Weitere Lockerungen kommen auf Österreich zu – in zwei Phasen. Mit 10. Juni, einen Tag vor Beginn der Fußball-EM, werden die Beschränkungen für die Gastronomie und den Handel aufgeweicht. Feste und Großevents sollen dann mit 1. Juli möglich sein, wie die Regierung am Freitag bekannt gab.

Das Versprechen, dass man im Sommer zur Normalität zurückkehren werde, könne eingehalten werden, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).Aufgrund der sinkenden Corona-Zahlen und des Impffortschrittes sei die Situation gut. Daher könne man im Drei-Wochen-Takt weitere Öffnungsschritte setzen. Kurz mahnte die Bevölkerung aber, "nicht übermütig" zu werden und weiterhin vorsichtig zu bleiben.

Welche Lockerungen bringt die erste Phase?

Mit 10. Juni wird die Sperrstunde in der Gastronomie von derzeit 22 Uhr auf 24 Uhr nach hinten verlegt. Auch können sich wieder mehr Menschen treffen: In Innenbereichen sind es künftig bis zu acht Erwachsene und im Freien 16 Erwachsene plus Kinder.

Die Abstandsregel in der Gastronomie wird von zwei Metern auf einen Meter reduziert. Dadurch werde es für die Betriebe leichter, "gewinnbringend zu arbeiten", sagte Kurz. Verschärfungen werden auch im Handel und in Freizeiteinrichtungen zurückgenommen: Die Regel, wonach sich pro 20 Quadratmeter nur ein Kunde im Lokal aufhalten darf, wird mit 10. Juni auf zehn Quadratmeter reduziert.

Zudem fällt die Maskenpflicht im Freien in allen Bereichen, also auch bei Veranstaltungen und für Kellner. Kinder müssen sich erst ab dem zwölften Lebensjahr (derzeit sind es zehn Jahre) testen lassen. Begründet wird das damit, dass Kinder erst ab zwölf Jahren geimpft werden dürfen und man Kindern zwischen zehn und zwölf Jahren ersparen will, dass sie sich alle zwei Tage testen müssen.

Die elektronische Registrierung vor der Einreise nach Österreich ("Pre-Travel-Clearance") ist ab dem 10. Juni auch nur noch notwendig, wenn der Reisende aus Hochinzidenz- und Virusvariantengebieten einreist.

Wie steht es um die Veranstaltungen?

Die Teilnehmerobergrenzen für Kultur- und Sportveranstaltungen (1.500 Personen im Innenbereich, 3.000 Personen im Freien) bleiben ab 10. Juni noch aufrecht. Allerdings dürfen bis zu 75 statt wie bisher 50 Prozent der Kapazität ausgelastet werden. Busreisen dürfen wieder in zu 100 Prozent ausgelasteten Fahrzeugen erfolgen. Auch Musik- und Chorproben im Amateurbereich sind unter Einhaltung der 3-G-Regel wieder erlaubt.

Weitere Verschärfungen werden mit 1. Juli zurückgenommen. Laut Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) werden in der zweiten Phase die Publikumsobergrenzen für Kultur- und Sportveranstaltungen fallen. "Es geht in die Richtung eines schönen und guten Sommers", sagte Kogler. Auch Musikfestivals werden dadurch wieder möglich sein. So beispielsweise das Frequency-Festival in St. Pölten von 19. bis 21. August.

Größere Veranstaltungen wie Hochzeiten und andere Feste werden ebenfalls wieder abgehalten werden können, sagte Kurz: "Mit 1. Juli kann geheiratet und gefeiert werden." Man werde "alles tun, damit das gesellschaftliche Leben wieder voll aufblühen kann", sagte der Bundeskanzler.

Welche Einschränkungen bleiben aufrecht?

Die 3-G-Regel wird wohl noch längere Zeit erhalten bleiben. Nur wer genesen, getestet oder geimpft ist, wird weiterhin die Gastronomie, Feste und Veranstaltungen besuchen können. Die genauen Detailregelungen für die Öffnungsschritte im Juli will die Regierung noch in den kommenden Wochen erarbeiten. Bis dahin soll die weitere Corona-Entwicklung beobachtet werden.

Unklarheiten bestehen noch, etwa bei der Maskenpflicht. Sie fällt mit 10. Juni in allen Bereichen im Freien. Wo sie in Innenbereichen im Sommer noch gelten wird, ist noch ungewiss. Kurz sagte, dass die Maskenpflicht reduziert werde, im öffentlichen Personenverkehr und Teilen des Handels solle sie aber bleiben.

Wie geht es mit den Impfungen weiter?

Mit Anfang Juli sollen fünf Millionen Menschen geimpft sein, sagte Kurz. Damit werde sich auch der Bedarf nach Tests reduzieren. Derzeit bleibe das breite Testangebot aber noch erhalten. Die Infektionszahlen würden mit den Öffnungen wahrscheinlich wieder steigen. "Relevant ist aber die Belastung in den Spitälern. Auch wenn die Zahlen nach oben gehen, bedeutet es nicht sofort eine dramatische Entwicklung", sagte der Bundeskanzler.

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) appellierte an die Bevölkerung, sich impfen zu lassen, denn damit schütze man nicht nur sich selbst, sondern auch jene, die nicht geimpft werden können. (dab)