Der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Andreas Huss, will nach deutschem Vobild jedem Arzt einen Kassenvertrag anbieten. "Jeder Arzt, der will, kriegt einen Kassenvertrag. Alle anderen sind automatisch Privatärzte", sagt Huss in einem Interview für das Online-Medium "medonline". "Wenn jemand kein Kassenarzt sein möchte, ist er Privatarzt mit all seinen Vor-und Nachteilen."

Der ÖGK-Obmann reagiert damit auf die Forderung der Ärztekammer nach mehr Kassenstellen. Für Huss wäre dies "das sauberste Modell", weil dann würde die Ärztekammer so viele Kassenstellen bekommen, wie sie wolle - "überhaupt kein Problem. Und wir hätten ein reines Kassenarztsystem." Huss will darüber nun mit der Ärztekammer verhandeln.

50 Prozent der Ärzte gehen in Pension

Eine Kompromissvariante, die nach Ansicht des ÖGK-Obmannes wahrscheinlich eher zustande kommt, wäre, "dass Wahlärzte stärker in die Pflicht genommen werden. Jetzt ist es oft so, dass der Wahlarzt Rosinen pickt. Er hat keine Mindestöffnungszeiten, braucht sich nicht an die ökonomische Verschreibweise halten und nicht am Bereitschaftsdienst mitarbeiten, usw. Wenn man Wahlärzte stärker in das Kassensystem einbindet, dann kann man auch diskutieren, ob man nicht auf 100 Prozent Kostenersatz erhöht", meinte Huss.

Die Ärztekammer sieht bereits länger Handlungsbedarf im Kassenbereich. Hier werden rund 50 Prozent der Ärzte in den kommenden zehn Jahren in Pension gehen und schon jetzt würden Kassenstellen teilweise zehn, 20 oder gar über 40 mal erfolglos ausgeschrieben. Vor allem in der Allgemeinmedizin, der Kinder- und Jugendheilkunde und der Frauenheilkunde gebe es Mangel. Um Kassenstellen attraktiver zu machen, fordert Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres weniger Bürokratie sowie neue Arbeitszeitmodelle für junge Ärzte, die sich an der Lebensrealität orientieren. (apa)