Um ein Sommerloch müssen sich politisch Interessierte in diesem Jahr wohl eher nicht sorgen. Es sei denn, SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner und Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gehen ausgerechnet zur selben Zeit auf Urlaub. Noch sind beide in Amt und Würden. Gut möglich, dass es in dem Streit auch genau darum geht, nämlich um Amt und Würde.

Astrid Eisenkopf, Doskozils Stellvertreterin im Burgenland, erklärte zwar an Montag, dass es bei diesem Konflikt nur um Inhalte ginge, aber es ist offensichtlich, dass sich die Auseinandersetzung schon weit darüber hinaus entwickelt hat. Das Verhältnis von Rendi-Wagner und Doskozil scheint derzeit auch unkittbar. Gerätselt wird aber, was am Ende dieses Konflikts stehen wird.

Nachdem die Vorsitzende Doskozil am im Sommergespräch auf Puls 4 am Montag vorwarf, "unehrlich" und "inkonsistent" zu sein, reagierte der Angesprochene am Dienstag. Die Worte Rendi-Wagners nahm Doskozil als "Beflegelung" wahr. "Das wird schon zur Posse. Ich hör’ mir das gar nicht mehr an." So agiert nicht einmal der politische Gegner im Burgenland gegen meine Person".

Der Konflikt eskalierte, als die Rendi-Wagner in der "ZiB 2" Mitte April den burgenländischen Landeshauptmann für seine Entscheidung scharf kritisierte, den Lockdown zu beenden. Das Risiko, das Doskozil damals nahm, ging jedoch auf. Die Infektionszahlen fielen trotz Öffnung. Mit dem Verweis auf das Interview zog sich Doskozil drei Wochen später aus der Bundespartei zurück.

Verständnis von Wimmer, Kritik von Kaiser

Mit dem Parteitag, auf dem nur 75 Prozent Rendi-Wagner das Vertrauen aussprachen, änderte sich das öffentliche Auftreten der Parteichefin. In mehreren Interviews, wie zuletzt eben auf Puls 4, sprach sie, regelrecht gelöst wirkend, über die Schwierigkeiten der Parteiführung, über Enttäuschungen und Ärgernisse. Und über Doskozil.

"Ich verstehe, dass ihr der Kragen platzt. Man kann nicht immer nur einstecken", sagte Gewerkschafter Rainer Wimmer den "Oberösterreichischen Nachrichten". Dass es in der SPÖ so weit gekommen sei, sei traurig. "Aber ich glaube, es gibt für Rendi-Wagner keine andere Möglichkeit, als sich zur Wehr zu setzen." Doskozils Vorgehen sieht Wimmer kritisch, er schade der Partei.

Zu Wort gemeldet haben sich auch die anderen beiden roten Landeshauptleute, Peter Kaiser aus Kärnten und Michael Ludwig aus Wien, allerdings ohne klare Positionierung. "Diskutieren und ja, auch streiten, solange bis roter Rauch aufsteigt - aber verdammt nochmal intern", sagte Kaiser der APA. "Alle Beteiligten sind gut beraten, sich jetzt endlich zusammenzureißen."

Ludwig glaubt sogar an eine Zukunft mit beiden. "Manchmal ist es vielleicht gut, dass Unfreundlichkeiten ausgetauscht sind und man dann wieder inhaltlich zusammenfindet." Eine eigene Liste, abseits der SPÖ, hat Doskozil schon vor Wochen klar verneint: "Unvorstellbar."(sir/apa)