Kritik am Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) äußerte am Donnerstag die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) Wien. Bemängelt wurde nicht nur die aktuelle Direktoren-Ausschreibung, sondern generell dass sich "das VWI in eine Richtung entwickelt, wofür es nicht gegründet worden war". Das IKG "kann und will diese Entwicklung nicht akzeptieren und fordert eine Klarstellung und Besinnung auf die Gründungsintentionen", wurde in einer Aussendung formuliert.

"Hätte Wiesenthal gewusst, dass das VWI die Täterforschung in den Hintergrund rückt und sich als Kompetenzzentrum mit dem Schwerpunkt Genozidforschung profilieren möchte, hätte er sein Archiv sicher nicht in Wien belassen, sondern in das Simon Wiesenthal Center nach Los Angeles übergeben", merkte die IKG unter Hinweis darauf an, dass das 2006 nach Simon Wiesenthals Tod gegründete Institut mit Geldmitteln der Republik, der Stadt Wien und der IKG finanziell gefördert werde.

Außerdem stellt das IKG die Frage, "warum das VWI keine Antisemitismus- oder Rassismusforschung betreibt oder zumindest die ständig steigenden antisemitischen Vorfälle in Österreich verurteilt". Diese Themenbereiche wären neben der Täterforschung die grundlegenden Säulen für die Existenz und das Fortbestehen des Instituts und zudem "ein Gebot der Stunde". An der aktuellen Ausschreibung für den neuen Direktor missfällt der IKG, dass sie die Trennung der Leitung in einen wissenschaftlichen und einen geschäftsführenden Bereich vermissen lasse.

"Entschiedenes Handeln" der hiesigen Politik forderten die Jüdischen Hochschüler angesichts einer Demo auf der Wiener Mariahilferstraße am Mittwoch. Bei einer Kundgebung von "für ihren Antisemitismus bekannten" Organisationen - BDS-Bewegung, Antiimperialistischen Koordination (AIK) und Dar-al-Janub - sei es zu "massiven antisemitischen Sprechchören" gekommen. Es seien Hamas-Fahnen oder antisemitische Transparente mit Holocaust-Relativierungen getragen und offen zur Intifada aufgerufen worden.

"Selbstverständlich hat jeder Mensch das Recht, sich über israelische Politik kritisch zu äußern und gegen diese zu demonstrieren, jedoch darf dies keinesfalls mit antisemitischen Organisationen und Botschaften einhergehen", forderten die JöH, "dass der Konflikt im Nahen Osten nicht dazu instrumentalisiert wird, den Antisemitismus in Europa zu befeuern". (apa)