Am Areal des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers Liebenau ist eine Gedenktafel zerstört worden. Der Schaden wurde am Montag der Polizei gemeldet, der Vorfall im Maria-Cäsar-Park dürfte sich jedoch schon in der Vorwoche zugetragen haben. Die Informationstafel war erst im Herbst des Vorjahres vonseiten der Stadt Graz aufgestellt worden. Kulturstadtrat Günter Riegler (ÖVP) zeigte sich am Dienstag bestürzt und verurteilte die Beschädigung auf das Schärfste.

Vonseiten der Stadt Graz geht man davon aus, dass die Beschädigung mutwillig erfolgt ist. - © Apa / BIK
Vonseiten der Stadt Graz geht man davon aus, dass die Beschädigung mutwillig erfolgt ist. - © Apa / BIK

Vonseiten der Stadt Graz geht man davon aus, dass die Beschädigung der rund zwei Meter hohen und einen Meter breiten Platte mutwillig erfolgt ist. Mit einem harten Gegenstand sei die Spezialverglasung auf einer Seite der frei stehenden Tafel zerstört worden. Die Ermittlungen der Polizei sind noch am Laufen.

Die Geschichte des NS-Zwangsarbeiterlagers Liebenau  wurde Barbara Stelzl-Marx vom Grazer Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung aufgearbeitet und 2013 publiziert. - © APA/BIK
Die Geschichte des NS-Zwangsarbeiterlagers Liebenau  wurde Barbara Stelzl-Marx vom Grazer Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung aufgearbeitet und 2013 publiziert. - © APA/BIK

"Ich bin zutiefst erschüttert und verurteile diese Schandtat aufs Schärfste. Egal welche niederen Motive hinter diesem Akt des Vandalismus stehen, die Symbolik des Verbrechens ist eindeutig und wir dürfen gerade im Angesicht solcher Taten niemals aufhören zu erinnern und zu mahnen", hielt Kulturstadtrat Günter Riegler fest.

Größtes Zwangsarbeiterlager im Grazer Stadtgebiet

In der NS-Zeit war der Lagerkomplex im Grazer Bezirk Liebenau das größte Zwangsarbeiterlager im Stadtgebiet mit bis zu 5.000 dort festgehaltenen Personen. Im April 1945 war er eine Station der ungarischen Juden auf den Todesmärschen vom "Südostwallbau" im Grenzraum zu Ungarn Richtung Nordwesten zum KZ Mauthausen. Nach Ende des Krieges wurden bei Exhumierungen 53 Leichen geborgen. Wie viele Menschen im Lager insgesamt starben und möglicherweise noch dort begraben liegen, ist nach wie vor unklar. Heute befinden sich dort u.a. eine Wohnsiedlung, eine Sportfläche und ein Kindergarten.

Die Geschichte hat Barbara Stelzl-Marx vom Grazer Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung aufgearbeitet und 2013 publiziert. Einer ihrer Mitarbeiter war in der Vorwoche im Park und hat die Beschädigung entdeckt. "Da wurde mit einem harten Gegenstand und Wucht vorgegangen - das war sicher kein Unfall, denn es handelt sich bei der Verglasung um Spezialglas", schilderte die Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, die auch die Aufstellung der Gedenktafel kuratierte, der APA.

Die Zeithistorikerin hob die Notwendigkeit der laufenden Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte hervor: "Die mutwillige Zerstörung dieses Symbols für die aktive Erinnerungs- und Gedenkkultur an einen historisch 'kontaminierten' Ort ist Beleg für die dringende Notwendigkeit eines offenen und nachhaltigen Diskurses über die NS-Vergangenheit und die liberalen, demokratischen und humanitären Werte, für welche die aktive Aufarbeitung dieses finsteren Kapitels steht", sagte Stelzl-Marx. (apa)