Mit einem positiven Schwangerschaftstest in der Hand denken die wenigsten Paare daran, sich um eine Hebamme zu kümmern - vor allem, wenn sie ihr erstes Kind erwarten. Das führt später in der Schwangerschaft und besonders nach der Geburt oft zu einem Problem. Denn es gibt zu wenige Hebammen in Österreich. Im Jahr 2020 kamen auf 83.600 Neugeborene nur knapp 2.500 Hebammen. Dabei hätte jede Frau in Österreich Anspruch auf eine Nachbetreuung im Wochenbett auf Kassenleistung.

Es gibt immer viele Fragen rund um das Neugeborene, aber auch für die Frau verändert sich viel: "Wir betreuen die Mutter im Wochenbett zu gesundheitlichen Themen wie dem Stillen, aber auch bei psychischen Problemen. Und natürlich kümmern wir uns auch um die Versorgung des Kindes", schildert Gerlinde Feichtlbauer vom Hebammengremium, der Standesvertretung der Hebammen. Der Job ist eine rundum Versorgung der ganzen Familie und reicht von Geburtsvorbereitungskursen, Vorträgen, Geburtsbegleitung bis hin zur Nachsorge.

All das ist aber für sehr viele Frauen nicht möglich: "Ich habe ungefähr 25 Hebammen kontaktiert, aber es waren alle immer ausgebucht - dann habe ich aufgegeben", erzählt Stephanie Cech aus Wien über ihre Hebammensuche 2017. Durch Zufall habe sie später über Bekannte eine vermittelt bekommen.

Ähnliche Geschichten gibt es zu genüge von Frauen aus ganz Österreich, dass es sich hier nicht um Einzelfälle handelt, zeigen die Zahlen: "In Wien sind jährlich rund 17.000 von 20.000 Frauen ohne nachbetreuende Hebamme nach der Geburt", sagt die Hebamme Tanja Kops, Mitglied im Verein freier Hebammen. Wer sich also nicht früh genug, am besten rund um die achte Schwangerschaftswoche, um eine Hebamme kümmert, hat oft keine Chance mehr. "Jede Hebamme ist 30 Wochen im Vorhinein ausgebucht", so Feichtlbauer.

Die Gründe für den Hebammenmangel sind vielfältig, einer davon ist die geringe Zahl an Studienplätzen: "Es sollten schnell mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden, in den nächsten fünf bis zehn Jahren kommt eine riesige Pensionswelle auf uns zu", sagt Feichtlbauer, "und schon jetzt haben wir keine flächendeckende Hebammenversorgung in Österreich". Die Ausbildung ist an sieben Fachhochschulen möglich, meist mit nur 20 bis 30 Studienplätzen pro FH und Jahrgang. Teilweise starten die Studiengänge sogar nur alle zwei bis drei Jahre. Für die Erweiterung der Studienplätze seien jedoch die Bundesländer zuständig. An sie appelliert das Hebammengremium, etwas zu ändern.

Mehr Studienplätze geplant

In Tirol beispielsweise reagierte die Fachhochschule gemeinsam mit dem Land vor drei Jahren und änderte das Intervall zwischen den neuen Studiengängen von drei auf zwei Jahre. Es würden auch Gespräche laufen, in Zukunft jährlich zu beginnen, sagt Martina König-Bachmann, Studiengangsleiterin der FH in Innsbruck. An der FH in Wien ist eine Verdopplung der Studienplätze bis 2025 geplant, bis dahin werde jedes Jahr aufgestockt, erklärt die designierte Studiengangsleiterin Heike Polleit.

Zu den Ursachen des Mangels sagt sie: Der Fokus der Bedarfsanalysen liege vorrangig auf dem klinischen Bereich und den einzelnen Bundesländern, wie bei einer Analyse aus dem Jahr 2020 für die Ostregion. Eine österreichweite Analyse fehle. Das sei heute nicht mehr zeitgemäß, da immer mehr Hebammen außerhalb der Krankenhäuser arbeiten würden: "Die Liegezeit im Wochenbett verkürzt sich", so Polleit. Feichtlbauer ergänzt: "Heutzutage leben die meisten alleine und nicht mehr in Familienverbänden." Dadurch sei der Bedarf an Hausbesuchen und Unterstützung in den vergangenen Jahren immer mehr gestiegen.

Wer auf der Suche nach einer Kassenhebamme ist, hat es noch schwerer. Davon gibt es österreichweit derzeit nur 252, unterschiedlich verteilt auf die Bundesländer. Der größte Mangel herrscht in Vorarlberg und Wien. In den beiden Bundesländern müsste eine Kassenhebamme zwischen 700 und 850 Geburten pro Jahr betreuen. "Das Maximum für eine Hebamme in der Nachbetreuung sind aber 120 bis 140 Geburten pro Jahr", sagt Feichtlbauer. Wenn diese also voll sind, besteht noch die Möglichkeit, eine Wahlhebamme zu suchen - natürlich eine Kostenfrage und für viele Familien nicht leistbar.

Aber warum gibt es so wenige Kassenhebammen? "Sehr viele wollen keinen Kassenvertrag. Der Bruttolohn von 40 Euro für einen Hausbesuch ist zu wenig", sagt die Präsidentin der Standesvertretung. Denn Hausbesuche in den ersten Tagen nach der Geburt würden oft bis zu eineinhalb Stunden dauern. "Wir betreuen ja Mutter und Baby, es gibt Fragen zum Stillen, zur Rückbildung, zum Neugeborenen." Daher fordert das Hebammengremium einen neuen Gesamtvertrag mit besserer Entlohnung und mehr Kassenstellen - auch mit Teilzeitmöglichkeiten.

Von der Österreichischen Gesundheitskasse heißt es dazu, dass eine Adaptierung des Gesamtvertrags mit Ende des Jahres in Planung sei, "dabei wird auch über die aktuellen Probleme sowie die Tarifierung diskutiert werden". Zu der Forderung nach mehr Teilzeitverträgen wurde mit dem Hebammengremium bereits über eine Änderung abgestimmt.

Arbeiten unter Druck

Als Grund für den Mangel sieht Ulrike Ploil, die Obfrau des Vereins freier Hebammen, auch die schlechten Arbeitsbedingungen: "Wir tragen eine hohe Verantwortung und in den letzten Jahren sind die Aufgaben immer mehr geworden", so Ploil, die sich für eine Erhöhung des Gehalts ausspricht. Dann würde viel Frust wegfallen. Viele hätten auch im Urlaub oder Krankenstand ein schlechtes Gewissen, weil es keine Vertretungen gebe.

Teilweise müsse eine Hebamme im Krankenhaus dann mehrere Frauen gleichzeitig betreuen, "sowohl die Gebärenden als auch die Hebammen selbst hätten lieber eine Eins-zu-Eins Betreuung". Studien zeigen, dass sich diese positiv auf Mutter und Kind auswirken - trotzdem ist das in Österreich eine Seltenheit geworden. Gerlinde Feichtlbauer kämpft daher für ihr Ziel, "dass alle Frauen in Österreich eine Kassenhebamme zur Nachbetreuung haben können".