In Wien warten derzeit rund 15.000 Personen mit einer Dosis AstraZeneca im Arm auf ihren zweiten Stich. Seit Montag ist es nun möglich, Impfstoffe zu mischen, also die zweite Teilimpfung mit Biontech/Pfizer zu erhalten. Ein solches heterologes Impfschema wird vom Nationalen Impfgremium allerdings nicht empfohlen, nur unter bestimmten Umständen soll es angeboten werden. Das österreichische Fachgremium ist damit vorsichtiger als das deutsche (Stiko), das den Wechsel auf Biontech/Pfizer empfiehlt.

Wörtlich heißt es in Österreich: "Sind nach einer 1. Dosis schwere Nebenwirkungen aufgetreten, die einen Impfstoff-Wechsel rechtfertigen, oder ist dies aus Sicht der zu impfenden Person dringend wünschenswert, so soll ein Impfstoffwechsel angeboten werden." Es wird explizit darauf hingewiesen, dass es sich um eine Off-label-Anwendung handelt. Das bedeutet, es gibt keine Zulassung dafür und keine Empfehlung der Hersteller. Für eventuelle Haftungsfragen ist das von Relevanz.

Die Stellungnahme des Impfgremiums kann so interpretiert werden: Man sollte grundsätzlich beim herkömmlichen Schema bleiben. Bevor man es aber, aus welchen Gründen auch immer, nur bei der ersten Teilimpfung AstraZeneca belassen würde, etwa wegen starker Impfreaktionen, dann ist der Wechsel auf Biontech/Pfizer angeraten. Zentral für den Schutz sind jedenfalls zwei Impfungen. Eine Vollimmunisierung nur mit AstraZeneca bietet auch gegen "Delta" einen guten Schutz vor einer Erkrankung.

Basis für die Entscheidung des Impfgremiums ist vor allem eine Studie der Universität Oxford mit je 100 Probanden für die unterschiedlichen Impfstoff-Kombinationen, wie der Pharmakologe Markus Zeitlinger der MedUni Wien erklärt. Es handelt sich um eine kleine Studie.

Bessere Immunantwort

Angesichts der dünnen Evidenz ist Zeitlinger zurückhaltend. Die ersten Erkenntnisse aus Oxford deuten aber darauf hin, dass die Zweitimpfung mit Biontech/Pfizer nach einem AstraZeneca-Erststich zu einer stärkeren Immunantwort führen könnte, sowohl hinsichtlich der Antikörper als auch des zellulären Schutzes. Andererseits werde auch von stärkeren Impfreaktionen berichtet, zumal bei AstraZeneca diese vor allem nach der ersten und bei Biontech/Pfizer nach der zweiten Teilimpfung gehäuft auftreten. Bei einem heterologen Impfschema kann es zweimal zu spürbaren Reaktionen kommen.

Die Ärztekammer hat eine von Präsident Thomas Szekeres in Ö1 ausgesprochene Empfehlung für einen Impfstoffwechsel am Mittwoch abgeschwächt. Man widerspreche dem Impfgremium nicht, das eben nur die Ermöglichung empfahl, nicht aber einen generellen Wechsel. Grundsätzlich sind die Hausärzte gute Ansprechpartner, jedoch wäre es zu viel von ihnen verlangt, tagesaktuell über die wissenschaftlichen Evidenzen zu diversen Impfstoff-Kombinationen informiert zu sein.

In Wien können ab Freitag (über die Hotline 1450) dennoch alle Kandidaten mit einem AstraZeneca-Erststich auf Biontech/Pfizer umstellen. Bei anderen Impfstoffen ist keine Kreuzimpfung möglich. Das betrifft potenziell die chinesischen und russischen Impfstoffe, die etwa in Serbien und Ungarn verimpft wurden. Diese Impfstoffe sind in der EU nicht zugelassen und daher auch nicht Teil des Grünen Passes. Über die Risiken und die Wirksamkeit einer Nachimpfung mit einem in Österreich zugelassenen Impfstoff gibt es bei Sputnik-V oder Sinovac noch keine Studien.