verfassungsgerichtshof, dem Bundespräsidenten und dem Parlament, dann ist diese Entschuldigung nur eine rhetorische Floskel", meinte sie in der "Kleinen Zeitung" (Mittwoch-Ausgabe). (apa)