Georg Strasser, der seit 2017 amtierende Präsident des ÖVP-Bauernbundes, ist am Samstag in Korneuburg in Niederösterreich beim Bundesbauernrat mit 97,9 Prozent wiedergewählt worden. "Mein Team und ich gehen mit voller Zuversicht und Elan in die kommenden vier Jahre", sagte Strasser. Zum gestrigen Kompromiss zur künftigen EU-Agrarpolitik sagte er, dass heimische Bauern Klima-und Umweltschutz schon seit Jahren leben würden. Eine Abfuhr erteilte Strasser "grünen Phantasien".

Europa dürfe kein "grünes Reservat" werden, das Lebensmittel aus Südamerika oder Afrika importiere. Das sei der Umwelt keinesfalls zuträglich. "Wir können nicht verbieten, dass unsere wertvollen bäuerlichen Erzeugnisse durch billige Agrarrohstoffe aus Übersee wie Kokosfett oder Palmöl ersetzt werden. Aber wir werden alles tun, um diese Verfehlungen aufzuzeigen."

"Wir sind gegen Außernutzungsstellungsphantasien und für ein Wirtschaften, das die natürlichen Ertragspotenziale und den Standort berücksichtigen", sagte Strasser zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP). "Der Reichtum an qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und vielfältigen Lebensräumen sind ja keine Zufallsprodukte, sondern das Resultat jahrelanger bäuerlicher Arbeit. Unsere Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft ist: eine ökosoziale und nachhaltige Bewirtschaftung."

Märkte aktiv gestalten

Das AMA-Gütesiegel will der Landwirt und Abgeordnete zum Nationalrat, der dieser Tage 50 Jahre alt wird, weiterentwickeln und "palmölfrei" machen. "Wir müssen den Weg der Qualitätsproduktion weitergehen, denn Qualität wird Trumpf bleiben", sagte Strasser bei der coronabedingten Hybrid-Veranstaltung mit rund 70 Anwesenden mit Abstand und FFP2-Masken - darunter prominente ÖVP-Politikerinnen und -Politiker - und hunderten Online-Teilnehmern. "Das ist der einzige Weg, um Mehrerlöse auf den agrarischen Märkten zu generieren. Dafür müssen wir Märkte aktiv gestalten, Kräfte bündeln und Marktmacht zurückgewinnen."

Parteichef und Bundeskanzler Sebastian Kurz lobte Strasser in einer Video-Botschaft als "ruhig und besonnen" und "hart in der Sache". Der Bauernbund stehe für "Kompromisslosigkeit, wenn es um die Interessen der Bauern geht". In einer Live-Schaltung freute sich der Kanzler dann über eine gute Entwicklung in der Pandemie und bevorstehende weitere Öffnungsschritte. "Es fällt gerade viel Last von meinen Schultern." Auch strich Kurz hervor, dass die heimischen Bauern die Versorgungssicherheit sicherten.

Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner thematisierte den Klimawandel und vor allem die schweren Unwetterschäden der vergangenen Tage mit den großen Schäden in der Landwirtschaft und darüber hinaus. Man wehre sich aber gegen zu hohe Forderungen an Umweltstandards gewisser Organisationen, denn diese gefährdeten die heimische Produktion. Es gehe um eine nachhaltige Landwirtschaft. Strasser bezeichnete sie als "Mann mit Weitblick": "ein Visionär".

Wahlbeteiligung lag bei 92 Prozent

Strasser stehe "zu 100 Prozent hinter der Landwirtschaft, zu 100 Prozent hinter den Bäuerinnen und Bauern", sagte Agrarministerin Elisabeth Köstinger. Bei der GAP-Reform werde Österreich "ein paar Dinge anpassen müssen", der bisherige Weg könne aber weitergehen. Insgesamt werde die Landwirtschaft in Europa umweltfreundlicher. "Da fangen manche bei Null an."

Als Stellvertreter hat Strasser im Präsidium neben Köstinger (97,3 Prozent), Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger (99,3 Prozent), Nationalrätin und Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger (100 Prozent) und die oberösterreichische Bauernkammer-Präsidentin Michaela Langer-Weninger (100 Prozent). Zur Bundesschriftführerin wurde Carina Reiter gewählt, zum Bundesfinanzreferent der Wiener Landwirtschaftskammer-Chef Franz Windisch.

Zur Wahl waren insgesamt 160 Delegierte eingeladen, 148 Stimmen langten bei der Wahlkommission, die die Auswertung vornahm, ein. Die Beteiligung lag somit bei 92 Prozent.