Gusenbauer bezeichnete die Kür Caps zum geschäftsführenden Klubobmann als ein Signal dafür, dass die SPÖ "sehr flexibel und sehr offen" an Probleme und Fragen herangehe. Cap selbst bestätigte in der am Montag erscheinenden Ausgabe des "profil", seine Wahl sei "kein Signal einer sicherheitspolitischen Wende".

Seinen Schwenk begründete Cap mit der aktuellen Außenpolitik von US-Präsident George W. Bush, insbesondere mit der Politik der neuen US-Administration gegenüber Russland und China. Ein weiterer Grund für seine Meinungsänderung sei der Mangel an Reformen der nordatlantischen Verteidigungsorganisation. "Wenn ich die fehlende Reformdiskussion innerhalb der NATO in Erwägung ziehe, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass man eine Mitgliedschaft Österreichs in dieser NATO anpeilt", sagte Cap.

Gusenbauer betonte in der "Pressestunde", dass er "keine Veranlassung" sehe, das bewährte Konzept der Neutralität verbunden mit der Solidarität über Bord zu werfen. Er werde dies sicher nicht tun, nur weil es "der ideologischen Intention Einzelner entspricht".

FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler warf Cap vor, völlig unglaubwürdig zu sein. Kaum erklimme er einen Posten, "fällt er auch schon in einer inhaltlichen Frage voll um. Damit setzt Cap seine konsequente Linie des Selbstverleugnens, der Unehrlichkeit und Unglaubwürdigkeit weiter fort." Der deklarierte NATO-Befürworter Cap zeige damit "einmal mehr seine grundsatzlose und wertelose Position. Ein Weltcup-Slalom im Skifahren ist gegenüber Caps Politik eine gerade Linie", sagte Westenthaler

Gusenbauer rechnet mit Neuwahlen

In der Familienpolitik wollte sich Gusenbauer nicht auf eine Rücknahme des Kindergeldes im Falle einer Regierungsbeteiligung der SPÖ festlegen. Es wäre durchaus möglich, dass sich die Österreicher 2003 daran gewöhnt haben. Ein Versuch, "das Rad der Geschichte" zurückzudrehen und schon heute darüber zu entscheiden, wäre deshalb nicht richtig. Gusenbauer kritisierte, dass die Regierung zwar 17 Mrd. Schilling für das Kindergeld ausgebe aber, die kleinen Einkommensbezieher aber massiv belaste. Nicht ausgehen wird sich seiner Ansicht nach das Nulldefizit gemeinsam mit der von Seiten der FPÖ geforderten Steuersenkung um 30 Mrd. Schilling und der Senkung der Lohnnebenkosten um 15 Mrd. Schilling. Deshalb rechne er mit Neuwahlen.

Mit der Verwaltungsreform droht nach Ansicht Gusenbauers durch das Zusperren verschiedener Einrichtungen und Behörden eine "völlige Entleerung unserer Talschaften". Der SPÖ-Vorsitzende schlug vor, die Gemeinden zum "Eingangsportal" für die Bürger zur Verwaltung zu machen.

ÖVP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat warf Gusenbauer vor, sich weiter in Realitätsverweigerung zu üben und "außer Angstmacherei und Ideen von vorgestern" nichts zu bieten zu haben.