Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) will wieder politischer werden und so nach der mit 16 Prozent historisch niedrigsten Wahlbeteiligung das Interesse der Studenten an der ÖH wieder steigern. "Wir müssen als ÖH wieder eine laute Stimme für ausnahmslos alle Studierenden sein und werden das allgemeinpolitische Mandat deshalb nicht nur nutzen, sondern ausreizen", so die stellvertretende ÖH-Chefin Keya Baier (Grüne und Alternativen Student_innen (Gras) per Aussendung.

Ab heute steht wieder eine Koalition aus Verband Sozialistischer Student_innen (VSStÖ), Gras und Fachschaftslisten (FLÖ) an der Spitze der ÖH. Eine solche gab es auch in der vergangenen zweijährigen Exekutivperiode, sie flog allerdings im Sommer 2020 nach längeren Querelen in die Luft. Nachdem nach und nach alle Vorsitzenden zurückgetreten waren, wurde schließlich im Herbst Sabine Hanger von der ÖVP-nahen AktionsGemeinschaft zur ÖH-Vorsitzenden gewählt. Dementsprechend schwierig gestalteten sich auch die Koalitionsverhandlungen.

Die neue Exekutive will nun jedenfalls für Studierende eine Strategie aus der Krise erarbeiten und die Sichtbarkeit der Interessenvertretung stärken. Thematisch will sich die Koalition der sozialen Absicherung von Studenten, dem Kampf gegen die Klimakrise und einer chancengerechten Bildungspolitik widmen. Bei einer Neuauflage des "Forum Hochschule" sollen visionäre Lösungen für die Zukunft der Bildung erarbeitet und bei einer flächendeckenden Studierendenbefragung die Bedürfnisse der Studenten abgefragt werden.

ÖH-Vorsitzende fordert soziales Auffangnetz

Von der Politik forderte ÖH-Vorsitzende Sara Velic (VSStÖ) ein soziales Auffangnetz für Studierende sowie hybride Studienangebote. Und: "Die Studierenden müssen ab Herbst wieder sicher an die Hochschulen zurück kommen können." Gerade in Krisenzeiten müssten die Interessen der Studierenden in den Vordergrund gestellt werden, kündigte Naima Gboara (FLÖ) mehr Vernetzung der ÖH auf allen Ebenen an.

Neben der Bundes-ÖH treten mit 1. Juli auch die neuen Hochschulvertretungen ihr Amt an und da gab es an einigen großen Unis Farbverschiebungen: An der Uni Wien steht diesmal eine rot-dunkelrote Koalition aus VSStÖ und KSV-Lili an der Spitze, Vorsitzende ist Toma Khandour (VSStÖ). Die GRAS ist damit erstmals seit 20 Jahren nicht mehr im Vorsitz der größten Hochschule des Landes und wirft den Ex-Koalitionspartnern vor, sie seien in einen "rot-roten Machtrausch" verfallen. Der Haussegen hing allerdings ohnehin schon länger schief, auch an der Uni Wien war zur Mitte der vergangenen Amtsperiode das damalige Arbeitsbündnis der drei Fraktionen geplatzt.

Einfarbige Exekutiven gibt es mittlerweile nur noch an der Technischen Universität (TU) Wien (FLÖ) und an der WU (AG). Die ÖH Uni Innsbruck wird nach dem Verlust der AG-Absoluten diesmal von einer Koalition aus AG und JUNOS angeführt. An der Uni Linz wird der Vorsitz nun von einer Koalition aus AG und JUNOS gestellt, die Fachschaftslisten wurden als Junior-Partner abgelöst. An der Uni Graz setzt man zum zweiten Mal auf eine "Grapefruit-Koalition" aus AG, Gras und JUNOS, ebenfalls in die zweite Runde geht an der Uni Salzburg die Kooperation von Gras, VSStÖ und der Liste unabhängiger & kritischer Studierender (LUKS). An der Uni Klagenfurt wird die Zusammenarbeit von AG und VSStÖ weitergeführt. (apa)