Wien habe bestimmt richtig reagiert, als es aufgrund der steigenden Anzahl an Neuinfektionen und des drohenden Intensivbetten-Mangels von der Osterruhe nahtlos in den nächsten Lockdown überging. In anderen Bundesländer wie der Steiermark, Salzburg oder Oberösterreich seien die Fallzahlen aber trotz weniger strenger Maßnahmen gesunken - genauso wie in Vorarlberg, hieß es am Dienstag von der Vorarlberger Landesregierung, als diese erste Schlussfolgerungen der "Modellregion Vorarlberg" präsentierte.

Bereits vor den Öffnungen und somit dem Start der Modellregion am 15. März sei klar gewesen, dass mehr getestet werden müsse, sagte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP). Und es habe sich herausgestellt, dass "die Selbsttests überhaupt kein Problem darstellen", wenn man die Gastronomie oder Kulturveranstaltungen in Anspruch nehmen möchte. Mittlerweile seien in Vorarlberg mehr als 380.000 Corona-Tests durchgeführt worden.

Bereits vor den Öffnungen Mitte März sei klar gewesen, dass mehr getestet werden müsse, sagte Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner. - © APA / GEORG HOCHMUTH
Bereits vor den Öffnungen Mitte März sei klar gewesen, dass mehr getestet werden müsse, sagte Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner. - © APA / GEORG HOCHMUTH

Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) führt die Evaluierung der "Modellregion Vorarlberg" durch und wird diese laut Wallner weiter wissenschaftlich begleiten. "Eine Pandemie muss täglich genau beobachtet werden, um sie in den Griff zu bekommen", so Wallner. Die Fallzahlen seien anfangs freilich auch in Vorarlberg gestiegen, ergänzte Daniela Schmid von der Ages. Damals tauchte ja die britische Virus-Variante neu auf - laut Wallner der Grund für den Anstieg, durch den man dennoch nie die Kapazitätsgrenze an Intensivbetten erreicht habe. Denn: Einige Wochen nach dem Fallzahlen-Gipfel Ende April gab es einen Rückgang, und zwar trotz der Öffnungsschritte in Vorarlberg. Jene ab Mittwoch in ganz Österreich würden somit nicht zwangsläufig in einen nächsten Lockdown münden, sondern seien beherrschbar, meinte Schmid.

"Voraussetzungen für österreichweite Öffnung gegeben"

Schmid - sie ist auch Sprecherin der Corona-Kommission - unterstrich, dass die Voraussetzungen für eine österreichweite Wiedereröffnung von Gastronomie und Hotellerie, aber auch für andere Bereiche gegeben seien. In Vorarlberg habe man während des Modellversuchs mit geöffneter Gastronomie und Zugang zu Kultur und Sport 60 bis 70 Prozent der Infektionsfälle abklären und so die Ansteckungsketten unterbrechen können. Schmid wies aber auch darauf hin, dass jedes Bundesland seine Spezifika habe, auf die man eingehen müsse.

"Wir wussten, dass die Inzidenz steigen wird - aber wir wollten genau beobachten, woher der Anstieg kommt", sagte dazu der Vorarlberger Gesundheitsexperte Armin Fidler. Sowohl Fidler, als auch Wallner und Schmid unterstrichen, dass die Cluster in Vorarlberg nicht in den geöffneten Bereichen entstanden seien, sondern in Kindergärten, Schulen und bei privaten Zusammenkünften.  Auf Infektionsherde habe man laut Wallner sofort reagiert: Für das Leiblachtal, den Bregenzerwald und die Rheindelta-Gemeinden bestand zum Beispiel zeitweise eine Ausreisetestpflicht. Die Impfung werde jedenfalls einen entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung haben, sagte Fidler. Eine Durchimpfungsrate von 80 Prozent sei aber notwendig, um Herdenimmunität zu erreichen.

Unverändert neun Intensivpatienten

Am Dienstag sind neun Corona-Patienten auf den Vorarlberger Intensivstationen betreut worden - ebenso viele wie am Vortag. Weiter zurückgegangen ist die Anzahl der aktiv Positiven: 34 Neuinfektionen standen am Montag laut Dashboard des Landes 129 Genesungen gegenüber, die Anzahl der Infizierten im Land sank damit um 95 auf 1.018. Weitere Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus gab es nicht zu vermelden.

28 Corona-Patienten mussten am Dienstag nach Angaben der Krankenhausbetriebsgesellschaft im Spital behandelt werden, das ist eine Person mehr als am Montag. Von den 59 Intensivbetten waren noch 23 für alle Patientengruppen frei, hieß es. Zehn Spitalmitarbeiter galten am Dienstag als Corona-positiv, zwei weitere Personen befanden sich in Quarantäne.

Weiterhin führte Vorarlbergs größte Stadt Dornbirn mit 106 aktiv Infizierten (minus 14 im Vergleich zum Vortag) die Gemeinde-Statistik an, gefolgt von Feldkirch mit 94 (minus sieben) sowie Bregenz (86, minus vier) und Hohenems (71, minus fünf). In 21 der 96 Vorarlberger Gemeinden gab es am Dienstag keine Corona-Infektion.