Erst am Donnerstag wurde ein 24-Jähriger wegen "beharrlicher Verfolgung", also Stalking, rechtskräftig zu drei Monaten bedingt verurteilt. Er hatte seiner Ex-Partnerin 287 unerwünschte Nachrichten gesendet, deren neuem Freund mehr als 100; sie bei pornografischen Websites angemeldet, versucht, ihre Social-Media-Konten zu hacken, und die Mutter der Frau angezeigt. "Das ist der Wunsch, den anderen zu zerstören", sagte Richterin Minou Aigner und erteilte dem Mann eine Weisung, eine bereits begonnene Psychotherapie fortzusetzen.

Am Abend der Verurteilung beschloss der Nationalrat einen Initiativantrag von ÖVP und Grünen, wonach im Sicherheitspolizeigesetz festgehalten wird, dass Gewaltschutzzentren künftig über Stalking-Vorfälle informiert werden. Es ist die erste Maßnahme des vereinbarten Gewaltschutzpakets. "Stalking ist kein harmloses Kavaliersdelikt, sondern psychische und auch physische Gewalt an Frauen", sagte der ÖVP-Abgeordnente Karl Mahrer. "Mit ihrer Expertise und Erfahrung können Opferschutzeinrichtungen Gefahren einschätzen, juristisch beraten und auch psychosoziale Hilfestellungen anbieten", begründete die grüne Vizeklubobfrau Meri Disoski den Antrag.

Der Antrag ist am 2. Juni im Innenausschuss Thema. Wenn er dort eine Mehrheit findet, wird am 16. oder 17. Juni im Nationalrat über die Gesetzesänderung im Nationalrat abgestimmt.