Die Entwicklung der Umweltsituation bereitet vielen jungen Menschen in Österreich erhebliche Sorgen. 40 Prozent der 14- bis 16-Jährigen bereitet die Umweltverschmutzung große Angst, weiteren 45 Prozent haben deswegen etwas Angst. Vor den Folgen des Klimawandels haben 36 Prozent in dieser Altersgruppe große Angst, bei weiteren 45 Prozent herrscht wegen der Auswirkungen des Klimawandels etwas Angst.

Diese Umweltängste sind bei Jugendlichen aus mittleren und oberen Schichten mehr ausgeprägt. Sie sind damit insgesamt auch stärker ausgeprägt als die Angst, dass die eigene Familie zerbricht und die Sorge vor einer schweren Krankheit.

Diese Ergebnisse gehen aus einer Studie der Pädagogischen Hochschulen Österreichs hervor, für die immerhin 14.432 Mädchen und Burschen im Alter von 14 bis 16 Jahren in ganz Österreich repräsentativ mit einem Online-Fragebogen um Auskünfte zu ihren Wertehaltungen befragt wurden. Vorgestellt wurde die Untersuchung am Dienstag von Bildungsminister Heinz Faßmann mit den Studienautorinnen Gudrun Quenzel und Gabriele Böheim. Befragungszeitraum war von März bis Juni 2020, also in den Anfangsmonaten der Pandemie, die ausdrücklich nicht Thema war.

Umso mehr fällt auf, wie zuversichtlich die Jugendlichen generell in die Zukunft schauen. Denn die Hälfte der 14- bis 16-Jährigen bewertete die eigenen Zukunftsaussichten völlig positiv, weitere 40 Prozent sieht eher positiv in die eigene Zukunft. Für rund zehn Prozent der Jugendlichen sind hingegen die Aussichten alles andere als rosig und sie befürchten auch, die eigenen Ziele nicht erreichen zu können.

Konservative Einstellungen

"Der Postmaterialismus hat sich nicht weiter fortgesetzt", resümierte Faßmann. Er verwies darauf, dass Werte wie sicherer Arbeitsplatz und gute Partnerschaft für die Jugendlichen einen hohen Stellenwert haben. Das sei eine "durchaus konservative Einstellung". Sie zeigten außerdem Interesse an der Politik: "Sie sind nicht entpolitisiert, das ist ein Vorurteil." Das Gefühl, sich vom System abgehängt zu fühlen, zeige sich nicht, betonte Faßmann.

Die bedeutendsten Werte sind gemäß der Lebenswelt-Studie gute Beziehungen zu den für sie wichtigen Menschen (87 Prozent), sich für Freunde einsetzen (72 Prozent) sowie die Absolvierung einer guten Ausbildung (75 Prozent). Außerdem ist es 68 Prozent sehr wichtig, das Leben in vollen Zügen zu genießen.

Laut Studie lassen sich vier Wertetypen unterscheiden: Materialisten (25 Prozent) legen besonders Wert auf hohen Lebensstandard sowie Macht und Einfluss. Erfolgsorientierten (29 Prozent) geht es um beruflichen Aufstieg. Ebenso groß ist die Gruppe der Idealisten, die eine tolerante Einstellung vertreten und stark für Umwelt eintreten. Zögerliche (18 Prozent) haben wenig Ziele und beurteilen Zukunft und Gesundheit selten positiv.

Das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft wird befürwortet, es zeigt sich aber ein ambivalentes Bild. So stimmten zwar 83 Prozent der Aussage zu, dass die Bevölkerung durch das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern profitieren kann. 68 Prozent der Befragten waren für die Aufnahmen von Geflüchteten. Gleichzeitig werden aber auch Ansprüche an die Zuwanderer gestellt. 70 Prozent sagten, dass Menschen, die nach Österreich kommen, sich an die österreichische Kultur anpassen sollten.(ett)