Wien. "Einigkeit in Vielfalt" (in varietate concordia) - so lautet das Europamotto. Der Leitspruch der Europäischen Union war titelgebend für die jüngste gestreamte Podiumsdiskussion in der Reihe "Future Ethics", die gemeinsam von der Diakonie und der "Wiener Zeitung" durchgeführt wird. Wo steht unsere Gesellschaft in Sachen Integration? Welche Chancen nutzt die österreichische Gesellschaft, welche verpasst sie? Das wollte der Moderator, Chefredakteur-Stellvertreter Thomas Seifert, wissen. "Wir machen es uns politisch sehr einfach: Integration ist die Pflicht der Menschen, die zu uns kommen - dabei ist es eine Aufgabe der aufnehmenden Gesellschaft", sagt dazu die Direktorin der Diakonie Österreich, Maria Katharina Moser. "Die Frage lautet: Welche Bedingungen finden Menschen vor, um zugehörig werden zu können?"

Die Journalistin und Autorin Solmaz Khorsand (zuletzt erschien ihr Buch "Pathos" im Verlag Kremayr & Scheriau) kritisierte den stereotypen Diskurs: "Die homogene Aufnahmegesellschaft sieht sich als gebildet, zivilisiert - jene, die kommen, werden als ungebildet und defizitär betrachtet." Wenn vor Ghettos gewarnt werde, dann seien nicht die Wohlstandsghettos in Döbling oder Währing gemeint - sondern Favoriten. Dabei sei erstere Art der Segregation durchaus diskussionswürdig.

Der Historiker Philip Blom (sein jüngstes Buch "Das große Welttheater" ist im Zsolnay-Verlag erschienen) decouvrierte das Narrativ von der homogenen Aufnahmegesellschaft: Europas Gesellschaften seien längst zu Migrationsgesellschaften geworden, "aus Angst werden aber leider von links die Probleme kaum angesprochen", so eröffne sich politischer Raum, den Rechtspopulisten füllten.