Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist Montag und Dienstag in Rom zu Gast. Montag Vormittag ist er im Vatikan mit Papst Franziskus und Staatssekretär Pietro Parolin zusammengetroffen. Als Gesprächsthemen wurden im Vorfeld die Klimakrise und die aktuelle Lage der Coronapandemie genannt. Es ist nach einer Visite im November 2017 der zweite Besuch Van der Bellens bei Papst Franziskus. 

Er schätze Papst Franziskus außerordentlich, verriet Van der Bellen und verwies ausdrücklich auf dessen Enzykliken "Laudato Si'" und "Fratelli Tutti", in denen sich der Pontifex mit Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes sowie des sozialen Zusammenhalts auseinandersetze. "Papst Franziskus wird in die Geschichte eingehen", sagte der Bundespräsident. Der Vatikan sei in Umwelt- und Migrationsfragen sehr engagiert und beobachte dabei auch genau die Entwicklungen in den verschiedenen Ländern, also auch in Österreich. In der Flüchtlingsfrage vertrete der Papst etwa die Ansicht, dass auch "kleine Aktionen" helfen könnten, meinte Van der Bellen. Er erinnerte daran, dass der Papst auch ohne viel öffentlichen Aufhebens einige Flüchtlingsfamilien von griechischen Inseln nach Rom geholt habe. "Die Kirche fördert auch humanitäre Aufenthalte."

Kunst der Caritas-Kunstgruppe Retz als Gastgeschenk

Gemeinsam mit seiner Frau Doris Schmidauer hatte Van der Bellen auch Präsente dabei. Dem Papst wurde laut Präsidentschaftskanzlei ein Bild der Malerin Karin Mayer aus der Caritas-Kunstgruppe Retz für Menschen mit Behinderungen verehrt. Zudem eine symbolische "Ziegenherde" (20 Ziegen) aus der "Sinnvoll Schenken"-Reihe der Caritas für bedürftige Familien in Burundi.

Neben dem "nützlichen" (O-Ton Van der Bellen) Ziegen-Geschenk bekam Franziskus auch ein Bild der Malerin Karin Mayer aus der Caritas-Kunstgruppe Retz für Menschen mit Behinderungen verehrt. Zudem einen Katalog der Ausstellung "Kunststationen", die derzeit im Stift Melk zu sehen ist und Werke von 13 Künstlerinnen und Künstlern der Gruppe zeigt, zu der auch Karin Mayer gehört. Die 1967 geborene Künstlerin freute sich der Präsidentschaftskanzlei zufolge sehr. Dass einmal eines ihrer Bilder niemand Geringerem als Papst Franziskus übergeben würde, hätte sie vor wenigen Tagen nicht für möglich gehalten. Auch Thomas Krottendorfer, Leiter mehrerer Caritas-Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Niederösterreich, war über die Auswahl der Geschenke erfreut. "Wir empfinden es als große Anerkennung für unsere Arbeit, vor allem aber für die Arbeit der Kunstgruppe Retz."

Er habe auch versucht, Papst Franziskus zu einem Besuch in Wien und Österreich zu "überreden", erzählte der Bundespräsident bei dem Treffen mit mitgereisten und lokal akkreditierten Medienvertretern. Er sei sich aber bewusst, dass die Chancen auf eine Annahme der Einladung eher gering seien. Für Papst Franziskus gebe es "andere Prioritäten".

In Begleitung der Ministerinnen Edtstadler und Gewessler

Das Verhältnis zwischen dem Vatikan und Österreich sei ja "ausgezeichnet", und der Papst gehe lieber "in die Peripherie". Er besuche also lieber Krisengegenden, erinnerte Van der Bellen daher auch die "sensationelle" Reise von Franziskus in den Irak im vergangenen März. Dass der Papst dort den interreligiösen Dialog mit der muslimischen Welt ("Schiiten wie Sunniten") gesucht und gestärkt habe, sei ein Zeichen dafür, wie sehr sich der Vatikan um den Frieden und die Sicherheit in der Welt bemühe.

Neben der Pandemie und der Klimakrise sind auch das Verhältnis Europas zu den Großmächten und die EU-Annäherung der Westbalkan-Staaten Thema bei den Gesprächen im Vatikan. - © Apa/Helmut Fohringer
Neben der Pandemie und der Klimakrise sind auch das Verhältnis Europas zu den Großmächten und die EU-Annäherung der Westbalkan-Staaten Thema bei den Gesprächen im Vatikan. - © Apa/Helmut Fohringer

Weiters kam Van der Bellen, der bei seinem Rom-Besuch auch von EU-Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) begleitet wird, auch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ("Das ist eigentlich der Regierungschef im Vatikan") zusammen, dem "ein Kreuz aus Holz und Glas, gefertigt von Mitarbeitern der Caritas-Behindertenwerkstätte in St. Pölten" und eine Sachertorte überreicht wurden. Gewessler - die Grüne-Minsterin nahm für die Hin- und Rückreise nach und von Rom übrigens umweltbewusst den Zug - zeigte sich nach dem Treffen auch positiv angetan vom Klima-Engagement des Papstes. Edtstadler hob hernach kurz hervor, dass mit dem Papst auch das Thema Westbalkan besprochen worden sei. Österreich tritt ja als Verfechter einer EU-Erweiterung um die Balkanländer Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Nordmazedonien, Montenegro und Serbien auf.

"Optimistisch" für Überwindung der Pandemie

Nach einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella zeigte sich Van der Bellen "optimistisch" bezüglich eines Endes von Corona. "Die Pandemie, wie wir sie erlebt haben, kann als überwunden gelten", sagte er am Montag nach einem Treffen mit seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella. "Aber wir müssen mit Mutationen rechnen, gegen die es noch keine Impfstoffe gibt." Doch würden jüngste Erfahrungen Hoffnung machen, dass auch dagegen rasch Vakzine rasch gefunden würden.

Van der Bellen bezog sich dabei auf die Effizienz und Schnelligkeit, mit denen in den vergangenen Monaten Covid-19-Impfstoffe entwickelt worden sein. Mit seinem italienischen Kollegen habe er daher auch besprochen, wie es nach der Pandemie etwa wirtschaftlich weitergehen solle. Daher müssten auch Konzepte entwickelt werden, wie auch Italien von den wirtschaftlichen Wiederaufbaukonzepten der EU profitieren könne. Mit dem seit Februar im Amt befindlichen Regierungschef Mario Draghi, der von 2011 bis 2019 Chef der Europäischen Zentralbank EZB gewesen war, sollten diese aber umgesetzt werden können. Mit Draghi wird Van der Bellen am Dienstag zusammentreffen.

Italien sei wirtschaftlich etwas härter betroffen

Italien sei von der Pandemie wirtschaftlich etwas härter getroffen worden als Österreich, analysierte Van der Bellen. Das liege auch daran, dass das südliche Nachbarland noch stärker von Tourismus abhängig sei als Österreich. Eine Erholung Italiens wäre aber auch für Österreich wichtig. Einerseits sei dies fast schon eine "Herzensangelegenheit", formulierte Van der Bellen, weil alljährlich Hunderttausende Österreicher Urlaub an der Adria machen würden, andererseits seien Österreich und Italien wirtschaftlich sehr eng verflochten. "Ich habe heute gelernt, das Österreich allein mit Firmen in der Lombardei mehr Handel betreibt als mit ganz Russland."

Gehe es also Italiens Wirtschaft gut, habe dies auch positive Auswirkungen auf Österreich. Umgekehrt verspüre bei negativen Entwicklungen auch Österreich negative Konsequenzen. Auch wir haben also größtes Interesse, dass die Regierung Draghi Konzepte auf de Beine bringt", erklärte Van der Bellen. Zudem habe er mit Mattarella auch Themen wie eine gemeinsame EU-Außenpolitik besprochen. Diese lasse noch zu wünschen übrig. Etwas bei der Suche nach einer gemeinsamen Position gegenüber Russland.

Gemeinsamkeiten in der Politik Österreichs mit Italien ortete der Bundespräsident in der Frage einer baldigen EU-Erweiterung am Westbalkan. Er hoffe, dass Differenzen zwischen Nordmazedonien und Bulgarien, die derzeit die Beitrittsgespräche zwischen der EU und Skopje aber auch mit Albanien stocken lassen, bald überwunden werden könnten. Keine Hoffnung machte sich Van der Bellen indes auf ein ausgiebiges Kultur-Sightseeing-Programms anlässlich seines offiziellen Besuchs in der "Ewigen Stadt". Das sei schade, meinte der Bundespräsident. Nachsatz: "Aber das ist in diesem Amt eben so."

Abschließend gibt es am Dienstag ein Treffen mit Premierminister Mario Draghi und mit den Südtiroler Abgeordneten im italienischen Parlament. Edstadler hat am Montagnachmittag einen Termin mit der italienischen Innenministerin Luciana Lamorgese, bei dem laut Diplomatenkreisen wohl das Thema Migration erörtert wird. Gewessler kommt demnach Dienstag früh mit Verkehrsminister Enrico Giovannini zusammen. Bei diesem Gespräch dürfte es nicht zuletzt um das Thema Transit am Brenner gehen.(apa)