Sibylle Hamann, Bildungssprecherin der Grünen, hat gute Nachrichten für die Elementarpädagogik zu präsentieren. Zusätzlich zur Ausbildung an den fünfjährigen Bundesanstalten für Elementarpädagogik (Bafeb), schaffen die Regierungsparteien weitere Ausbildungsschienen, denn: "Es hat sich gezeigt, dass die Bafeb als beinahe einziger Weg in diesen Beruf nicht optimal ist", sagt Hamann im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Die Entscheidung mit 15 sei für viele zu früh, oft gehen Absolventinnen nicht in den Beruf, der Mangel an Elementarpädagoginnen und -pädagogen ist in manchen Bundesländern bereits eklatant, "in der Steiermark, wo besonders viele fehlen, werden nun in Murregg und Hartberg zwei neue Kollegstandorte geschaffen", sagt sie - dazu kommen einer in Ried in Oberösterreich, je einer in Wien-Favoriten und in Oberwart im Burgenland.

Sowohl während der zweijährigen Kolleg-Ausbildung nach der Matura als auch bei den ebenfalls neuen Aufbaulehrgängen für Assistenzkräfte in Kindergärten, damit diese danach Gruppen leiten, kann man seinen Lebensunterhalt künftig mit einem Fachkräftestipendium finanzieren.

Das war für die Elementarpädagogik bisher genauso wenig möglich wie für die gehobene Gesundheits- und Krankenpflege. In der Pflege bleibt das auch vorläufig so.

Problem: Mangelberuf mit tertiärer Ausbildung

Laut AMS ist die Elementarpädagogik nicht unter den Top 100 Mangelberufen. Auf zwei ausgeschriebene Stellen in der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege aber kommt aktuell nur eine Person, die sich bewirbt. Laut Bedarfserhebung der Gesundheitsökonomie der Sozialversicherung werden im Jahr 2030 75.600 zusätzliche Vollzeit-Arbeitskräfte in der Pflege benötigt, 19.100 davon mit einem Diplom oder Bachelor-Studienabschluss, die "Wiener Zeitung" berichtete.

Am Dienstag gab es einen Beschluss des AMS-Verwaltungsrates darüber, dass nicht nur bei den elementarpädagogischen Aufbaulehrgängen, sondern auch während der zweijährigen College-Ausbildung ein Fachkräftestipendium möglich ist. Von Seiten des AMS heißt es, dass es dafür noch die Zustimmung des Ministeriums brauche, eine Gesetzesänderung sei dafür nicht notwendig, denn: "Der Kolleg-Abschluss ist kein tertiärer, sondern gleichwertig mit jenem der fünfjährigen Schule", erläutert Hamann.

Anders ist das bei der gehobenen Pflege: Denn in der Pflege gibt es zwar einen Mangel, was eine Voraussetzung für diese Förderschiene ist. Deshalb sind auch einige Berufe wie die zweijährige Pflegefachassistenz-Ausbildung, nach einem Ministerratsbeschluss vor kurzem künftig auch die einjährige Pflegeassistenz, sowie die Diplomschulen in der Liste an Berufsausbildungen zu finden. Im Arbeitsmarktservicegesetz ist dezidiert verankert, dass mit diesem Stipendium bis zu drei Jahre nur eine "Qualifikation unter dem Fachhochschulniveau" gefördert wird.

Schon jetzt streben immer mehr Interessierte an die Fachhochschulen, um Gesundheits- und Krankenpflege zu studieren. Und: "Die Gesundheits- und Krankenpflegeschulen laufen mit Ende 2023 aus", erklärt Silvia Rosoli, Pflegeexpertin der Arbeiterkammer Wien. "Dann wird nur noch auf Fachschulniveau ausgebildet" - weshalb sie "vehement" fordert, dass das Fachkräftestipendium für tertiäre Pflegeausbildungen geöffnet wird. "Je besser die Ausbildung, desto höher das Qualitätsniveau in der Pflege und das brauchen wir, schließlich wollen wir gute Qualität", sagt Rosoli.

Gesetzliche Änderungen lassen auf sich warten

"Um das möglich zu machen, auch in der Elementarpädagogik, wo der Trend auch in Richtung tertiärer Ausbildung geht, braucht es eine gesetzliche Änderung", sagt auch AK-Arbeitsmarktexpertin Silvia Hofbauer.

Tatsächlich setzt die Regierung im Moment auch eine tertiäre Qualifizierung für jene um, die bereits ein Studium der Bildungswissenschaften, der Pädagogik oder einen Lehramts-Bachelor haben. Nach zwei Semestern ist man damit auch Elementarpädagogin oder -pädagoge. Dafür ist ebenfalls kein Fachkräftestipendium möglich.

Dabei bleibt es vorläufig auch, denn aus dem Arbeitsministerium heißt es auf Anfrage der "Wiener Zeitung": "Die Trennung zwischen Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik ist gesetzlich festgelegt." Über Stiftungsmodelle sei es aber auch möglich, gehobene Pflegeausbildungen abzuschließen, etwa in der neuen Pflegestiftung Wien, "die vom AMS Wien in enger Abstimmung mit dem Ministerium unterstützt wird".